16.09.2014

Aktuelle Nachrichten

Neu bei FBE: "Der himmelblaue Herr" von Fanny Sorgo
Großmutter Eva Zulus möchte nicht mehr in dieselbe Richtung fahren. Darum...

UA: "Schöne neue Welt" am Staatsschauspiel Dresden
"Gemeinschaft, Gleichheit, Stabilität" – so lautet die Maxime des...

Neu bei FBE: "Hundswetter" von Brigitte Buc
Helene ist taffe Geschäftsfrau, aufopfernde Ehefrau und Mutter. Lulu ist...

Anja Hilling mit "was innen geht" für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2014 nominiert
Wir freuen uns, dass Anja Hillings Stück was innen geht nun auf der Shortlist...

DSE: "Trennung für Feiglinge" von Clément Michel in Hannover
Der vielseitige Theatermacher Clément Michel hat mit Trennung für Feiglinge...

"Therese Raquin" am Theater SCALA in Wien
Am Stadttheater Mödling wurde Therese Raquin von Paris Kosmidis nach dem...

"nachtgeschwister" in Altenburg und Gera
Auf dem Wühltisch einer Buchhandlung findet die Protagonistin ein angegilbtes...

UA: "Die letzte Soirée" am Wolfgang Borchert Theater Münster
"An Alfred Flechtheim schieden sich die Geister. Die einen hielten ihn für...

Neu bei DESCH: "Die Lüge" von Florian Zeller
Alice und Paul, seit zwanzig Jahren verheiratet, haben ihre besten Freunde,...

DSE: "Malala - Mädchen mit Buch" am Jungen Schauspielhaus Hamburg
Am 24. September gelangt der Monolog Malala - Mädchen mit Buch des...

Zum Wiederentdecken: "Silk Stockings (Ninotschka)" von Cole Porter
Ninotschka: Es gibt wohl kaum eine rasantere Filmkomödie als Ernst Lubitschs...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre

 

Der Besuch der alten Dame

Eine tragische Komödie
6D, 28H
UA: 29.01.1956, Schauspielhaus Zürich

Wichtige Expresszüge halten hier längst nicht mehr, selbst Personenzüge nur noch zweimal am Tag, den Bürgern bleibt nicht mehr als die Zugluft der Vorbeirasenden. Besitztümer wurden gepfändet, einige leben von der Suppenküche, alle beklagen sie den Niedergang ihres Städtchens Güllen, das einst als eine der ersten Kulturstädte Europas gegolten haben soll. Höchste Zeit, dass die Milliardärin, wiedergefundenes Kind ihrer Heimat, ankommt, um das kleine Städtchen wieder aufzurichten. An ihrer Bereitschaft zweifelt keiner, zu ihren Ehren wird die Stadtmusik auf dem Marktplatz spielen und der Turnverein eine Pyramide bilden. Nur zur nächtlichen Beleuchtung des Münsters fehlt bedauerlicherweise das Geld.

Alfred Ill, beliebtester Bürger der Stadt und altvertraut mit Claire Zachanassian, ehemalige Kläri Wäscher, soll seine Jugendliebe persönlich und zartfühlend um die benötigten Millionen für das verarmte Städtchen bitten. In seiner Willkommens-Rede preist der Bürgermeister die Zachanassian als barmherzig, wohltätig und gerechtigkeitsliebend, die Bürger im Saal jubeln. Claire verspricht, der Stadt und den Bürgern eine Milliarde zu schenken, geknüpft an die Bedingung, ihr Ill tot auszuliefern. "Lieber arm als blutbefleckt" ist sich der Bürgermeister gewiss, er lehnt das Angebot im Namen der Stadt ab. Güllens Bürger jedoch, sich des Geldes bereits sicher, kaufen auf Pump kräftig ein, endlich geht es aufwärts! Schleichend und grausig ereilt Ill die Gewissheit, dass die Gier seiner Mitbürger sein Schicksal besiegeln wird. Ill hatte sich einst an Claire schuldig gemacht, indem er die Vaterschaft des mit ihr unehelich gezeugten Kindes leugnete und Zeugen vor Gericht bestochen hatte. Nun muss er sich dem Urteil der Gemeindeversammlung stellen. Nicht des Geldes, sondern der Gerechtigkeit wegen wird sein Tod beschlossen und im dunkeln Saal vollzogen.

Den Stoff zu seinem meistgespielten Stück Der Besuch der alten Dame entwickelte Dürrenmatt zunächst in seiner Novelle "Mondfinsternis". Als auf täglichen Zugfahrten zu seiner Frau Lotti ins Spital von Neuchâtel nach Bern der Zug immer auch in Ins und Kerzers hielt und Dürrenmatt gezwungen war, die beiden kleinen, trostlosen Bahnhöfe zu betrachten, kam ihm der Bühneneinfall zur ersten Szene. Den Novellenstoff arbeitete er daraufhin in das komplexe Drama über die moralische Korrumpierbarkeit einer verlogenen Gemeinschaft um. Mit Der Besuch der alten Dame gelang dem Schriftsteller Dürrenmatt endgültig der internationale Durchbruch.

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Premieren zu diesem Stück
26.09.2014, Halle, Puppentheater der Stadt
27.09.2014, Koblenz, Theater der Stadt

Premierenberichte zu diesem Stück vorhanden