30.07.2010
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![]() | Hauptmann, Gerhart |
1862 in Schlesien geboren zählt Gerhart Hauptmann zu den bedeutendsten
Vertretern des Naturalismus. Sein umfangreiches Schaffen ausschließlich
darauf zu beziehen, wäre indessen den Intentionen des Autors ebenso
wenig gerecht wie der stilistischen Vielfalt seiner Dramen. Die
Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat und die in seiner Jugend
erfahrene wirtschaftliche Not bestimmen immer wieder seine Themen,
Motive und Charaktere.
Nachdem er mit 16 Jahren die Realschule verlassen hat, beschäftigt
er sich mit vielen unterschiedlichen Studien, ohne sich für die eine
oder andere Richtung entscheiden zu können.
Die Heirat mit einer Großkaufmannstochter enthebt ihn materieller
Sorgen und sichert die Existenz eines freien Schriftstellers. 1889
führt die Uraufführung des sozialen Dramas Vor Sonnenaufgang am Berliner Lessing-Theater zu einem handfesten Theaterskandal.
Seine Schaffenskraft leidet darunter nicht. Im Gegenteil: 1893 werden die Dramen Die Weber, Der Biberpelz und Hanneles Himmelfahrt
innerhalb von zehn Monaten an drei Berliner Bühnen uraufgeführt. Bald
zählt der "Revolutionär" zu den Etablierten, wird als Volksdichter
gefeiert und erhält 1912 den Literatur-Nobelpreis, während ihm im
Kaiserreich von "Allerhöchster Stelle" der Schiller-Preis verweigert
wurde.
Die Weimarer Republik hingegen feiert in Hauptmann den
repräsentativen, weltoffenen Patrioten. Die Nationalsozialisten
missbrauchen Namen und Werk zu Propagandazwecken. Hauptmann bleibt in
Deutschland, wendet sich aber in der Auseinandersetzung mit der
griechischen Mythologie neuen Stoffen zu. In hohem Alter stirbt er am
6. Juni 1946 in Agnetendorf im Riesengebirge, kurz nachdem er von den
russischen Besatzungsbehörden aufgefordert worden war, sein Haus und
seine Heimat zu verlassen.
Gerhart Hauptmanns Werk ist noch nach mehr als hundert Jahren auf den
Theatern lebendig geblieben, und seine Figuren sind so lebendig wie
ehedem. Es sind Überlebenskämpfer in einer sich überschlagenden Zeit,
Menschen, die ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Überforderung, ihre
unerfüllten Träume mit sich herumschleppen, die laut die Schuld am
eigenen Missglücken dem Andern aufbürden, die lieber austeilen als
einstecken - Menschen der modernen Zeit eben!
Mit der Atriden-Tetralogie, entstanden in den Jahren 1940 - 44, konzentrierte Hauptmann seine Schaffenskraft auf die archaischen Leidenschaften der antiken Mythen. Der inhaltlich letzte Teil, Iphigenie in Delphi, wurde 1941 uraufgeführt, erst danach entstand der sachlich vorangehende Teil Iphigenie in Aulis und schließlich die beiden verbindenden Einakter Agamemnons Tod und Elektra. Iphigenie in Aulis, im Kriegsjahr 1943 erstmals inszeniert, war das letzte Stück Hauptmanns, dessen Uraufführung er selbst miterlebte.
Folgende Stücke gehören zu diesem Werk:
Elektra
Tragödie
2D, 3H
Agamemnons Tod
Tragödie
3D, 12H
Iphigenie in Delphi
Tragödie
3D, 8H, Nebendarsteller
Iphigenie in Aulis
Tragödie
3D, 10H, Nebendarsteller, Statisterie