26.08.2014

Aktuelle Nachrichten

Neuübersetzung: "High Society" von Edith Jeske, Claudia & Knut Lehmann
Als 1997 der Film "High Society" als Musical in San Francisco auf die Bühne...

Neu bei FBE: "Someone is Going to Come" von Knut Vaage und Jon Fosse
Er und Sie haben sich ein altes Haus gekauft, fernab der Stadt, an einer...

Neu bei FBE: Sascha Hawemanns Theaterfassung "Meine Schwester ist eine Mönchsrobbe"
Am 5. Juni feierte Sascha Hawemanns Bühnenbearbeitung Meine Schwester ist...

Zum Wiederentdecken: "Towarisch" von Jacques Deval
Prinz Ouratieff lebt mit seiner Frau unter ärmlichsten Umständen in der...

Rückblick: "Ein Mann will nach oben" am Schauspielhaus Bochum
"Karl steht verloren im Treiben: Paare flanieren, Dienstboten wuseln zwischen...

Sommerpremieren Teil 2
Und weiter geht's mit dem zweiten Teil der diesjährigen Sommerpremieren....

DSE: "Backbeat" am Altonaer Theater Hamburg
Kaum neigt sich die Spielzeit dem Ende zu, sind in Hamburg die Pilzköpfe los...

"was innen geht" von Anja Hilling auf der Long List des Deutschen Jugendtheaterpreises 2014
2013 wurde was innen geht mit dem Deutsch-Niederländischen...

UA: "Jedermann" bei den Erfurter Domstufen-Festspielen
Das erprobte Autorenduo Peter Lund und Wolfgang Böhmer hat sich zum ersten...

Prix Molière für das beste Stück 2014 an "Vater" von Florian Zeller
Am 2. Juni 2014 wurde in Paris im Théâtre des Follies-Bergère erneut der...

10 Jahre "Cabaret" in Berlin – die Bar jeder Vernunft feiert Jubiläum!
Willkommen. Bienvenue. Welcome in der Bar Jeder Vernunft. Vor zehn Jahren...

UA: "Casanova" im Anhaltischen Theater Dessau
Die Herren, die am 4. Juli das Anhaltische Theater Dessau besuchen, müssen...


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Aktuelle Stücke
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Aktuelle Premierenberichte
Bild von Roland ToporTopor, Roland
Foto: © Hans-Jürgen Lechtreck  

Roland Topor, 1938 als Sohn polnisch-jüdischer Emigranten geboren, lebte und arbeitete u.a. als Autor, Maler, Regisseur und Bühnenausstatter in Paris. Seine gesammelte Arbeit ist stark von den Surrealisten beeinflusst. Das Bizarre, Groteske und Alptraumhafte wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn zum Meister der makabren Pointe.

Das Multitalent war ein hochbegabter und vielseitiger Künstler, der sich nie spezialisieren wollte. Er schrieb sowohl Drehbücher als auch Romane, darunter „Memoiren eines alten Arschlochs“ und den von Roman Polanski verfilmten Roman „Der Mieter“, in dem der Regisseur selbst die Hauptrolle übernahm. Er schuf hinreißende Zeichentrick- und Animationsfilme, für die er u.a. in Cannes ausgezeichnet wurde. Als Schauspieler stand er auch vor der Kamera, so in Herzogs "Nosferatu" und Schlöndorffs "Eine Liebe von Swann". Er entwarf auch Film- und Theaterplakate (über viele Jahre für die Münchner Kammerspiele). Mit seinen international erfolgreichen Theaterstücken machte er sich insbesondere in Deutschland einen Namen als Dramatiker. In seinen Werken blickt Topor hinter die blendende Fassade und zeigt die Abgründe und Ängste der Menschen, die er in überspitzten, surealen Bildern ausdrückt.

 

Kampf im Dunkel

(Bataille dans le noir)
Düsteres Zwischenspiel in drei Akten
Deutsch von Jürgen Bansemer
1D, 2H
DSE: 14.11.2002, Theater unterm Dach Berlin

Bühne und Zuschauerraum sind abgedunkelt. In dieses Dunkel hinein sprechen die beiden Protagonisten, Pénard und Laboure. Sie scheinen die beiden letzten Überlebenden zu sein, nichts ist mehr vorhanden, nicht einmal die Sonne. Die beiden tasten sich durch ein Nirgendwo, vielleicht sind sie ja auch blind? Um das zu testen, suchen sie ein Streichholz und entzünden es. In diesem kurzen erhellenden Moment sieht man, das noch eine weitere Person auf der Bühne ist: die Heilige Jungfrau Maria. Pénard und Laboure finden kurze Zeit später einen Pilz, der Laboure in einen Zustand zwischen Tod und Leben befördert, in dem er wieder auf Maria trifft. Sie träumt davon, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren und mit dem passenden Mann davonzugehen. Da wacht Laboure auf, viele Jahre sind vergangen, Pénard hat bereits Frau und Kind. Laboure ist glücklich, dass er seinen alten Freund wiedergetroffen hat in der Dunkelheit, doch kurz darauf ist er wieder allein, Pénard und seine Familie haben den Rest des Pilzes gegessen ...

Ganz in der Tradition Becketts schafft Roland Topor einen endzeitlichen, ortlosen Raum. Es gibt keine Gründe, keinen Kontext, nur eine Situation. Nach anfänglicher Hoffnung wird klar: So wie Wladimir und Estragon vergeblich auf Godot warten, so möchte Maria, die zunächst das Dunkel erleuchtet, am liebsten selbst fliehen vor ihrer Existenz. Am Ende bleibt Laboure allein im Dunkeln zurück.