24.06.2018

Aktuelle Nachrichten

Wiederentdeckt: "Der überaus starke Willibald" von Willi Fährmann
Halb Fabel, halb soziale Parabel wird gezeigt, wie eine Gruppe für die...

Österreichischer Musiktheaterpreis für "In 80 Tagen um die Welt" von Gisle Kverndokk und Øystein Wiik
Die Uraufführungsproduktion von Gisle Kverndokks und Øystein Wiiks Musical In...

Deutscher Kindertheaterpreis und Deutscher Jugendtheaterpreis: Fünf Stücke auf der Auswahlliste
Wir freuen uns über fünf Stücke aus unserem Programm auf den diesjährigen...

Neu bei FBE: "Adel verpflichtet" (Schauspiel) von Dogberry&Probstein
Wenn Victor Lopez eines hasst, dann ist es Ungerechtigkeit. Jetzt sitzt er im...

Neu bei DESCH: "Der Sohn" von Florian Zeller
Nicolas ist 17 und kein fröhliches, unbeschwertes Kind mehr. Alles um ihn...

"Der tapfere Soldat" von Oscar Straus am Gärtnerplatztheater
Am 14. Juni feiert Peter Konwitschnys Inszenierung von Der tapfere Soldat...

UA: Nina Enders "Siegfried simulieren" am Pfalztheater Kaiserslautern
Nachdem Nina Ender für ihr Stück Polyboskomplex mit dem 2....

Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2018 für Nele Stuhler
Nele Stuhler gewinnt mit Fische den ersten Else-Lasker-Schüler-Stückepreis...

DSE: "Rock of Ages" von Chris d'Arienzo am Theater Ulm
Haarspray, Leggins, Likör und die Hits der 80er-Jahre erwarten das Publikum...

Ingeborg-Bachmann-Preis 2018: Martina Clavadetscher und Bov Bjerg
Martina Clavadetscher und Bov Bjerg wurden zu den 42. Tagen der...

UA: "Ich, Ikarus" von Oliver Schmaering am Theater an der Parkaue
Am 1. Juni 2018 ist die Uraufführung von Ich, Ikarus am Theater an der...

Ausgezeichnet: "In dir schläft ein Tier" von Oliver Schmaering gewinnt den Mülheimer Kinderstückepreis
In dir schläft ein Tier von Oliver Schmaering ist mit dem Kinderstückepreis...

Neu bei FBE: "Adel verpflichtet" (Musical) von Rainer Bielfeldt, Susanne Lütje & Anne X. Weber
Stan Miller führt ein bescheidenes und glückliches Leben. Als seine Mutter an...

Sommertheater: Unsere Premieren im Juni
Es ist wieder Sommertheater-Zeit! Unsere Freilicht-Premieren im Juni:...

Neu bei FBE: "Im Gefängnis" von Thomas Engelhardt und Monika Osberghaus
Sinas Papa muss ins Gefängnis. Sina versteht das alles nicht. Sie hat keine...


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Feuchtwanger, Lion

Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er studierte Philologie und Philosophie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der pazifistisch-sozialkritische Schriftsteller aus Deutschland ausgebürgert; seine Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Feuchtwanger flüchtete nach Frankreich, wo er bis zu seiner Inhaftierung 1940 lebte. Noch im gleichen Jahr gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal in die USA. Zusammen mit Bertolt Brecht und Willi Bredel gab Feuchtwanger hier die Emigrantenzeitschrift "Das Wort" heraus. In seinem ersten historischen Roman, Die häßliche Herzogin (1923, später unter dem Titel "Margarete Maultasch" veröffentlicht), beschrieb er das Leben in Tirol im 14. Jahrhundert. Ihm folgten Jud Süß (1925), ein Roman, der im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, und die Josephus-Trilogie, bestehend aus den Romanen Der jüdische Krieg (1932), Die Söhne (1934) und Der Tag wird kommen (1945).

In seinem dokumentarischen Roman Erfolg (1930) stellte Feuchtwanger die Ereignisse in München ab der Revolution von 1919 bis 1930 dar. Der Roman stellt den ersten Teil seiner "Wartesaal-Trilogie" dar, in der sich der Autor mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte. Zu Feuchtwangers bedeutenden Werken, die er nach seiner Flucht aus Deutschland im amerikanischen Exil schrieb, gehören Die Geschwister Oppermann (1933) und Exil (1940), der zweite und dritte Teil der "Wartesaal-Trilogie" sowie die Romane "Waffen für Amerika" (1947, auch unter dem Titel Die Füchse im Weinberg erschienen) und Die Jüdin von Toledo (1954, 1955 auch unter dem Titel "Spanische Ballade" erschienen).

Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Feuchtwanger, Lion

Lion Feuchtwanger
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der falsche Nero

Roman


Zu seiner politischen Parabel und Hitler-Satire Der falsche Nero wurde Feuchtwanger von einer Anekdote aus dem römischen Reich inspiriert, in der ein Mann auftauchte und behauptete, Kaiser Nero zu sein, obwohl dieser elf Jahre zuvor Selbstmord begangen hatte. Senator Varro hat durch den Tod des Kaisers an Einfluss verloren. Sein früherer Leibeigener, der arbeitsscheue Töpfer Terenz, sieht dem verstorbenen Kaiser äußerst ähnlich und so lässt Varro ihn in den römischen Ostprovinzen in die Rolle des Nero schlüpfen, um seine politischen Ziele zu erreichen.
Sein Betrugsmanöver hat weitreichende Folgen. Das leichtgläubige und verführbare Volk, das über die hohen Abgaben erbost ist, die ihm die in Rom regierenden Flavier abfordern, lässt sich durch die äußerliche Ähnlichkeit täuschen, bejubelt den Nero und glaubt an dessen Wiederauferstehung. Nero wird von seinem Buchhalter Knops und dem römischen General Terenz weiter angestachelt und errichtet eine Schreckensherrschaft. Die von Varro ins Leben gerufene Fiktion gerät außer Kontrolle. Eitel und machtbesessen vergisst Terenz, dass er nur eine Marionette ist. Doch durch die Misswirtschaft des Trios und durch das militärische Eingreifen Roms werden die drei gestürzt und enden am Kreuz. Varro, der einstige Drahtzieher, taucht im Reich der Parther unter.

Feuchtwanger gelingt eine Satire über das NS-Regime, ohne die Parallelen zu unterstreichen. Der Roman wird zu einer Abbildung des Gegenwärtigen im Historischen. Mit dem teuflischen Gespann Terenz, Knops und Trebon meint Feuchtwanger keine Geringeren als Hitler, Goebbels und Göring.
Das Werk zeigt die Probleme bei der Darstellung Hitlers, denn er ist nicht durch Realismus oder als Charakter zu fassen, sondern allenfalls als satirische Figur oder als visionär gesehene Höllengestalt. Die Gleichsetzung Hitlers mit einem unbedeutenden Mimen löste bei einigen Intellektuellen Unverständnis aus, so bei Bertolt Brecht, Georg Lukács und Arnold Zweig. Heinrich Mann schrieb über diesen Roman an Feuchtwanger: "In einer Abendstunde lese ich sooft als möglich den "Falschen Nero", das ist ein großartiges Buch. Mir geht im Kopf eine Betrachtung um, die heißen würde: Feuchtwanger und der Weltruhm."

Hinweis: Es ist jeder Bühne möglich, in Rücksprache mit dem Verlag eine eigene Adaption von den Werken des Autors Lion Feuchtwanger zu erstellen.