22.04.7582

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Bild von Sascha HawemannHawemann, Sascha

In Berlin 1967 als Kind zweier Theaterregisseure geboren. Er wächst in der DDR und in Jugoslawien auf, Punk in Ostberlin. 1985 flieht er über Ungarn nach Jugoslawien. In Belgrad studiert er von 1988 bis 1991 Schauspielregie. 1991 Flucht vor dem Bürgerkrieg in das wiedervereinigte Deutschland. Von 1991 bis 1993 schließt er sein Regiestudium an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin ab. Von 1995 bis 2000 ist er Hausregisseur, ab 1997 Leitender Regisseur am Hans Otto Theater in Potsdam. Seit 2000/2001 ist er freischaffend. Er inszeniert u. a. am Theater Chemnitz, am Deutschen Theater Berlin, Theater Magdeburg, Staatstheater Nürnberg und Staatsschauspiel Hannover. Am Centraltheater Leipzig war er als Hausregisseur tätig. In der Spielzeit 2013/2014 brachte Sascha Hawemann Christian Frascellas Roman Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe am Hans Otto Theater Potsdam zur Uraufführung.

 

Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe

Theaterfassung von Sascha Hawemann
nach dem gleichnamigen Roman von Christian Frascella
2D, 3H
UA: 05.06.2014, Hans Otto Theater Potsdam

Der jugendliche Erzähler ist ein notorischer Außenseiter, ein talentierter Verlierer – unausstehlich und doch liebenswürdig. Dass in seinem Leben nichts rund läuft, die Mutter mit einem jüngeren Tankwart durchgebrannt ist, der Vater gern einen über den Durst trinkt, die Mönchsrobbe furchtbar frömmelt und er selbst auf der Suche nach Anerkennung und Nähe mit Fäusten und Worten austeilt und doppelt einsteckt, all das scheint dem Jungen gerade recht zu sein. Seine irritierende Arroganz ist dabei Programm und Überlebensmethode zugleich. Voller Entschlossenheit rennt er immer wieder los, teilt aus, steckt ein, und kommt erst zur Besinnung, als "Chef" eines Tages überraschend zusammenbricht.

2013 war Frascellas Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert - eine komische, poetische und zugleich aggressiv realistische Coming-of-Age-Geschichte. Mehr als das ist sie eine politische Geschichte, die von der Europäischen Zeitenwende 89/90 erzählt, einer Zeit der Verunsicherung und des großen Umbruchs. Frascellas Protagonisten verlieren den Halt und versuchen ihn wieder zu finden: Im Glauben, in der Arbeit, im Alkohol oder in der Liebe. Das Politische, das im Roman angenehm unaufdringlich mitschwingt, reizte Sascha Hawemann, den Stoff für die Bühne zu bearbeiten. Im Juni 2014 gelangte seine Fassung am Hans Otto Theater in Potsdam zur Uraufführung. Hawemann trifft Frascellas derben, humorvollen Ton auf brillante Weise und schafft ein Stück, das "gleichsam warmherzig, rasant und einfach nur herrlich impertinent ist - ein seltenes Glück, das man suchen muss" (Potsdamer Neueste Nachrichten).