17.12.4389

Aktuelle Nachrichten

"Alles Schwindel" von Mischa Spoliansky am Maxim Gorki Theater in Berlin
Das Publikum des Berliner Maxim Gorki Theaters wird am 17. Dezember sowohl in...

"Die Kaiserin" am Theater Baden bei Wien
Punktgenau zum 300. Geburtstag der Habsburger-Ikone und Langzeit-Regentin...

"Die lustigen Nibelungen" von Oscar Straus am Badischen Staatstheater Karlsruhe
"Er sieht so miesepetrig aus, und nicht wie sonst so munter – was hat er...

Neu bei FBE: "General Wunde" von Joël László
Die Hautkrankheit des Neugeborenen verändert das Leben von Anja und Samuel....

"Die Regeln des Sommers" in der Regie von Hannah Biedermann am Jungen Nationaltheater Mannheim
Hannah Biedermann, frisch mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST für die...

"Venedig im Schnee" am Theater an der Effingerstraße Bern, den Bühnen der Stadt Gera, dem Theater Schloss Maßbach
Gleich drei Premieren von Venedig im Schnee von Gilles Dyrek gibt es im...

Berlin-Premiere: "Weihnachten auf dem Balkon" an der Komödie am Kurfürstendamm
Am 3. Dezember war die Premiere von Weihnachten auf dem Balkon von Gilles...

UA "Broken German" von Tomer Gardi am Schauspiel Graz
Mitte November wurde Noam Brusilovskys Hörspielbearbeitung von Tomer Gardis...

"Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
"Die Farben weg, die Geräusche lauter. Die Uhren langsamer, dafür das Ticken...

SchreibenDenkenHören: "Der korallene Wald" von Ruth Johanna Benrath
Words don't come easy. Textproduktion ist oft ein hartes Ringen zwischen...

"Wartesaal" nach Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
Ein "leiser und konzentrierter Abend" (Nachtkritik): Stefan Pucher inszeniert...

Neu bei FBE: "Nach Luft jagen" von Michael A. Müller
Penelope möchte uralt werden. Wie Oma. Die sagte mal, jedes Ticken der Uhr,...

DSE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot am Schauspiel Frankfurt
Am Schauspiel Frankfurt ist am 26.11. Fabrice Melquiots neues Stück Die...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

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Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

König Johann

Nach Shakespeare
5D, 20H, Statisterie
UA: 18.09.1968, Theater Basel

Als Uraufführung eröffnete Dürrenmatts Bearbeitung von Shakespeares "König Johann" die Spielzeit 1968/69 am Theater Basel, in der Dürrenmatt auch Co-Direktor des Hauses war.

König Johann Plantagenet von England erreicht im Staatszimmer seines Palastes in Northampton die Nachricht und Kriegserklärung in spe von Frankreichs König Philipp II. Dieser fordert, König Johann möge seinem Neffen Arthur, derzeit Herzog von Bretagne und Sohn des um sein Reich geprellten älteren Bruders Johanns, Irland samt weiteren Ländereien überlassen. König Johann habe nämlich die grüne Insel unrechtmäßig geraubt und ausgeplündert. Während Johanns Mutter kurz für eine friedliche Einigung wirbt, was den Kostenaufwand gering halten würde, ordnet König Johann an, dass Klöster und Abteien die Auslagen des anstehenden Krieges bereitstellen sollen.

Englands Heer steht vor den Toren der westfranzösischen Stadt Angers bereit, doch vor Kampfbeginn treffen die feindlichen Parteien am Verhandlungstisch aufeinander. Die Idee, Angers Bürger sollen entscheiden, wer der Herrscher sein soll, scheitert, denn diese verweigern ihre Stellungnahme aus Furcht vor Vergeltung. Derweil der Krieg bereits beginnt.

Shakespeares Stoff "König Johann" erzählt vom Rivalenkampf um Thronrechte und Machtansprüche. Dürrenmatt sah in Shakespeares Fassung, wie auch bei "Titus Andronicus", lediglich den Rohstoff für ein Stück. Ziel seiner Bearbeitung war es, die dramaturgische Dialektik des vorhandenen Spielmaterials reiner herauszuarbeiten und die Handlung „durchsichtig“ zu machen. In einer Welt, die von Gewinnstreben geleitet wird und die Moral negiert, lässt Dürrenmatt seine Figuren das blutige Geschehen immer auch maulfaul und lapidar kommentieren und versieht das historische Drama auf diese Weise mit einer ironischen Grundkomponente. So befindet König Johanns Minister die gedeckte Hochzeitstafel zur strategischen Vermählung und Befriedung mache sich im Grunde gut vor der zerstörten Kathedrale, bloß störe der Brandgeruch und dass die Leichen noch herum lägen. Der Spiegel schrieb anlässlich der Uraufführung "Shakespeares fürstliche Heroen entpuppen sich bei Dürrenmatt als eine Bande wüster Gangster, die wirre Historie vom Familienzwist im Hause Plantagene (...) wird zu einer gruselig-grotesken Fabel von Schall und Wahn und Blut und Niedertracht."