25.11.2017

Aktuelle Nachrichten

"Wartesaal" von Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
In Lion Feuchtwangers berühmter Wartesaal-Trilogie bestehend aus den Romanen...

DSE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot am Schauspiel Frankfurt
Am 26. November ist die deutschsprachige Erstaufführung von Die...

"Alice" am Metrolpoltheater München
Herzlichen Glückwunsch zum Nichtgeburtstag und toi, toi, toi dem Münchener...

"Die Orestie" am Thalia Theater in Hamburg
Am 21. Oktober feierte Aischylos' Werk Die Orestie in der Bearbeitung von...

UA: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Philipp Löhle nach Charles Dickens
"Die Reise führt tief hinein ins Unterbewusste des alten Griesgrams, wo die...

Neu bei FBE: "Blütenzeit (Blossom Time)" von Dorothy Donnelly und Sigmund Romberg
Blütenzeit ist die amerikanische Version des Wiener Singspiels "Das...

UA: "Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
Was passiert eigentlich mit der Welt, wenn ich die Augen zumache? Wie kommen...

DER FAUST für Hannah Biedermann
Am Freitag ist Hannah Biedermann der Deutsche Theaterpreis DER FAUST...

Brüder-Grimm-Preis 2017 für "NASSER #7Leben"
Der mit 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin geht in...

Neu bei FBE: "Mit deinem Bein im Mund lässt es sich viel leichter ich liebe dich Luka sagen" von Marcus Peter Tesch
Körper hängen wie geschlachtete Tiere von der Bühnendecke. Es sind die...

NEU bei Desch: "Jugendliebe" von Ivan Calbérac
Antoine Chopin hat alles – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und...


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Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
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Mommertz, Paul

Paul Mommertz wurde 1930 in Aachen geboren und arbeitet als freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Er studierte Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte, auch Philosophie und Psychologie in Würzburg, Wien und Bonn und schrieb eine Dissertation über die Rolle des Aphorismus in Literatur und Philosophie. Mommertz hat bereits zahlreiche Preise erhalten, darunter der Dramatikerpreis der Münchner Kammerspiele, den Tukanpreis der Stadt München, einen DAG-Fernsehpreis, die Silberne Nymphe von Monte Carlo, einen Silbernen Hugo beim 24. Internationalen Filmfestival Chicago, sowie 1985 beim World Television Festival in Tokio den Dokumentarspiel-Preis für Die Wannseekonferenz. Seine Arbeit ist mitgeprägt durch Jugenderfahrungen: durch den damals sehr starken rheinischen Milieukatholizismus, den Bombenkrieg 1942-1945, in dem er nicht nur seinen Vater, sondern auch Schulfreunde verlor, und durch den Nationalsozialismus. Mit dem Nationalsozialismus setzt er sich in Hörspiel, Theater und Fernsehen immer wieder auseinander. Krieg, Luftkrieg und Judenverfolgung sind Hintergrund des autobiografisch getönten Drehbuchs "Senta und Sam". Das Katholische, zu dem Mommertz heute in kritischer Solidarität steht, zeigt sich in dem Drehbuch "Fritz Moskau", vor allem aber im Aphorismenband "Sinnthesen". Seine Meinung zu Politik und Gesellschaft hat er in provokanter Zuspitzung formuliert in den Aphorismenbänden "Sichtwechsel I und II".

 

Hamsun

Dokumentarisches Schauspiel in fünf Akten von Paul Mommertz
1D, 1H

Beide, Knut und Marie, bewunderten Adolf Hitler und den Nationalsozialismus. Hamsun polemisierte nach der deutschen Invasion gegen die Widerstandsbewegung, besuchte den Reichspropagandaminister in Berlin und Hitler auf dem Obersalzberg; und Marie ließ sich auf Lesereisen als Sympathisantin des NS-Regimes feiern. 1945, am letzten Kriegstag, in einem unerhört skandalösen Zeitungsartikel, huldigte Hamsun noch einmal Hitler und "verneigte sich vor ihm in Ehrfurcht". Dies brachte ihm die anhaltende Ächtung durch die literarische Welt ein, Isolierung, Internierung, Prozeß, Verurteilung, Bankrott, Schmähung und Haß. Die letzten gemeinsamen Jahre der Hamsuns standen im Zeichen der Verarbeitung ihrer Verstrickung in ein endgültig als verbrecherisch entlarvtes Regime: Hamsun distanzierte sich, wenn auch nicht öffentlich, Marie "blieb sich treu."

Aus diesem dramatischen Konflikt entwickelt Paul Mommertz' Stück Szenen einer Ehe zwischen zwei außergewöhnlich starken und eigenwilligen Persönlichkeiten, die - wie Hamsun mit Ibsen erklärt - ,Gerichtstag' halten über sich selbst, wobei Marie die dunklen Motive seiner Provokationen zu entschlüsseln sucht. Exemplarisch wird deutlich die zeitlose Dialektik von Kunst und Politik, Privatem und Öffentlichem, Individuellem und Allgemeinem, Schuld und Katharsis. Das Stück verfährt wie andere Arbeiten des Autors (Die Wannseekonferenz) dokumentarisch unter Berücksichtigung aller erreichbaren Zeugnisse und Quellen: Biographien, Autobiographien, Briefwechsel, Akten, Zeugenaussagen und Werke.

Eine frühere Fassung des Dramas hatte seine Uraufführung am Stadttheater Baden-Baden. Ebenso erfolgreich war eine Hörspielfassung mit Hanna Hofer und Curt Bois in einer Inszenierung von Ernst Wendt. Das Stück liegt vor in einer Zwei-Personen-Fassung (2 Akte) und in einer Ensemblefassung (5 Akte): 2 Haupt-, 11 Neben-, 5 stumme Rollen. Es spielt in der Einheit von Ort und Zeit in einer einzigen Dekoration.

Werk aus dem Programm des Theaterverlag Werk aus dem Programm des Theaterverlag Desch