28.09.2016

Aktuelle Nachrichten

Nominierungen: Deutscher Kinder- und Jugendtheaterpreis 2016
Die Nominierungen für den Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis 2016...

Neu bei DESCH: "Das Gewissen vergisst nie" von Sébastien Azzopardi und Sacha Danino
Spät nachts in den Wäldern der Bretagne. Autoscheinwerfer, Regen,...

DSE: "Zwei Männer ganz nackt" an den Bühnen der Stadt Gera
Sébastien Thiérys spritzige Komödie Zwei Männer ganz nackt wird am 23....

Neu bei FBE: "Tableau" von Reihaneh Youzbashi Dizaji
Eine Einladung, die nicht so gemeint war, zu einem Fest, was keines sein...

UA: "In 80 Tagen um die Welt" am Landestheater Linz
Das Landestheater Linz reist in 80 Tagen um die Welt: Die Musicalfassung von...

The Agatha Christie Collection - "The Queen of Crime" jetzt bei FBE
Agatha Christie schrieb insgesamt 66 Detektivromane, 150 Kurzgeschichten und...

UA: "Bestimmt wird alles gut" von Kirsten Boie am Jungen Theater Bonn
Kirsten Boies Kinderbuch Bestimmt wird alles gut gelangt am 10. September zur...

Wieder bei FBE: Das Gesamtwerk von Curt Goetz
Wir freuen uns sehr, dass wir das Gesamtwerk des Multitalents und...

UA: "Massiver Kuss" von Anja Hilling am Theater Bonn
In der Regie von Friederike Heller gelangt am 29. September Anja Hillings...

DSE: "Mittelschichtblues" am Volkstheater Wien
Am 30.September 2016 findet am Volkstheater Wien die deutschsprachige...

DSE: "Mädchen wie die" von Evan Placey am Theater Duisburg
In der Regie von Katharina Böhrke gelangt am 17. September 2016 Evan Placeys...

Neu bei FBE: "All you can eat" von Ariane Koch
Bitte, bedienen Sie sich: Hier gibt es heute im Sonderangebot frische Waden,...

Neu bei FBE: "Aufbruch / Inqilab" von Michael Alexander Müller
Der zwanzigjährige Blogger Jared lebt in einem totalitären Staat. Mit...

Neu bei FBE: "Easy" von Eva Blum und Matthias Witting
Die Zwillinge kommen in die Schule. Aber Mama steht nicht auf. Schon seit...

Neu bei DESCH: "Der Familienrat oder Mama muss weg" von Amanda Sthers und Morgan Spillemaecker
Ein Abendessen der Geschwister Fanny, Ben und Flo. Alle sind jenseits der 40...


Archiv

Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
Aktuelle Premierenberichte
Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der Blinde

Schauspiel
2D, 9H, Statisterie
UA: 10.01.1948, Theater Basel

Deutschland zur Zeit des dreißigjährigen Krieges. Ein erblindeter Herzog sitzt vor den Ruinen seines Schlosses und wähnt sich in der Sicherheit des wiedergefundenen Friedens. Über Zerstörung und Untergang spricht niemand mit ihm, denn sein Sohn Palmedes hält es für ratsam, ihn im Glauben zu lassen, sein prächtiges Reich sei unversehrt. Das Auftauchen eines Unbekannten bringt die Illusion des Sohnes und die vermeintliche Wirklichkeit des Vaters ins Wanken. "Ihr geht an meinem Schloss vorbei, das sich im Abendlicht mit goldenen Dächern und weißen Türmen vor euch erhebt", spricht der Vater den Fremden an. "Ihr seid blind", erwidert dieser und gibt sich mit Namen "da Ponte" als italienischen Edelmann aus. Vom Herzog sogleich zum Statthalter seiner verlorenen Besitztümer gemacht, wird er diesem zum diabolischen Gegenspieler. Da Ponte verurteilt Palmedes' Lüge als verlockendes Spiel und wird zugleich selbst zum Versucher. Die Gläubigkeit des Herzogs missbraucht er und setzt sich zum Ziel, diese zu zerstören. Er schlägt Palmedes nieder, gewinnt die Tochter des Herzogs für sich, den Hofschauspieler weist er an, den Herzog auf seinen Ruinen im Kreis zu führen, um ihm glaubhaft zu machen, er sei jetzt auf der Flucht. Als er dem Blinden den Tod der Tochter als Farce vorspielt, holt die Wirklichkeit die Lüge ein.

Dürrenmatt wählt in diesem frühen Werk eine Trümmerlandschaft als Schauplatz, auf dem der Blinde als mutiger Mensch all sein Vertrauen in den Glauben legt. Sein Glück liegt in der Illusion. Der Reiz in diesem Stück liege darin, "das Wort gegen das Bild zu setzen", schrieb Dürrenmatt in den Anmerkungen zur gesammelten Werksausgabe 1980, was ihm mit dieser Parabel in einprägsamer Weise gelang. Das Kräfteverhältnis zwischen der Macht des Wortes und der Macht des Glaubens auslotend, setzt Dürrenmatt seine Figuren für ein Denkspiel ein, das mit der Setzung, der Glaube wirke unabhängig von seinem Inhalt, Kontroversen unter den Basler Katholiken auslöste. Hanns Uhl schrieb in Der Zeit anlässlich der Uraufführung 1948 am Stadttheater Basel, der „Blinde“ sei ein Leidender unserer Zeit: "Aus Schutt und Trümmern grinst uns das Elend eines verlorenen Krieges entgegen mit all seinen erschütternden Folgeerscheinungen."