22.10.2018

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Bild von James Matthew BarrieBarrie, James Matthew

James Matthew Barrie wurde am 6. Mai 1860 in der schottischen Kleinstadt Kirriemuir als eines von zehn Kindern einer Handweberfamilie geboren. Prägend war für ihn vor allem der starke Einfluss seiner Mutter, von der er die keltische Phantasie und die religiöse Überzeugung übernahm.
Bis 1883 besuchte er die Universität von Edinburgh, arbeitete als Journalist in Nottingham und London, wo er bis zu seinem Tode 1937 lebte. Dort begann Barrie seine Theaterkarriere.
Mitte der Neunziger tat er mit "Walker, London" den ersten Schritt Richtung Bühne, bereits 1903 wurden gleich drei seiner Dramen in London aufgeführt – "Quality Street", Zurück zur Natur (The Admirable Crichton), "Little Mary". Im darauffolgenden Jahr schrieb er das wohl populärste seiner Werke, Peter Pan oder Das Märchen vom Jungen, der nicht groß werden wollte.
Nach einer 14-jährigen Pause des Schweigens schrieb Barrie noch zwei Stücke biblischen Inhalts, die sich vollkommen von den früheren unterschieden.
Barrie, der geborene Geschichtenerzähler, appelliert in seinen Stücken vor allen Dingen an das Gefühl, er kannte die Schwächen der Gesellschaft, wollte aber nicht sie, sondern den Einzelmenschen reformieren.
Die äußeren Umstände waren ihm wohlgesonnen – 1913 wurde er zum Baron erhoben, 1922 erhielt er den Order of Merit, war eng befreundet mit George Bernhard Shaw, George Meredith, Thomas Hardy, W. E. Henley, erhielt Würdentitel diverser Universitäten – er war ein wohlhabender Mann, geliebt und geehrt von seinem ganzen Volke.
Der Schlüssel zu seinem Wesen als Mensch und Schriftsteller jedoch liegt vielleicht in seinen eigenen Worten: "Alles, was geschieht, nachdem wir zwölf Jahre alt sind, hat nicht mehr viel zu bedeuten." Eine unerschöpfliche Phantasie, warmherziger Humor und brillanter Witz, eine Satire, die niemals bitter schmeckt, eine Spur echten Sentiments und meisterliche Theaterfertigkeit, das sind die wesentlichen Ingredienzen des dramatischen Werkes James Matthew Barries, das die englische Komödie der Jahrhundertwende neu belebte. Fast ein halbes Jahrhundert beherrschte er das englische Theater, übertroffen nur von seinem großen Landsmann G. B. Shaw.

 

Das Testament

(The Will)
Stück in einem Akt
Deutsch von Reinhard Günther
1D, 6H

Das junge naiv-glückliche Ehrepaar Philip und Emily Ross suchen die Anwaltskanzlei von Mr. Devizes und seinem Sohn Robert auf, um ein Testament anzufertigen. Philip Ross will sicherstellen, dass es seiner Frau gut geht, wenn er sterben sollte. Emiliy wühlt allein der Gedanke an den Tod ihres Mannes so auf, dass sie die Situation kaum erträgt. Jahre später kommen die beiden wieder in die Kanzlei, um das Testament zu erneuern. Doch die Situation hat sich verändert. Philip Ross wurde immer erfolgreicher und verdiente immer mehr Geld und die verliebte Einigkeit zwischen ihm und Emily scheint geschwunden zu sein – auf einmal gibt es Streitigkeiten um die Erbverteilung. In der dritten Szene kommt wiederum Jahre später Philip Ross allein in die Kanzlei – seine Frau ist an Krebs verstorben. Unglücklich und mit jeder Menge Geld, weiß er gar nicht so recht, wo er das alles unterbringen soll: Seine Frau ist tot und mit den Kindern gibt es Streitigkeiten. Vom naiven Großmut der ersten Szene ist nichts mehr zu spüren ...

Barries Einakter über finanzielle Gewinne und menschliche Verluste zeigt, dass erstere zweitere in keiner Weise aufwiegen können. Durch die dramaturgisch geschickt eingesetzten Zeitsprünge erzählt Das Testament konzise und facettenreich nicht nur vom Lebensschicksal des Klienten Ross, sondern auch von dem des älter werdenden Anwalts Devizes, seinem Sekretär Surtees und einer jüngeren Generation, die nachrückt.