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UA: "Mr. Nobody" am Jungen Schauspiel Düsseldorf
Am 1. Juni ist die Uraufführung von Mr. Nobody nach dem Film von Jaco Van...

Premiere: "Alles was Sie wollen" an der Komödie am Kurfürstendamm
Am 7. Juni ist die Premiere von Alles was Sie wollen an der Komödie am...

Sommertheater: Unsere Premieren von Juni bis August
Wir freuen uns auf Sommer, Sonne und Theater - hier eine Auswahl unserer...

Ausgezeichnet: Berliner Kindertheaterpreis 2019 für Esther Becker
"Ein Stück, bei dem man sich fragt, wo es vorher war. Ein Stück, das es schon...

DE: "Der Besuch der alten Dame - Das Musical" bei den Freilichtspielen Tecklenburg
Am 24. Juli 2020 feiern die Freilichtspiele Tecklenburg die deutsche...


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O'Reilly, Kaite

Kaite O’Reilly arbeitet international als Autorin, Mentorin und Dozentin. Seit den 90er Jahren publiziert und realisiert sie in der ganzen Welt Theaterstücke und wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. Neben ihren Theaterprojekten, die u.a. im Zuge der Olympischen Spiele 2012 Teil des offiziellen Festivals wurden, ist sie intensiv in den Diskurs der „disability studies“ eingebunden und veröffentlicht regelmäßig neue Studien. Darüber hinaus vollendete sie vor Kurzem ihren ersten Roman.


Weitere Informationen zu Kaite O'Reilly

 

Ganz leicht

(Cosy)
6D
UA: 08.03.2016, The Llanarth Group / United Western Studio, Wales Millenium Centre Cardiff

Die 76-jährige Rose hat einen Entschluss gefasst: keine Arztbesuche mehr, kein Warten auf den Pflegedienst; ein würdiger Abgang aus dem Leben, bevor sie die Kontrolle über den eigenen Körper verliert. Rose möchte selbst bestimmen, wann es vorbei ist, gerade weil sie das Leben so liebt. Um den Weg nicht allein und womöglich erfolglos gehen zu müssen, ruft sie ihre drei erwachsenen Töchter und die 16-jährige Enkelin zu einem Familienrat zusammen – wie, wann und mit wem soll es passieren, das Ob ist eigentlich keine Frage mehr. Die Töchter reagieren wenig verständnisvoll, aus verschiedenen Gründen. Ed lebt bei der Mutter und kümmert sich um sie – im Grunde ist sie eine bessere Haushaltshilfe, aber ein Leben allein ist nur schwer vorstellbar. Gloria, ein ewiger Hippie, sieht Erlösung und Verantwortung für das Leben allein in der Spiritualität und hat ohnehin genug eigene Sorgen. Camille, eine abgebrühte Innenarchitektin, die im Geiste schon das Haus umdekoriert, damit eine vorzeigbare Immobilie daraus wird, ist zu sehr mit dem eigenen Altern beschäftigt, um auch noch über das Sterben nachzudenken. Nur Isabella, Camilles halbwüchsige Tochter, geht auf nüchterne Weise mit dem Wunsch der Großmutter um – als Spenderkind hat sie eine recht pragmatische Einstellung zum Leben. Anwesend ist auch noch Maureen, eine Vertraute von Rose und eine seltsame Erscheinung mit Katheterbeutel, die aber immer eine schlagfertige Weisheit auf Lager hat.
Im Laufe des Abends werden nicht nur verschiedene Methoden des Ablebens und die daraus folgenden Konsequenzen diskutiert, sondern auch die Familie als Kern des Zusammenhalts hinterfragt. Sterben muss jeder irgendwann, aber was macht einen Tod besser als einen anderen? Wem gehört das eigene Leben, wer darf darüber bestimmen? Altern, Sterben, Sterbehilfe, Selbstmord, Tod – die Grenzen sind fließend und die Antworten nicht einfach zu ertragen.

Dass das Stück weder pathetisch noch leichtfertig mit einem so komplexen Thema umgeht, ist vor allem Kaite O’Reillys sprachlichem Geschick und ihrem Gespür für Humor zu verdanken. Klug, empathisch, respektvoll und zugleich befreiend komisch schafft sie es, einem schweren und bedrückenden Thema Spielraum zu verschaffen und ihm Leichtigkeit zu geben.