20.11.2017

Aktuelle Nachrichten

"Die Orestie" am Thalia Theater in Hamburg
Am 21. Oktober feierte Aischylos' Werk Die Orestie in der Bearbeitung von...

UA: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Philipp Löhle nach Charles Dickens
Die Geschichte ist bekannt: Der hartherzige Geldverleiher Ebenezer Scrooge...

Neu bei FBE: "Blütenzeit (Blossom Time)" von Dorothy Donnelly und Sigmund Romberg
Blütenzeit ist die amerikanische Version des Wiener Singspiels "Das...

"Wartesaal" von Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
In Lion Feuchtwangers berühmter Wartesaal-Trilogie bestehend aus den Romanen...

Deutscher Hörspielpreis: "'Broken German' muss man hören!"
Broken German von Tomer Gardi gewinnt den Deutschen Hörspielpreis. Das knapp...

DER FAUST für Hannah Biedermann
Am Freitag ist Hannah Biedermann der Deutsche Theaterpreis DER FAUST...

Brüder-Grimm-Preis 2017 für "NASSER #7Leben"
Der mit 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin geht in...

DSE: "Gloria" am Residenztheater München
Am 20.10. war die deutschsprachige Erstaufführung von Branden Jacobs-Jenkins'...

Neu bei FBE: "Mit deinem Bein im Mund lässt es sich viel leichter ich liebe dich Luka sagen" von Marcus Peter Tesch
Körper hängen wie geschlachtete Tiere von der Bühnendecke. Es sind die...

NEU bei Desch: "Jugendliebe" von Ivan Calbérac
Antoine Chopin hat alles – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und...


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Bild von Karl WittlingerWittlinger, Karl

Am 17. Mai 1922 wird Karl Wittlinger als einziges Kind eines Kunsttischlers in Karlsruhe geboren. Nach seinem Abitur 1940 leistet er seinen Wehrdienst, wird in Afrika eingesetzt, erleidet Kriegsverwundung und französische Gefangenschaft. 1946 beginnt er sein Studium der Germanistik und Anglistik in Freiburg i. Br. und arbeitet zum Broterwerb in verschiedenen Berufen (Heizer, Nachtwächter, Dolmetscher, Hauslehrer). Erste unveröffentlichte schriftstellerische Arbeiten, u.a. fürs Theater, entstehen. 1949 wird er Leiter einer englischsprachigen Studentenbühne und heiratet.

Von 1950 bis 1952 ist Karl Wittlinger Dramaturg und Regieassistent an den Städtischen Bühnen Freiburg. Er entschließt sich 1953, ausschließlich als freier Bühnenautor zu arbeiten. 1956 wird sein Stück Kennen Sie die Milchstraße? an den Städtischen Bühnen Köln uraufgeführt. Das Stück wird ein großer Erfolg, im In- und Ausland vielfach nachgespielt und mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 1962 wird sein Fernseh- spiel Seelenwanderung erstmals vom WDR gesendet und als bestes TV-Spiel des Jahres mit dem Prix Italia und dem Internationalen Preis von Monte Carlo ausgezeichnet. 1968 wird Wittlinger Künstlerischer Beirat des Stadttheaters Konstanz. 1970 zieht er nach Berlin. In den folgenden Jahren entstehen fast ausschließlich Arbeiten fürs Fernsehen, u.a. Fernsehspiele für ZDF und SFB, z. B. "Ein Mann will nach oben" nach Hans Falladas Roman. 1982 übersiedelt er nach Horben bei Freiburg im Breisgau. Am 22. November 1994 stirbt Karl Wittlinger in Lippertsreute.

 

S' elektrisch Herz

Alemannisches Volksstück in vier Akten
Dialektfassung von "Der Schrittmacher"
3D, 7H
UA: 31.05.1992, Komödie im Marquardt Stuttgart

Lebensziel des Penners Hubert Schröpfle ist die 100-prozentige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Durch einen vorgetäuschten Ohnmachtsanfall gelingt es ihm, in die Klinik eingeliefert zu werden, wo er nun sein ganzes angelesenes Wissen und seine Bauernschläue einsetzt, um dieses Ziel zu erreichen. Seinem Bettnachbarn, dem Landwirt Alfons Brodmüller, soll anderntags ein "elektrisch Herz", ein Herzschrittmacher, eingesetzt werden. Schröpfle erzählt Brodmüller genüsslich von den möglichen Komplikationen der Operation, bis dieser – ohnehin skeptisch gegenüber der Apparatemedizin – panikartig die Klinik verlässt. "Versehentlich" wird nun Schröpfle der für Brodmüller bestimmte Schrittmacher eingesetzt. Damit nicht genug, nützt Schröpfle die Situation und überführt das Ärzteteam der Fahrlässigkeit. Durch das Versprechen stillzuhalten, kann er sich nun die ersehnte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verschaffen. Der Schrittmacher wird jedoch ausgetauscht: Brodmüller, von seiner Flucht wieder zurück, nimmt seinen ganzen Mut zusammen, hat Schröpfle den Schrittmacher doch bereits für ihn "getestet".

Das Stück behandelt ein Thema, dessen Hintergründe im öffentlichen Bewusstsein präsent sind: die Ambivalenz einer Hightech-Medizin, die zwar effizient arbeitet, aber den Patienten selten als Individuum sieht. So sind Missverständnisse, Fehlgriffe, Kunstfehler fast vorprogrammiert.