05.05.2016

Aktuelle Nachrichten

Neu bei FBE: "Lenz Ewiger Durst" von Anja Hilling
Georg Büchners "Lenz" beschreibt eine Fluchtbewegung, und auf der Flucht hat...

Neu bei FBE: "Feuer fangen" von Luc Tartar
Die Welt scheint stillzustehen in diesen Sekunden. Alle halten den Atem an:...

Neu bei DESCH: "Frauentag" von Daniel Besse
Stellen Sie sich vor, Ihr ärgster politischer Widersacher ist tot und Sie...

Neu bei FBE: "Wie Großvater schwimmen lernte" von Viola Rohner
Als Sophia noch Sophietta war, dünn wie ein Salatblatt und mit Zahnlücke,...

DSE: "Zurück auf Anfang" am Wolfgang-Borchert-Theater
Am 26. Mai 2016 findet am Wolfgang Borchert Theater in Münster die...

Neu bei DESCH: "Die gefälschte Wahrheit" von Peter Buchholz
"Erben bringt Scherben", diese Erfahrung machen die grundverschiedenen...

UA: "Die lebenden Toten oder Monsters of Reality" bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Die Ruhrfestspiele Recklinghausen zeigen in diesem Jahr in Koproduktion mit...

UA: "Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften" von Irmgard Keun in Frankfurt
Am 8. Mai gelangt am Theaterhaus Frankfurt zum ersten Mal Irmgard Keuns...

Gisle Kverndokks und Øystein Wiiks "Martin L." zum Luther-Jahr 2017
Titel, Thesen, Temperamente – 2017 ist Luther-Jahr! Am  31. Oktober 1517...

Sommerpremieren Teil 1
Derzeit zwar schwer vorstellbar – aber der Sommer kommt. Garantiert! Und mit...

"Alma und das Genie" in der Bar jeder Vernunft
Selbst für eine Jahrhundertmuse eine große Sache: Alma Mahler, alias Nini...

Zum Wiederentdecken "Schlachthaus" von Kaite O'Reilly
Schlachthaus, das erste Stück der irisch-englischen Autorin Kaite O'Reilly,...


Archiv

Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
Aktuelle Premierenberichte
Bild von Paul ClaudelClaudel, Paul

Charles-Louis Philippe stellt ihn an dichterischer Größe neben Dante, Stefan Zweig sieht in seinen Dramen Seelenzustände von so brennender Glut, dass alles Irdische, Kostüm und Zeit, in ihnen verflackert, und Eugène Ionesco verehrt ihn als den größten Dichter des 20. Jahrhunderts: Paul Claudel (1868 - 1955).

Claudel entstammt dem Bürgertum der Champagne. Nach seiner Schulausbildung in Paris studiert er Jura und Politik. Seine frühen dramatischen Anfänge sind beeinflusst von den Werken Arthur Rimbauds, seine späteren Werke geprägt durch seinen katholischen Glauben – einen sehr weit gefassten Glauben: "Katholisch heißt universal" (Claudel, 1953).

1893 erhält er seinen ersten diplomatischen Posten in New York. Eine Karriere als Botschafter und Konsul u.a. im Fernen Osten, den USA, Lateinamerika und Deutschland schließt sich an.

Seinen ersten Dramenerfolg hat Claudel mit dem Stück Mariä Verkündigung (UA 1912). Mittagswende (1905) zeigt erstmals seine zentrale Thematik, den Konflikt zwischen irdischer Liebe und göttlicher Berufung. Höhepunkt seines Schaffens ist das monumentale Werk Der seidene Schuh oder Das Schlimmste trifft nicht immer zu (UA 1943), ein Gesamtkunstwerk, das die Grenzen des Dramas sprengt.

Die letzten Jahre seines Lebens verbringt Claudel auf dem Schloss Brangues. Dort überarbeitet er frühere Werke und schreibt seine großen Bibelkommentare. 1955 stirbt Claudel im Alter von 86 Jahren in Paris.

Wie aktuell Paul Claudels Werk auf den Theaterbühnen noch immer ist, zeigte sich insbesondere in den letzten Jahren, in denen zahlreiche seiner Theaterstücke wieder aufgeführt wurden: So erhielt Der seidene Schuh am Theater Basel in einer Inszenierung von Stefan Bachmann von Publikum wie Kritik gleichsam positive Resonanz; erstmals war hier das Werk auch in der Neuübersetzung durch den Schweizer Autor Herbert Meier zu sehen. 2004 wurde Claudels Mittagswende an den Münchner Kammerspielen inszeniert; die Produktion wurde zum Berliner Theatertreffen 2005 als eine von zehn herausragenden Inszenierungen eingeladen.

Im Frühjahr 2007 inszeniert Stefan Bachmann am Maxim Gorki Theater Berlin die Claudel Trilogie, erstmals in der Neu-Übersetzung von Herbert Meier.

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Claudel, Paul

Paul Claudel
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Das Buch von Christoph Columbus

(Le livre de Christoph Colomb)
Musik von Darius Milhaud
Deutsch von Edwin Maria Landau
2D, 10H, 16 Kinder, Nebendarsteller
UA: 05.05.1930, Staatsoper Unter den Linden Berlin
DSE: 05.10.1954, Schiller Theater Berlin
UA: 20.05.1953, Théâtre Municipal, Bordeaux (Schauspielfassung)

Die Vorbereitungen zur Entdeckungsfahrt des Christoph Columbus schlagen hohe Wellen. Columbus hat gegen Missgunst, Misstrauen und Engstirnigkeit am Hofe zu kämpfen. Einzig Königin Isabella unterstützt ihn in seinem Vorhaben und erkennt die wahre Bedeutung des Unternehmens. Die Überfahrt ist von der Angst vor dem Nichts geprägt, doch im Gegensatz zu seinen Matrosen erkennt Columbus, dass dieses Nichts ein notwendiger Durchgangspunkt zu einer neuen Welterkenntnis ist.
In Claudels Vorstellung ist Columbus der Vollstrecker des göttlichen Willens. Wer gegen ihn ist, ist auch gegen Gott. Columbus hat Gott versprochen, die Welt der Finsternis zu entreißen und "nicht dem Leid". Columbus macht mehrere Stationen der Läuterung durch. Alt und krank findet ihn Isabella – die Katholische –, mit der ihn ein Ring verbindet, den er durch eine Taube bei seiner Abfahrt erhalten hatte. Sie wird sterben. Sie geleitet ihn in ein glanzvolles Jenseits und übergibt seine Taten der Nachwelt.

Claudel verfremdet seine Handlung mit einer Reihe von Mitteln, die auch in späteren Werken meisterhaft angewandt werden: So lässt er seine Szenen wie Teile eines epischen Berichtes erscheinen, weist seinem Hauptcharakter die doppelte Rolle eines Gesprächspartners des Erzählers und einer handelnden Person zu und lässt Columbus schließlich vor einen Chor treten, der als Repräsentant der Nachwelt auftritt und vor dem er sich rechtfertigen muss.