20.09.1601

Aktuelle Nachrichten

Neu bei FBE: "Die ganze Welt in meinem Zimmer" von Sergej Gößner und Klaus Schumacher
Eine Tür steht im Zentrum des Stückes - oder eher davor? Man könnte sie...

UA: "Effi" von Oliver Schmaering und Kay Wuschek am Theater an der Parkaue
Oliver Schmaerings und Kay Wuscheks Bearbeitung des Fontane-Romans "Effi...

UA: "Die Eisbärin" von Eva Rottmann am Theater Kanton Zürich
Eva Rottmanns Auftragswerk für das Theater Kanton Zürich, das...

"Lazarus" von David Bowie am Landestheater Linz
Die nächste Premiere von David Bowies und Enda Walshs Musical Lazarus findet...

Neu bei FBE: Mariana Leky "Was man von hier aus sehen kann"
Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im...

Premiere: "Ein Stein fing Feuer" nach Eugène Ionesco am Staatstheater Nürnberg
Am Staatstheater Nürnberg eröffnet die neue Intendanz um Jens-Daniel Herzog...

DSE: "Rotterdam" von Jon Brittain am Rabenhof Theater, Wien
Am 25.09. ist die deutschsprachige Erstaufführung von Jon Brittains Stück...

UA: "Nackt über Berlin" von Axel Ranisch am Neuen Theater Halle
Mit der Uraufführung von Axel Ranischs Roman Nackt über Berlin eröffnet das...

UA: "Heiß auf 2. Liga" von Jörg Menke-Peitzmeyer an den Hamburger Kammerspielen
Das Unfassbare ist geschehen: Bange Minuten bis zum Ende des letzten Spiels....

Wiederentdeckt: "Waisen" von Lyle Kessler
Zwei Brüder hausen in einem heruntergekommenen Gebäude in Philadelphia. Seit...

Deutscher Kindertheaterpreis 2018: Nominierung für Fabrice Melquiot
Fabrice Melquiot ist mit seinem Stück Die Zertrennlichen (übersetzt von...


Archiv

Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
Aktuelle Premierenberichte
Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der Mitmacher

Komödie
1D, 9H
UA: 08.03.1973, Schauspielhaus Zürich

Der Biochemiker Doc verliert während der Wirtschaftskrise seinen Job in New York und wird Taxifahrer. Boss, erfahrener Auftragskiller, sitzt eines Tages, auf der Suche nach einem Krematorium, auf Docs Beifahrersitz. Ihre Probleme gleichen sich, weder Morden noch Taxifahren rentiert sich in diesen miesen Zeiten. Inspiriert von Boss’ aussichtsloser Suche nach einer Leichen-Beseitigungsmöglichkeit, bietet Doc sich an, die Leichen mit Hilfe der selbsterfundenen "Nekrodialyse" chemisch und ohne Überreste zu beseitigen. Während schon bald im fünften Untergeschoss, fernab der Zivilisation, Leichen verdampfen, taucht unerwartet Polizeichef Cop auf. Dieser ist an besagter Vernichtungsmöglichkeit, auch für den Staatsbetrieb, durchaus interessiert. Der korrupte Beamte fordert Beteiligung.

Ann, Boss’ verwöhnte Geliebte, trifft in einer Bar auf Doc, der angibt, Industriediamanten herzustellen und Ann im Untergeschoss ruckzuck verführt. Ann hegt Gefühle für den besonderen Tüftler und erwägt, Boss zu verlassen. Docs Sohn Bill, einst mit der Mutter und deren Liebhaber verschwunden, taucht auf und stellt sich als Erbe der Chemiewerke vor, die Doc jüngst um seine Arbeit brachten. Den gewonnenen Reichtum will der Jungspund, als Beitrag zur Anarchie, in die Ermordung des Präsidenten investieren. Boss, dem die Liebelei von Ann und Doc nicht verborgen bleibt, sorgt dafür, dass das schöne Mädchen in der Nekrodialyse landet. Cop, der mit Boss noch eine alte Rechnung offen hat, schickt diesen gleich hinterher. Doc, ganz opportuner Mitmacher, tut seine Arbeit und vernichtet schließlich auch noch, ohne diesen wiederzuerkennen, seinen Sohn Bill.

Eine "pessimistische Parabel vom Konformismus der Intellektuellen" schrieb Der Spiegel zu dem Werk nach der Uraufführung in Zürich, ein Thema, das den Autor seit seinem US-Aufenthalt 1959 beschäftigt hatte. Für das Premierenpublikum war die, in den Dialogen aufs äußerste verknappte Fabel, weitgehend unverständlich. Dürrenmatt reagierte darauf, indem er sich in einem Nachwort mit den Gründen für das Missfallen auseinandersetzte. Die so entstandene Form des subjektiv reflektierten, autobiographischen Schreibens mit eingeschobenen Erzählungen legte den Grundstein für die Entwicklung seines großen Projekts der "Stoffe".