17.05.2012
Neu bei FBE: Kinder- und Jugendtheaterautorin Isa Schöier
Wir freuen uns, die schwedische Dramatikerin Isa Schöier mit zwei Stücken bei...
Nino Haratischwilis "Z" in Bielefeld, "Drei Sekunden" in Bremen
Achtung: Nach Auskunft des Kleinen Theaters Bielefeld muss die Premiere des...
"Die Kakao-Kuh" feiert UA am Landestheater Detmold
Am 11. Mai feiert Die Kakao-Kuh und der falsche Fuß von Torsten Böhm nach dem...
Ekat Cordes beim Theatertreffen 2012
2010 war Autor und Regisseur Ekat Cordes mit seinem Stück Ewig gärt zum...
Neu bei FBE: Der spanische Autor Jordi Galceran
Wir freuen uns, Ihnen den spanischen Autor Jordi Galceran vorzustellen, der...
Endlich verfügbar: "Alice" von Tom Waits, Kathleen Brennan und Robert Wilson
Die beiden Tom Waits-Werke The Black Rider und Woyzeck avancierten in den...
Neu bei FBE: "Namaste - Glücksucher in Nepal" von Geraldine Aron
Drei Paare mittleren Alters und eine verwöhnte 30-Jährige reisen nach Nepal,...
Gerhart Hauptmann: "Vor Sonnenaufgang" in Bochum
Mit Vor Sonnenaufgang trat der junge Dramatiker Gerhart Hauptmann 1989 ebenso...
"Madame Pompadour" von Leo Fall am Landestheater Coburg
In der Regie von Francois de Carpentries und unter der musikalischen Leitung...
ÖEA "Leben ohne Chris" in Wien
Am 31. Mai findet im Theater im ersten Stock in Wien, in Kooperation der...
Zum Wiederentdecken: Mark Charlaps und Jule Stynes Musical "Peter Pan"
In den vergangenen Jahren durfte das 1954 in der Regie von Broadwaylegende...
![]() | Sternheim, Carl |
Mit seinem Dramenwerk gehört Carl Sternheim, der am 1. April 1878 als ältestes von sieben Kindern eines jüdischen Bankiers in Leipzig geboren wurde, zu den bedeutendsten und meist gespielten Autoren des deutschen Expressionismus. Schon im Alter von sechs Jahren kam Sternheim erstmals mit dem Theater in Kontakt: Seine Familie war nach Berlin umgezogen, wo sein Onkel Direktor des Belle-Alliance-Theaters war.
Das Vermögen seiner zweiten Frau Thea Löwenstein geb. Bauer ermöglichte es Sternheim, sich schon früh ausschließlich auf die Schriftstellerei zu konzentrieren. Seine ersten Versuche als Lyriker ("Fanale", 1902) und Dramatiker ("Das eiserne Kreuz", Auf Krugdorf, beide 1902) erhielten jedoch kaum Resonanz. Erst sein Lustspiel Die Hose avancierte zu einem Erfolg, wobei der Skandal, der sich um die Uraufführung 1911 rankte, ebenso vorteilhaft für Sternheims Durchbruch auf dem Theater gewesen sein dürfte wie die Tatsache, dass sich Max Reinhardt des Autors angenommen hatte und zusammen mit Felix Hollaender zahlreichen Dramen Sternheims am Deutschen Theater Berlin zur Uraufführung verhalf.
Die Hose markiert zugleich den ersten Teil seines Dramenzyklus’ "Aus dem bürgerlichen Heldenleben", zu dem daneben die Werke Der Snob, 1913, Das Fossil, Die Kassette sowie Bürger Schippel zählen und der eine in der deutschen Literatur einzigartige Komödienfolge darstellt, deren gesellschaftssatirischer Inhalt nicht selten mit einem Aufführungsverbot zur Zeit der Entstehung geahndet wurde. Besonderes Markenzeichen Sternheims ist die Reduktion der Sprache hin zu einem stakkatoartigen "Telegramm"-Stil. Auf Adjektive und metaphorische Umschreibungen wird weitgehend verzichtet. Neben der gesteigerten Geschwindigkeit der Dialoge offenbart Sternheim dadurch die Phrasenhaftigkeit der ideologisch gewendeten Sprache.
