19.10.2018

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"Großes Kino" und "Pointenfeuerwerk" - UA von Axel Ranischs "Nackt über Berlin"
Die Uraufführung von Axel Ranischs Roman Nackt über Berlin war am 16....

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DSE: "Alles was Sie wollen" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière am Deutschen Theater in Göttingen
Am 11. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von Alles was Sie...

DSE: "Präsidenten-Suite" am Renaissance-Theater Berlin
Am 7. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von John T. Binkleys...

UA: "Wer ist Walter" von Ariane Koch am Theater Bonn
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Ehrung für Volker Ludwig und Birger Heymann in Südkorea
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Neu bei DESCH: "Ramses II." von Sébastien Thiéry
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Neu bei FBE: "Jasper in Deadland" von Ryan Scott Oliver und Hunter Foster
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Premiere: "Frau Luna" am Stadttheater Ingolstadt
Am Stadttheater Ingolstadt ist am 20. Oktober die Premiere von Paul Linckes...

Premiere: "Kiss Me, Kate" an der Oper Graz
Am 20. Oktober hat Kiss Me, Kate von Cole Porter, Samuel Spewack und Bella...

Rückblick: "Effi" von Oliver Schmaering und Kay Wuschek uraufgeführt
Am 19. September war die Uraufführung von Effi von Oliver Schmaering und Kay...

Rückblick: "Ein Stein fing Feuer" am Staatstheater Nürnberg
"Wie das Staatstheater Nürnberg unter neuer Leitung begeistert" (BR): Mit...


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Bild von Gary OwenOwen, Gary

Gary Owen wurde 1972 in Narbeth, West Wales, geboren. Er studierte Philosophie und Film am Sydney Sussex College in Cambridge und am European Film College in Dänemark und arbeitete als Lektor.
Crazy Gary’s Mobile Disco, Owens erstes Bühnenstück, wurde im Februar 2001 vom renommierten britischen Tourneetheater Paines Plough zusammen mit der walisischen Gruppe Sgript Cymru in der Regie von Vicky Featherstone uraufgeführt und erlebte seine deutschsprachige Erstaufführung Anfang Februar 2003 am Staatsschauspiel Dresden (TiF). Sein zweites Werk "Shadow of a Boy" wurde im Frühjahr 2002 am Royal National Theatre im Lyttleton Loft erstmals gespielt.
Die versunkene Welt wurde beim Edinburgh Festival 2002 erneut unter der Regie von Vicky Featherstone durch Graeae, Großbritanniens führende Theatergruppe, uraufgeführt und von Kritik und Publikum begeistert aufgenommen.

 

Crazy Gary's Mobile Disco

Deutsch von Peter Torberg
3H
UA: Februar 2001, Chapter Arts Centre Cardiff
DSE: 06.02.2003, Staatsschauspiel Dresden

Donnerstag Nacht, eine Kleinstadt in Wales, ein Pub, eine Party und drei Typen, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden – der Schläger, der Idiot und der Freak. Ihr Traum – nichts wie raus.

Gary ist ein Schläger, brutal, erbarmungslos, ohne Hemmungen. Er hasst die Welt und die Welt hasst ihn. Als seine Donnerstagabend-Disco in der Stammkneipe gegen eine Karaoke-Show ausgetauscht wird, nutzt Gary die Gelegenheit, um seinen Frust mal wieder so richtig an jemandem auszulassen, und diesmal erwischt es den Karaoke-Typen. Doch dann wird er selbst kalt erwischt: von der Liebe. Gary, der sich mit der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz fast abgefunden hat und sie nur um der Sache willen fortführt, begegnet auf einer Party Mary, der perfekten Frau – und gibt seinem Dasein wieder einen Sinn.

Mathew D. Melody wohnt unter Aufsicht und stolpert durchs Leben. Er hält sich für einen begnadeten Sänger, tritt aber nur in mittelmäßigen Karaoke-Shows auf. Beglückende Höhepunkte seiner öffentlichen Auftritte erlebt er, wenn er es schafft, kaputte Ehen und zerbrochene Beziehungen mit seiner Stimme wiederzubeleben, wenn auch nur für fünf Minuten. Das erzählt er auch der Dame von der Arbeitsvermittlung, die aber kein Verständnis für seine Künstlerseele hat und ihn schließlich rausschmeißt. Mathew gelingt so manches im Leben nicht so, wie er es sich vorgenommen hat. Da ist zum Beispiel die Geschichte mit der Katze seiner Nachbarin, die er doch eigentlich nur überzeugen wollte, nicht mehr nachts an seiner Wohnungstür zu kratzen. Und jetzt liegt sie tot im Briefkasten. In Augenblicken wie diesen ist Mathew resigniert und wütend zugleich. Alles will er richtig machen, und alles läuft schief. Dann können nur noch die kleinen Gebete zu Gott an der Straßenecke helfen und seine große Liebe Candy.

Russell ist verheiratet und versucht seit Jahren schon vergeblich, der Ehe- und Kleinstadthölle zu entfliehen. Seine Frau reagiert kaum noch auf seine Ankündigungen, und Russell schafft es auch nie über die theoretischen Überlegungen hinaus. Und so rettet er sich in eine Wahrscheinlichkeitsschleife des eigenen Lebens. Was wäre passiert, wenn. Was tatsächlich passiert ist, damals in der Schulzeit, erfährt man in einer kleinen Geschichte am Rande. Zwei Jungs wurden von einem anderen, größeren Jungen sexuell genötigt und nach vollbrachter Tat öffentlich gedemütigt. Keiner der beiden hat es damals geschafft, sich zu wehren oder wenigstens wegzugehen. Die Stadt kam über die Geschichte sehr bald hinweg, die Beteiligten nicht. Für den einen blieb das Leben stehen, der andere existiert nur noch als chemisch kaltgestelltes Wrack. Aber was wäre, wenn Russell all die Jahre nur gewartet hätte auf diesen einen Donnerstag Abend, um endlich die Rechnung zu begleichen?

In einer tragikomischen Serie von Monologen wird man durch die Augen dieser drei funktionsgestörten Typen mit der Frustration des Lebens in einer walisischen Kleinstadt konfrontiert. In einer Mischung aus Bericht, Vorspielen, Andeuten, Kommentieren und Erklären werden nacheinander die Geschichten dreier Männer erzählt. Dabei stehen die erste und zweite zunächst ziemlich unverbunden nebeneinander. Erst in der dritten stellt sich heraus, dass und schließlich auch wie die drei Lebensläufe zusammenhängen.
Der Text, durchsetzt mit düsterem Humor und emotionaler Wahrheit, subtil und zweideutig, strotzt von verzweifelt Gewöhnlichem, dem wahrhaft Außergewöhnlichen und dem einfach Verrückten. Gary Owens großes Talent für das Geschichtenerzählen macht diesen Text zu einer Entdeckung.