01.07.2016

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Tomer Gardi mit "Broken German" eingeladen zum Bachmannpreis
Am 1. Juli, 13:30 Uhr liest der israelische Autor Tomer Gardi bei den 40....

"Der Hund des alten Mannes" von Oliver Kluck als Hörspiel
Den Hörmonolog Der Hund des alten Mannes von Oliver Kluck inszeniert...

Sommertheaterpremieren Teil 2
Weiter geht’s mit der zweiten Runde der diesjährigen Sommerpremieren: Unter...

UA: "Stella" von Wolfgang Böhmer und Peter Lund an der Neuköllner Oper
Sie hat es auch hier gegeben, die "Greifer" – Berliner Juden, die für die...

DSE: "Zu klein, um ein Planet zu sein" von Adam Barnard in Esslingen
Zu klein, um ein Planet zu sein des britischen Autors Adam Barnard wird am...

"2. Else-Lasker-Schüler-Stückepreis" an Nina Ender
Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr Nina Ender neben Maria Milisavljevic...

"Backbeat - Die Beatles in Hamburg" von Iain Softley und Stephen Jeffreys im Theater am Kurfürstendamm
Kaum neigt sich die Spielzeit dem Ende zu, sind in Berlin die Pilzköpfe los...

Verleihung Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg an Evan Placey
Der Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an Evan Placey...

Neu bei DESCH: "Besser schlichten als richten" von Chloé Lambert
Anna und Pierre sind getrennt und müssen sich bei einer Familienmediation auf...

Neu bei FBE: "Wiegenlied für Baran" von Joël László
Sibylle, Pierre und Robert kennen sich seit Ewigkeiten. Als Studenten haben...

"Die Stühle" von Eugène Ionesco am Berliner Ensemble
Am 17.06.2016 wird das legendäre Stück Die Stühle des...


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Bild von Carole FréchetteFréchette, Carole
Foto: Rolline Laporte 

Carole Fréchette wurde 1949 in Montréal geboren, wo sie auch derzeit lebt. Sie schreibt Theaterstücke und Romane. Die in ihrer Heimat Kanada viel gespielte Autorin erhielt 1995 den Governor General´s Award für ihr Drama "Les quatre morts de Marie", 1998 den Floyd S.Chalmers Preis für die englischsprachige Premiere des selben Dramas in Toronto. Ihr Stück "La Peau d´Élisa" (Elisas Haut) war 1999 für den Governor General´s Award nominiert. Auch außerhalb Kanadas wurden Carole Fréchettes Stücke aufgeführt, so in Frankreich, Belgien, Rumänien, Libanon, Syrien und Mexiko. In Deutschland hatte Carole Fréchette mit "Elisas Haut" ihre erste Aufführung am 26.9.2001 durch das Münchner Galerie Theater in der Black Box im Gasteig. Im Jahre 2002 erhielt sie den Prix de la Francophonie und im Oktober 2002 schließlich den mit 100.000 Dollar dotierten Siminovitch-Preis. Zu seiner Begründung schreibt die Jury: "... Ihre Stücke lassen im Bekannten Unbekanntes, im Fassbaren das Unfassliche anklingen, eine Verbindung, die Kennzeichen großer Kunst ist."
In Deutschland wurde Carole Fréchette mit ihrem Stück Die sieben Tage des Simon Labrosse bekannt. Der deutschsprachigen Erstaufführung am Maxim Gorki Theater, Berlin im Oktober 2005 folgten zahlreiche Nachinszenierungen in Deutschland und Österreich.


Weitere Informationen zu Carole Fréchette

 

Das kleine Zimmer am Ende der Treppe

(Le petit pièce en haut de l'escalier)
Deutsch von Heinz Schwarzinger
4D, 1H
UA: 04.03.2008, Théâtre du Nouveau Monde Montréal
DSE: 12.10.2011, Kosmos Theater Wien

Wozu braucht man zehn Gästezimmer, wenn sie nicht belegt sind? Das will das moderne Aschenputtel Grâce von seinem wohlhabenden Mann Henri wissen. Sie seien einfach da, antwortet der, wie die ungenutzten Zellen im Gehirn. Damit die Gedanken kreisen können. Tatsächlich fühlt sich Grâce in ihrem neuen, schicken Zuhause zeitweise verloren wie in den Windungen eines überlebensgroßen Gehirns.

Es gibt keinen Grund zu klagen – sie hat ein gutes Leben, ein riesiges Haus mit 28 Zimmern und einen Mann, der sie auf Händen trägt. Doch dieser Mann bleibt ihr ein Rätsel. Er hütet ein Geheimnis, vielleicht die Kehrseite seines strahlenden Erfolgs? Eines Nachts beobachtet Grâce, wie Henri das kleine Zimmer betritt; es ist jene Kammer, die sie nicht sehen darf. Grâce wird neugierig, sie will der Sache auf den Grund gehen. Als Henri auf Geschäftsreise ist, nutzt sie die Chance. Im Zimmer findet sie einen verletzten Mann, einen Gefangenen. Sie versucht, ihn zu verarzten, aber Henri kommt nach Hause – und gerät in Rage ...

Carole Fréchette legt mit dem spannungsvollen Stück, das 2009 mit dem "Grand Prix de littérature dramatique" ausgezeichnet wurde, eine moderne, psychologisch angelegte Version des Blaubart-Mythos vor. Blaubart lagert seine ermordeten Ex-Frauen in einer Kammer. Henris Geheimnis ist komplizierter. Denn als Grâce den Verwundeten vorzeigen will, ist er verschwunden, das kleine Zimmer ist leer. Hat sie sich das dunkle Geheimnis ihres Mannes etwa nur eingebildet?

Fréchette spielt virtuos mit Phantasie und Wirklichkeit. Sie montiert reale Gespräche neben jene Dialoge, die nur in Grâces Kopf stattfinden, wenn sie mit ihrer Mutter und Schwester über ihre Ehe, ihr Leben und die Geschehnisse im kleinen Zimmer diskutiert. Dass das Zimmermädchen Jenny sich als Grâces Gegenspielerin entpuppt, steigert die Spannung und so entsteht ein faszinierendes psychologisches Spiel zwischen Mythos und moderner Ehekrise, das die freien Räume in Haus und Hirn mit einigem Personal bevölkert.

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