![]() | Goetz, Curt |
1888 in Mainz geboren, zählt Curt Götz zu den wichtigsten Vertretern
der gehobenen deutschen Boulevardkomödie und des brillant geschriebenen
Konversationsstücks. Bei der pointierten Ausarbeitung der Dialoge
dürften dem Autor seine Erfahrungen als Schauspieler sicherlich ebenso
geholfen haben wie bei der Dramaturgie seiner well-made-plays.
Standen am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere Einakter im
Mittelpunkt , etablierte er sich ab 1921 auch als Autor abendfüllender
Stücke, wobei er sich viele Hauptrollen quasi "auf den Leib" schrieb
z.B. Hokuspokus (1927) oder Dr. Med. Hiob Praetorius (1932). In den
30er Jahren schrieb er vermehrt Drehbücher und produzierte Filme. 1939
emigrierte er gemeinsam mit seiner Frau Valerie von Martens in die
Vereinigten Staaten. Ab 1945 lebte er in der Schweiz, wo er am 12.
September 1960 starb.
Eine Auf- und Abregung
5D, 6H
Hollywood-Autor Rex gibt seine Geburtstagsparty, das Who-Is-Who der Filmbranche sich ein Stelldichein. Wie immer Seele und schillernder Mittelpunkt: Filmdiva Evelyn, des Schriftstellers Muse und angetrautes Weib. Die hat es inzwischen aber mächtig dicke, stets die Grande Dame zu mimen, vielmehr würde sie gerne mal das Mädchen vom Lande spielen. An höherer Stelle jedoch weiß man, wie das Publikum sie sehen will, und etwas anderes trauen die übermächtigen wie phantasieneutralen Produzenten ihr auch gar nicht zu. Die Studiobosse nämlich sind es, die jede neue Idee, jeden originellen oder poetischen Anflug mit ihren
Einwänden und gleichmachenden Einfällen glatt bügeln. So geschehen mit Rex’ Ansinnen, die Geschichte des Hannibal als Drehbuch neu zufassen.
So entwickelt der Autor, der mal ein Dichter war und sich mit seiner Frau insgeheim ein bescheidenes Dasein im Schwarzwald erträumt, die lyrische Bärengeschichte, eine Pygmalion-Variante, die bei den Verantwortlichen zunächst Begeisterungsstürme auslöst, deren Preis sogleich börsengleich auf 1.000.000 $ hochschnellt ("Wie viele Nullen hat eine Million?", fragt Rex denn auch ungläubig, als er den Scheck in Händen hält) und deren Grundidee gleich darauf im Ansatz totverbessert wird. Der faulen Kompromisse überdrüssig wirft der Autor das Handtuch und wendet sich
erwartungsfroh einem neuen Leben zu; einem als Dichter.
Die Bärengeschichte ist eine besonnene, lakonische Abrechnung des Künstlers mit dem Kommerz. Es handelt sich um eines der abgeklärtesten Werke von Curt Goetz, das
mit bestechender Ironie und ganz ohne Polemik einen schonungslosen Einblick in die Mechanismen der Ausbeutung des Geistes gewährt. Dort, wo die Grenzen zwischen Selbsterhalt und Selbstaufgabe verschwimmen, erweist sich, ob der Mensch Individuum oder bloß Gebrauchsobjekt ist.
Dieses Stück ist Teil von:
Seifenblasen
Drei Einakter mit einem Vor- und einem Nachspiel