06.02.2016

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DE: "Zersplittert" von Alexandra Badea am Schauspiel Hannover
Am 07. Februar 2016 findet am Schauspiel Hannover die deutsche Erstaufführung...

ÖE und mehr: "Die Lüge" am Theater Phönix in Linz, "Vater" am Theater in der Josefstadt und am Schauspielhaus Bochum
Im Februar freuen wir uns gleich über drei Premieren von Stücken des...

Neu bei FBE: "Freiheit" von Volker Schmidt
Nana und Mark, seit einiger Zeit ein Paar, sind typische Vertreter jener...

Neu bei FBE: "Einstein – Das Musical" von Stephan Kanyar und Maren Scheel
Albert Einstein – eine Legende schon zu Lebzeiten. Er revolutionierte die...

Neu bei FBE: "Das Mädchen von weither" von Emma Broström
Ein dunkler Wald. Ein kleines Mädchen stapft einsam durch tiefen Schnee, es...

Neu bei FBE: "Bestimmt wird alles gut" von Kirsten Boie / Klett Kinderbuch
Im Klett Kinderbuch Verlag ist mit Bestimmt wird alles gut ein besonderes...

Neu bei DESCH: "Ein Freund von früher" von Peter Buchholz
Sarah und Marc haben ein stabiles Leben aufgebaut. Doch eines Tages sitzt in...

UA: "Wir sind die Neuen" von Ralf Westhoff am Theater Heidelberg
"By the way, wenn ihr damals ein bisschen flotter gewesen wärt, dann müssten...

"Der Kongress tanzt" an der Volksoper Wien
Die Volksoper tanzt! Am 20. Februar feiert die Volksoper, Wien Premiere von...

"Can-Can" in Baden bei Wien
"Ganz Paris träumt von der Liebe" – Can-Can, neben Kiss Me, Kate Cole Porters...

Zum Wiederentdecken: "Sugar Dollies" von Klaus Chatten
"This wildly satirical comedy bursts with ideas. Klaus Chatten´s mordant...


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Bild von Jean-Luc LagarceLagarce, Jean-Luc

Geboren 1957 in der Region Haute-Saône. Nach dem Abitur beginnt er an der Universität von Besançon mit dem Studium der Philosophie. Parallel zu seinem Universitätsstudium ist er Schauspielschüler am Conservatoire National de Région. Mit Kollegen des Konservatoriums gründet er die Amateurtheatergruppe Théâtre de la Roulotte, benannt nach der ersten Truppe von Jean Vilar. Er beginnt zu inszenieren und eigene Stücke zu schreiben.

1980 schließt er das Philosophiestudium ab. Titel seiner Magisterarbeit: "Theater und Macht in der westlichen Welt". Eine begonnene Doktorarbeit über de Sade schließt er nicht ab, weil er sich dem Schreiben und seiner Theatertruppe widmet, die inzwischen professionell arbeitet.

Zwischen 1991 und 1993 schreibt Jean-Luc Lagarce nicht, nachdem sein Text "Juste la fin du monde" (Einfach das Ende der Welt) großes Unverständnis hervorgerufen hat. Diesen Text, den er während eines Arbeitsaufenthaltes in Berlin verfasst hat, übernimmt er 1995 praktisch in Gänze im dritten Teil seines letzten Textes, "Le pays lointain" (Das ferne Land). Zwei Wochen nach der Fertigstellung dieses Textes stirbt Jean-Luc Lagarce im Alter von 38 Jahren an Aids.

Jean-Luc Lagarce hat sein Leben dem Theater und der zeitgenössischen Dramatik gewidmet. Mit seiner Theatertruppe gründete er den Verlag Les Solitaires Intempestifs, um andere junge Autoren zu fördern. Der Name des Verlages ist Peter Handkes "Über die Dörfer" entlehnt: "Spielt also nicht zur Unzeit die einsamen Menschen (...)".
Schwer krank begleitete Jean-Luc Lagarce noch seine Produktionen auf Tournee. Am Vorabend seines Todes probte er "Lulu".


Weitere Informationen zu Jean-Luc Lagarce

 

Baufehler oder Die Bedeutung von Garten, Blumen, Sonne, Sommer und Liebe für Menschen und Leute

(Erreur de construction ou De l’importance du jardin, des fleurs, du soleil, de l’été et de l’amour pour l’humanité et les gens)
Deutsch von Marlene Nagel
3D, 2H
UA: 16.05.1977, Atelier du Marché Besançon
frei zur DSE

Was macht man in einer Welt, in der sich Kriege wiederholen wie die Lebensläufe der in ihnen Sterbenden? In der die eigenen Kinder eine Revolution anzetteln, von der man selbst gefressen wird? Man stirbt aus Gram, Trauer oder Scham, wie Eda Tristesse, die dem Anführer von Lagarces fiktiver Revolution das Leben geschenkt hat und der nun sein Vaterland in Gefahr bringt. Oder man baut sich ein blumenumzäuntes Refugium, wie Louise Scheurer, Sophie Notior und Auguste Herut, vor dem sich die speckigen Flugblätter und Wachposten der Revolution stapeln, und verkündet munter, das Leben gehe weiter, die Duschen würden benutzt, obwohl das Wasser längst abgedreht ist und die Lebensmittelpreise inflationieren, in der Hoffnung, dass das Gras unter dem Stiefeltrampeln weiterwächst …

Jean-Luc Lagarce begibt sich mit dem Theaterstück Baufehler auf ein Experiment, eine Versuchsanordnung der Fiktion. Er lässt seine Figuren spielen, erzählen, ihren Rollen entwachsen und so eine Geschichte bauen - voller Fehler, misst man sie an der Logik rational erklärbarer Realität. Er enthebelt die psychologische Handlungslogik und verweigert so ein erklärbares Abbild der Welt, weil die Welt selbst für ihn eben genauso absurd ist. Wo liegt also der Baufehler? In der erfundenen oder der echten Welt? Largarces Suche danach ist ein poetisches und mit sich wiederholenden Sprachsätzen komponiertes Text-Da capo, das in einer faszinierenden Leichtigkeit und mit erfrischend unverkopftem Augenzwinkern ein herzliches Appell an die Menschlichkeit und den Frieden ist. Er setzt einer absurd gewordenen Welt humorvoll ihre eigene Absurdität entgegen und sucht seine Revolution im Umwälzen von Handlungs-, Dialog- und Sprachmustern. Um am Ende seines liebevoll erzählten Geschichten- und Biographienpotpourris sein Publikum lakonisch nüchtern mit den Worten zu entlassen: „Wenn Sie noch nicht schlafen ist es nun an der Zeit, Ihnen mitzuteilen, dass dies alles reine Fiktion ist. Natürlich.“


Hinweis: Für dieses Werk können an Amateurtheater leider keine Aufführungsrechte vergeben werden.