27.06.2016

Aktuelle Nachrichten

Sommertheaterpremieren Teil 2
Weiter geht’s mit der zweiten Runde der diesjährigen Sommerpremieren: Unter...

UA: "Stella" von Wolfgang Böhmer und Peter Lund an der Neuköllner Oper
Sie hat es auch hier gegeben, die "Greifer" – Berliner Juden, die für die...

DSE: "Zu klein, um ein Planet zu sein" von Adam Barnard in Esslingen
Zu klein, um ein Planet zu sein des britischen Autors Adam Barnard wird am...

"Freund Till, genannt Eulenspiegel" von Katrin Lange bei den Schlossfestspielen in Heidelberg
In der Regie von Franziska-Theresa Schütz gelangt am 15. Juni Freund Till,...

"2. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis" an Nina Ender
Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr Nina Ender neben Maria Milisavljevic...

Verleihung Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg an Evan Placey
Der Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an Evan Placey...

Neu bei FBE: "Umständliche Rettung" von Martina Clavadetscher
Mikrobiologin Yamila Hanna Bach reist zu Forschungszwecken nach Sodiryia,...

Sommerpremieren Teil 1
Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm wieder einige Premieren unter freiem...

Neu bei DESCH: "Besser schlichten als richten" von Chloé Lambert
Anna und Pierre sind getrennt und müssen sich bei einer Familienmediation auf...

"Backbeat - Die Beatles in Hamburg" von Iain Softley und Stephen Jeffreys im Theater am Kurfürstendamm
Kaum neigt sich die Spielzeit dem Ende zu, sind in Berlin die Pilzköpfe los...

Neu bei FBE: "Wiegenlied für Baran" von Joël László
Sibylle, Pierre und Robert kennen sich seit Ewigkeiten. Als Studenten haben...

Neu bei FBE: Musikalische Kinderstücke von Thomas Sutter
Ab sofort haben wir zwei musikalische Kinderstücke des...

Neu bei FBE: "Nusret und die Kuh" von Anja Tuckermann
Für Anja Tuckermanns Kinderbuch Nusret und die Kuh stehen ab sofort die...

"Die Stühle" von Eugène Ionesco am Berliner Ensemble Berlin
Am 17.06.2016 wird das legendäre Stück Die Stühle des...

Zum Wiederentdecken: "Das Zebra" von Nicolas Nancey und Paul Armont
Im Schloss Vercotte lebt Monsieur Génicourt mit seiner Tochter Régine und...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

König Johann

Nach Shakespeare
5D, 20H, Statisterie
UA: 18.09.1968, Theater Basel

Als Uraufführung eröffnete Dürrenmatts Bearbeitung von Shakespeares "König Johann" die Spielzeit 1968/69 am Theater Basel, in der Dürrenmatt auch Co-Direktor des Hauses war.

König Johann Plantagenet von England erreicht im Staatszimmer seines Palastes in Northampton die Nachricht und Kriegserklärung in spe von Frankreichs König Philipp II. Dieser fordert, König Johann möge seinem Neffen Arthur, derzeit Herzog von Bretagne und Sohn des um sein Reich geprellten älteren Bruders Johanns, Irland samt weiteren Ländereien überlassen. König Johann habe nämlich die grüne Insel unrechtmäßig geraubt und ausgeplündert. Während Johanns Mutter kurz für eine friedliche Einigung wirbt, was den Kostenaufwand gering halten würde, ordnet König Johann an, dass Klöster und Abteien die Auslagen des anstehenden Krieges bereitstellen sollen.

Englands Heer steht vor den Toren der westfranzösischen Stadt Angers bereit, doch vor Kampfbeginn treffen die feindlichen Parteien am Verhandlungstisch aufeinander. Die Idee, Angers Bürger sollen entscheiden, wer der Herrscher sein soll, scheitert, denn diese verweigern ihre Stellungnahme aus Furcht vor Vergeltung. Derweil der Krieg bereits beginnt.

Shakespeares Stoff "König Johann" erzählt vom Rivalenkampf um Thronrechte und Machtansprüche. Dürrenmatt sah in Shakespeares Fassung, wie auch bei "Titus Andronicus", lediglich den Rohstoff für ein Stück. Ziel seiner Bearbeitung war es, die dramaturgische Dialektik des vorhandenen Spielmaterials reiner herauszuarbeiten und die Handlung „durchsichtig“ zu machen. In einer Welt, die von Gewinnstreben geleitet wird und die Moral negiert, lässt Dürrenmatt seine Figuren das blutige Geschehen immer auch maulfaul und lapidar kommentieren und versieht das historische Drama auf diese Weise mit einer ironischen Grundkomponente. So befindet König Johanns Minister die gedeckte Hochzeitstafel zur strategischen Vermählung und Befriedung mache sich im Grunde gut vor der zerstörten Kathedrale, bloß störe der Brandgeruch und dass die Leichen noch herum lägen. Der Spiegel schrieb anlässlich der Uraufführung "Shakespeares fürstliche Heroen entpuppen sich bei Dürrenmatt als eine Bande wüster Gangster, die wirre Historie vom Familienzwist im Hause Plantagene (...) wird zu einer gruselig-grotesken Fabel von Schall und Wahn und Blut und Niedertracht."