20.11.2017

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UA: "Eine Weihnachtsgeschichte" von Philipp Löhle nach Charles Dickens
Die Geschichte ist bekannt: Der hartherzige Geldverleiher Ebenezer Scrooge...

UA: "Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
Was passiert eigentlich mit der Welt, wenn ich die Augen zumache? Wie kommen...

Neu bei FBE: "Blütenzeit (Blossom Time)" von Dorothy Donnelly und Sigmund Romberg
Blütenzeit ist die amerikanische Version des Wiener Singspiels "Das...

Deutscher Hörspielpreis: "'Broken German' muss man hören!"
Broken German von Tomer Gardi gewinnt den Deutschen Hörspielpreis. Das knapp...

Wiederentdeckt: "Woman of the Year" von John Kander und Fred Ebb
Woman Of The Year – ein witziges und hintersinniges Musical, in dessen...

DER FAUST für Hannah Biedermann
Am Freitag ist Hannah Biedermann der Deutsche Theaterpreis DER FAUST...

Deutscher Jugendliteraturpreis 2017 Kategorie Bilderbuch: "Hier kommt keiner durch!"
Das wahrhaft grenzüberschreitende Buch Hier kommt keiner durch! von Isabel...

Brüder-Grimm-Preis 2017 für "NASSER #7Leben"
Der mit 10.000 Euro dotierte Brüder-Grimm-Preis des Landes Berlin geht in...

DSE: "Gloria" am Residenztheater München
Am 20.10. war die deutschsprachige Erstaufführung von Branden Jacobs-Jenkins'...

"Die Orestie" am Thalia Theater in Hamburg
Am 21. Oktober feierte Aischylos' Werk Die Orestie in der Bearbeitung von...

Neu bei FBE: "Mit deinem Bein im Mund lässt es sich viel leichter ich liebe dich Luka sagen" von Marcus Peter Tesch
Körper hängen wie geschlachtete Tiere von der Bühnendecke. Es sind die...

NEU bei Desch: "Jugendliebe" von Ivan Calbérac
Antoine Chopin hat alles – eine wunderschöne Freundin, beruflichen Erfolg und...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der Prozess um des Esels Schatten

6D, 5H, mit Mehrfachbesetzung
Großes Ensemble (Mehrfachbesetzungen möglich)

Das Grundmotiv, die Geschichte von "des Esels Schatten" ist seit der Antike bekannt, Dürrenmatts Hörspiel entstand in Anlehnung an das vierte Buch von Wielands satirischem Werk "Die Abderiten", in welchem Wieland die Einfalt seiner kleinstädtischen Zeitgenossen aufs Korn nimmt.

Zahnarzt Struthion aus Abdera wird zu einer Behandlung ins drei Tage entfernte Gerania gerufen, für die Reise mietet er sich frühmorgens auf dem Markt einen Esel. Anthrax, der Besitzer des Tieres, geht hinter ihm her. Als sie in die unerträgliche Mittagshitze kommen, beschließt Struthion, sich eine Weile in des Esels Schatten auszuruhen. Doch Anthrax fordert dafür Taxe, denn der Zahnarzt habe wohl den Esel gemietet, aber nicht seinen Schatten. Da sich jeder der beiden im Recht wähnt, geht es zurück in die Stadt vor den Stadtrichter Philippides. Auch vor dem Richter will keiner ein Zugeständnis machen, es muss zur offiziellen Verhandlung kommen. Der Esel wird, als Streitmasse, bis dahin einbehalten. Den beiden Parteien stehen rasch Advokaten mit Rat und Geldforderung zur Seite, es gilt, für jede Partei, genügend Bürger hinter sich zu bringen.

Während das Plädoyer für Struthion darauf lautet, ebenso wenig wie der Schatten eines Berges sei der Schatten eines Esels zu vermieten, so lautet dasjenige für Anthrax genau anders: Wenn in dieser Stadt nicht einmal eines Esels Schatten vermietbar sei, falle "die ganze Privatwirtschaft, in ihren Wurzeln untergraben, in sich zusammen." Einigung wird nicht erzielt, beide Seiten prangern sich gegenseitig an und alles endet in Prügel. Als die Stadt in Flammen aufgeht, galoppiert der Esel, der sich befreien konnte, durch die Ruinen, und alle ihm nach. Denn wer, wenn nicht der Esel, trägt die Schuld an diesem Untergang?

Das Gericht als eine Urform des Theaters faszinierte Dürrenmatt schon früh und nachhaltig: Der Dualismus zweier opponierender Lager, die Verhandlung des Einzelnen zwischen Anklage und Verteidigung. Mit dem Kalten Krieg teilte sich die Welt in zwei sich gegenüberstehende Gesellschaftssysteme, Der Prozess um des Esels Schatten kann als erste komödiantische Beschäftigung Dürrenmatts mit dem einsetzenden Kalten Krieg gelesen werden.