Neu bei FBE: "Lenz Ewiger Durst" von Anja Hilling

Foto: © doris s-klaas / Der Tagesspiegel

 

Georg Büchners "Lenz" beschreibt eine Fluchtbewegung, und auf der Flucht hat er sie verfasst. Anja Hilling nimmt Büchners Lenzfigur als Grundlage für die Darstellung eines Poeten, der hier und heute scheitert, in der Kunst wie im Leben – ein Stationentrip von der Stadt durch die Natur in die Erlösung. Dabei ist der Wahnsinn nichts anderes als eine Position zwischen zwei unvereinbaren Sehnsüchten: Gesellschaft und Einsamkeit. Das heißt: Höhepunkte, Augenblicke, Sex, Nähe, Haut, Grenzen, Hoffnung, Enttäuschung, Erfolg. Oder: keine Nähe, keine Grenzen, keine Höhepunkte, keine Erleichterung, kein Hoffen, kein Erfolg. Die Anziehung beider Seiten zieht einen Riss durch den Künstler, der ihn im Laufe des Stücks vom Absturz in die Uferlosigkeit und die totale Auflösung treiben wird. Am Ende seiner Flucht kapituliert Lenz vor der Entgrenzung, die er gerufen hat. Der Dichter fleht, zurückzukehren, zurück in die Grenzen, die er überwinden wollte.

Fünf radikale Akte, jeder eigen in Sprache und Form – ein eigenwilliger und herausfordernder Text, eine atemlose Suche nach der Auflösung des Widerspruchs der menschlichen Existenz, die an der Sehnsucht nach einer Gesellschaft scheitert, die sie zerstört.

Lenz Ewiger Durst ist als Auftragswerk für Dramaten, Stockholm entstanden.

26.04.2016

Stücke zu dieser Nachricht:
Lenz Ewiger Durst

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Hilling, Anja