10.09.2010
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| Lippa, Andrew |
Andrew Lippa ist als Komponist, Texter, Sänger-Darsteller, Arrangeur und Produzent tätig. Er wurde am 22.12.1964 im englischen Leeds geboren, wuchs aber ab dem vierten Lebensjahr in Michigan/USA auf, wo er auch studierte. Obwohl seine musikalische Begabung früh offenbar wurde und er schon zu Schulzeiten als Sänger auftrat, kam Lippa erst verhältnismäßig spät zum Musikerberuf und wurde 1987 zunächst Lehrer in New York. Als eines seiner ersten Musicals kam "John & Jen" auf die Bühne, 1993 uraufgeführt und 1995 auch off-Broadway produziert. Als Sänger und Arrangeur wirkte er an der Musik zu dem Zeichentrickfilm "The Prince of Egypt" mit, für die sein Mentor Stephen Schwartz verantwortlich zeichnete, und steuerte zur 1999er Neufassung des Peanuts-Musicals "You’re a Good Man, Charlie Brown" Songs und Szenenmusiken bei. 1999 wurde er auch Autor und Supervisor für den Themenpark "Universal Studios’ Islands of Adventure".
Im Jahr 2000 erlebte Lippas The Wild Party in New York seine Uraufführung – nur wenige Tage vor Michael John LaChiusas gleichnamigem Musical nach derselben Vorlage. Lippa hatte das (bis auf einen James-Ivory-Film von 1975 und eine von Art Spiegelman 1994 illustrierte Neuausgabe) weitgehend vergessene Jazz-Age-Poem von Joseph Moncure March in einem Buchladen entdeckt und als Chance begriffen, sein eigenes "Cats" zu komponieren. Die Anfangsidee, Marchs Gedicht einfach zu vertonen, wurde bald verworfen, und Lippa schrieb selbst neue Texte. Seine Wild Party lag schließlich mit 13 Nominierungen für Drama Desk Awards weit vor allen anderen New Yorker Produktionen der Saison. Lippas jüngste Projekte sind Musiken für den Trickfilm "Corey Q Jeeters, I’m Telling on You", für eine Live-Show im MGM Grand in Las Vegas und für ein neues Musical mit dem Titel "Justice".
Buch, Musik und Gesangstexte von Andrew Lippa
Nach "The Wild Party" von Joseph Moncure March
Deutsch von Wolfgang Adenberg
5D, 6H, Ensemble
Orchesterbesetzung: Reed I (Picc, Fl, Klar, S.Sax, A.Sax), Reed II (Fl, Klar, T.Sax), Reed III (Klar, B.Klar, A.Sax, Bar.Sax), Trp (Flügel Hr), Schl, Git, Keyb I, II, B
UA: 24.02.2000, Manhattan Theatre Club New York
DSE: 23.07.2003, Theater Amstetten
DE: 23.04.2005, Theater Heilbronn
"Queenie was a blonde, and her age stood still, / As she danced twice a day in vaudeville" – so begann der Amerikaner Joseph Moncure March 1926 sein Langgedicht "The Wild Party", eine Ode auf die party generation seiner Zeit und eine eiskalte Abrechnung mit Sex, Drugs and Jazz. Und so beginnt auch Andrew Lippas Musical.
Queenie und Burrs, zwei noch junge Vaudevillekünstler mit bewegter sexueller Vergangenheit, sind seit drei Jahren ein Paar. In ihre Beziehung sind Kühle, Desillusionierung und latente Gewalt eingekehrt. Auf Queenies Vorschlag laden die beiden zu einer Party. Tanz, Alkohol, Drogen, Sex sollen für Abwechslung sorgen und die vormalige Leidenschaft wachrufen. Alle Freunde erscheinen: die resolute Madeleine, wie üblich erfolglos auf der Jagd nach Frauen; die Brüder Phil und Oscar, die nicht nur auf der Bühne als Pianisten, sondern auch privat und im Bett ein Paar sind; der Schläger Eddie und seine nicht sehr helle Freundin Mae. Und es kommt auch Kate, immer scharf auf neue Verehrer. Diesmal hat sie den noch jungen Black im Schlepptau. Sein Auftritt wirkt schicksalhaft, denn er und Queenie scheinen füreinander bestimmt; Kate hält sich an Burrs, den sie schon seit eh und je begehrt, doch Burrs pocht auf seine Rechte bei Queenie.
Auf dem Höhepunkt der Party kommt es zum Handgemenge. Black erschießt Burrs in Notwehr und muss fliehen. Queenie schreitet hocherhobenen Hauptes aus der Wohnung und ihrem bisherigen Leben.
Der Broadway hatte Anfang 2000 seine Sensation, als kurz nach Andrew Lippa auch der Komponist Michael John LaChiusa mit einer eigenen Version von Marchs Gedicht auf die Bühne drängte, bei den Tony-Nominierungen aber dramatisch aus dem Feld geschlagen wurde. Ist LaChiusas "Wild Party" musikalisch-szenisch traditioneller geraten, kommt Lippa fast ohne Dialoge aus und bleibt so knapp und direkt wie die literarische Vorlage. Das Defilee der Partygäste rund um den zentralen Liebeskonflikt findet in der klassischen Einheit von Raum und Zeit statt. Die Musik bewegt sich zwischen klassischem Hot Jazz und Popballade und hält mit "A wild, wild party", "An old-fashioned lesbian love-story", "I’ll be here" und "Raise the roof" chart-taugliche Ohrwürmer und überschäumende Tanzensembles bereit.
Hinweis: Für dieses Werk können an Amateurtheater leider keine Aufführungsrechte vergeben werden.