29.09.2016

Aktuelle Nachrichten

UA: "In 80 Tagen um die Welt" am Landestheater Linz
Das Landestheater Linz reist in 80 Tagen um die Welt: Die Musicalfassung von...

UA: "Massiver Kuss" von Anja Hilling am Theater Bonn
In der Regie von Friederike Heller gelangt am 29. September Anja Hillings...

Nominierungen für den "Deutschen Musical Theater Preis 2016"
Viele Glückwünsche an Maren Scheel und Stephan Kanyar. Ihr Musical Einstein -...

Neu bei DESCH: "platz.an.der.sonne.com" von Agnès und Daniel Besse
Der Schrebergarten, die Datsche und das Wochenendhäuschen sind Manifeste...

Neu bei FBE: "Die Rechnung" von Clément Michel
Das Männerwochenende von Jules, Antoine und Axel beginnt mit einem...

Neu bei FBE: "Ein Geschenk der Götter" von Oliver Haffner
Plötzlich und unerwartet verliert Anna ihre Anstellung als Schauspielerin an...

Neu bei FBE: "Gesunde Beziehungen" von Evan Placey
"Stell dir vor, Sexualkunde ist ein Kriegsgebiet, und du bist die...

Neu bei FBE: "Der letzte schöne Herbsttag" von Ralf Westhoff
Nach Shoppen und Wir sind die Neuen ist nun auch Ralf Westhoffs Film Der...

UA: "Jeunesse dorée" von Johannes Hoffmann am Theater Kosmos in Bregenz
Ein Charity-Event im Freien. Alles sehr exklusiv, aber auch romantisch. Der...

DSE: Der Prozess des Hans Litten" von Mark Hayhurst am Staatstheater Nürnberg
Hans Litten war Rechtsanwalt und Strafverteidiger. 1931 brachte der damals...

UA: "Inside IS" von Yüksel Yolcu am GRIPS Theater
Am 12. Oktober gelangt Inside IS am Grips Theater zur Uraufführung. Jürgen...

Premiere: "Vater" am Renaissance-Theater Berlin
Am 03. Oktober findet im Renaissance-Theater die Berlinpremiere von Vater (Ü:...

Premiere: "Fletsch" in Wilhelmshaven
Von der "Kuss-ability" eines Werwolfes kann sich der Interessierte am 15....

Premiere: "Das scharlachrote Siegel" am Theater Chemnitz
Für Frank Wildhorns Musical Das scharlachrote Siegel (Ü: Wolfgang Adenberg)...

Rückblick: "Weekend im Paradies" von Arnold und Bach am Schauspielhaus Bochum
"Wer heutzutage Karriere machen will, der muss sich durch besondere...

Zum Wiederentdecken: "Bel Ami" von Peter Kreuder
Georges Duroy, ein französischer Soldat mit zweifelhafter Vergangenheit,...


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Bild von Jean-Luc LagarceLagarce, Jean-Luc

Geboren 1957 in der Region Haute-Saône. Nach dem Abitur beginnt er an der Universität von Besançon mit dem Studium der Philosophie. Parallel zu seinem Universitätsstudium ist er Schauspielschüler am Conservatoire National de Région. Mit Kollegen des Konservatoriums gründet er die Amateurtheatergruppe Théâtre de la Roulotte, benannt nach der ersten Truppe von Jean Vilar. Er beginnt zu inszenieren und eigene Stücke zu schreiben.

1980 schließt er das Philosophiestudium ab. Titel seiner Magisterarbeit: "Theater und Macht in der westlichen Welt". Eine begonnene Doktorarbeit über de Sade schließt er nicht ab, weil er sich dem Schreiben und seiner Theatertruppe widmet, die inzwischen professionell arbeitet.

Zwischen 1991 und 1993 schreibt Jean-Luc Lagarce nicht, nachdem sein Text "Juste la fin du monde" (Einfach das Ende der Welt) großes Unverständnis hervorgerufen hat. Diesen Text, den er während eines Arbeitsaufenthaltes in Berlin verfasst hat, übernimmt er 1995 praktisch in Gänze im dritten Teil seines letzten Textes, "Le pays lointain" (Das ferne Land). Zwei Wochen nach der Fertigstellung dieses Textes stirbt Jean-Luc Lagarce im Alter von 38 Jahren an Aids.

Jean-Luc Lagarce hat sein Leben dem Theater und der zeitgenössischen Dramatik gewidmet. Mit seiner Theatertruppe gründete er den Verlag Les Solitaires Intempestifs, um andere junge Autoren zu fördern. Der Name des Verlages ist Peter Handkes "Über die Dörfer" entlehnt: "Spielt also nicht zur Unzeit die einsamen Menschen (...)".
Schwer krank begleitete Jean-Luc Lagarce noch seine Produktionen auf Tournee. Am Vorabend seines Todes probte er "Lulu".


Weitere Informationen zu Jean-Luc Lagarce

 

Baufehler oder Die Bedeutung von Garten, Blumen, Sonne, Sommer und Liebe für Menschen und Leute

(Erreur de construction ou De l’importance du jardin, des fleurs, du soleil, de l’été et de l’amour pour l’humanité et les gens)
Deutsch von Marlene Nagel
3D, 2H
UA: 16.05.1977, Atelier du Marché Besançon
frei zur DSE

Was macht man in einer Welt, in der sich Kriege wiederholen wie die Lebensläufe der in ihnen Sterbenden? In der die eigenen Kinder eine Revolution anzetteln, von der man selbst gefressen wird? Man stirbt aus Gram, Trauer oder Scham, wie Eda Tristesse, die dem Anführer von Lagarces fiktiver Revolution das Leben geschenkt hat und der nun sein Vaterland in Gefahr bringt. Oder man baut sich ein blumenumzäuntes Refugium, wie Louise Scheurer, Sophie Notior und Auguste Herut, vor dem sich die speckigen Flugblätter und Wachposten der Revolution stapeln, und verkündet munter, das Leben gehe weiter, die Duschen würden benutzt, obwohl das Wasser längst abgedreht ist und die Lebensmittelpreise inflationieren, in der Hoffnung, dass das Gras unter dem Stiefeltrampeln weiterwächst …

Jean-Luc Lagarce begibt sich mit dem Theaterstück Baufehler auf ein Experiment, eine Versuchsanordnung der Fiktion. Er lässt seine Figuren spielen, erzählen, ihren Rollen entwachsen und so eine Geschichte bauen - voller Fehler, misst man sie an der Logik rational erklärbarer Realität. Er enthebelt die psychologische Handlungslogik und verweigert so ein erklärbares Abbild der Welt, weil die Welt selbst für ihn eben genauso absurd ist. Wo liegt also der Baufehler? In der erfundenen oder der echten Welt? Largarces Suche danach ist ein poetisches und mit sich wiederholenden Sprachsätzen komponiertes Text-Da capo, das in einer faszinierenden Leichtigkeit und mit erfrischend unverkopftem Augenzwinkern ein herzliches Appell an die Menschlichkeit und den Frieden ist. Er setzt einer absurd gewordenen Welt humorvoll ihre eigene Absurdität entgegen und sucht seine Revolution im Umwälzen von Handlungs-, Dialog- und Sprachmustern. Um am Ende seines liebevoll erzählten Geschichten- und Biographienpotpourris sein Publikum lakonisch nüchtern mit den Worten zu entlassen: „Wenn Sie noch nicht schlafen ist es nun an der Zeit, Ihnen mitzuteilen, dass dies alles reine Fiktion ist. Natürlich.“


Hinweis: Für dieses Werk können an Amateurtheater leider keine Aufführungsrechte vergeben werden.