Sternheim war vor allem von den Komödien Frank Wedekinds und Molières Komik beeinflusst. Seiner Vorliebe für die französische Dramatik verlieh er mit zahlreichen Bearbeitungen französischer Autoren Ausdruck, darunter Der Kandidat nach Flaubert, Der Geizige nach Molière, Die Marquise von Arcis nach Diderot sowie Manon Lescaut nach Prévost.
Nach dem Ende des Kaiserreiches bemühte sich Sternheim, seine Satire auf die unter der Oberfläche kaum veränderten Verhältnisse der Weimarer Republik zu übertragen. Werke wie Der entfesselte Zeitgenosse oder Der Nebbich zeigten sich jedoch auf dem Theater zur damaligen Zeit wenig erfolgreich. Im Jahre 1930 siedelte Sternheim nach Belgien über, wo er mit seiner dritten Frau Pamela Wedekind, der Tochter Frank Wedekinds, bis zu seinem Tod am 3. November 1942 lebte. Seine Dramen und Prosawerke wurden 1933 in Deutschland verboten. Seit dem Zweiten Weltkrieg zählen zahlreiche seiner Theaterstücke zum festen Bestandteil der Spielpläne. Seine Prosawerke hingegen, wie die "Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn", gerieten zunehmend in Vergessenheit.
Sternheims Darstellungen des Verhältnisses zwischen Individuen und Gesellschaft, seine Entlarvungen der gesellschaftlichen Mechanismen sind letztlich zeitlos und haben in ihrer Objektivität und Schärfe nichts an Aktualität verloren.
Komödie in fünf Aufzügen
2D, 8H
UA: 05.03.1913, Kammerspiele/Deutsches Theater Berlin
Dem Gesangsquartett der gefühlvollen Besitzbürger Hicketier, Krey und Wolke ist der Tenor Naumann weggestorben, der auch der Verlobte von Hicketiers Schwester Thekla war. Einzig Paul Schippel, ein unehelich geborener, ungebildeter Proletarier, könnte mit seiner strahlend hellen Stimme die Lücke im Quartett füllen, für das zudem ein Gesangswettbewerb vor der Tür steht. So entschließen sich die wohlanständigen Bürger, Schippel in ihren Kreis aufzunehmen. Der macht seinerseits zur Bedingung, auch die Rolle des Verlobten von Thekla zu übernehmen, ein Wunsch, der ihm ebenfalls gewährt werden soll.
Doch Thekla hat nach einem nächtlichen Liebesstündchen beim Landesfürsten ihren Ruf verloren, so dass Schippel unter Berufung auf den "in mir wurzelnden Begriff der Mannesehre" von der Verlobung zurücktritt. Zur Wahrung des Ansehens wird Thekla kurzerhand mit Krey verlobt. Als Schippel sich abfällig über die zukünftige Braut äußert, wird er von Krey in ein Duell verwickelt, aus dem Schippel als Sieger hervorgeht. Sein leicht verletzter Kontrahent und die übrigen Quartettmitglieder sehen nun auch die letzten Klassenschranken für Schippel beseitigt, der nun glücklich resümieren kann: "Du bist Bürger, Paul."
Sternheim zeigt die Verlogenheiten und den Kitsch als Selbstbestätigung dieser Spießerwelt, in der sich handfeste Egoismen ausleben. Während der Hitler-Diktatur kommentierte er rückblickend: "Alle, die aus der Tiefe zur schwindelnden Höhe der Volksverführer inzwischen Angelangten und immer noch Anlangenden, haben ihr Urbild in dem auch heute mentalen Bastard Schippel!"