21.02.2018

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"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

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Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

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Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
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"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
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Bild von Günter NeumannNeumann, Günter

Der am 19. März 1913 in Berlin geborene Komponist, Autor und Kabarettist Günter Neumann begann seine Laufbahn als 16-jähriger am Berliner "Kabarett der Komiker". Wenige Jahre später begleitete er Programme in Werner Fincks "Katakombe" und Valeska Gerts "Kohlkopp" am Klavier, schrieb erste Texte und Chansons.

1933 komponierte er für Trude Hesterbergs "Musenschaukel". Die für Friedrich Hollaenders "Tingel-Tangel" geschriebene Kabarett-Revue "Liebe, Lenz und Tingel-Tangel" wird 1935 von den Nationalsozialisten verboten, das "Tingel-Tangel" geschlossen. 1937 kommt im "Kabarett der Komiker" die Sport-Revue "Gib ihm" mit Werner Finck, Rudolf Platte, Tatjana Sais und Jacques Tati heraus. Während des Krieges leitete Neumann verschiedene "Tourneen" an der Front, später gründete er in Gefangenschaft ein Lagertheater.

Nach dem Krieg gab er bis 1949 die Satire-Zeitschrift "Insulaner" heraus, aus der sich eine Sendereihe für den RIAS entwickelte ("Günter Neumann und seine Insulaner" mit Evergreens wie "Der Insulaner", "Seh´n Se, das ist Berlin"). Daneben trat Neumann im Berliner Kabarett "Ulenspiegel" auf, komponierte und textierte 1947 die Revuen Alles Theater (Regie: Gustaf Gründgens) und Schwarzer Jahrmarkt (Regie: Karl-Heinz Schroth). Ein Jahr später wurde der Schwarze Jahrmarkt unter der Regie von Robert A. Stemmle mit Gert Fröbe als Otto Normalverbraucher verfilmt und kam als "Berliner Ballade" in die Kinos. 1949 entstand die musikalische Groteske Ich war Hitlers Schnurrbart, 1953 das Problemstück Salto Mortale.

Seine künstlerische Vielseitigkeit bewies Günter Neumann auch als Drehbuchautor (Buch und Gesangstexte): "Paradies der Junggesellen" (1939), "Herrliche Zeiten" (1950), "Feuerwerk" (1954), "Das Wirtshaus im Spessart" (1957), "Der Engel, der seine Harfe versetzte" (1958), "Wir Wunderkinder" (1958). 1960 arbeitete er mit Friedrich Hollaender, in dessen Nachfolge als Autor-Komponist er sich immer sah, an dem Filmprojekt "Das Spukschloss im Spessart". 1954 übersetzte Neumann Cole Porters Küss mich, Kätchen! (Kiss Me, Kate) ins Deutsche.

Zum 100. Geburtstag Paul Linckes verfaßte er 1966 das Manuskript für die Sportpalast-Revue "Im Reiche des Lincke". Im gleichen Jahr wurde ihm der renommierte Paul Lincke-Ring verliehen. Am 17. Oktober 1972 starb Neumann im Alter von 59 Jahren in München.

 

Schwarzer Jahrmarkt

Eine Revue der Stunde Null
Buch und Musik von Günter Neumann
Neu eingerichtet von Tatjana Sais und Karl Vibach
5D, 5H
Orchesterbesetzung: Trp, Schl, Git, Kl, Vl, B

In seiner kabarettistischen Revue beschreibt Neumann die Alltagsprobleme nach Kriegsende. Das Leben ist zum Rummel, Bummel- und Schummelplatz geworden, zum schwarzen (Jahr-)Markt, wo jeder nach seiner Fasson glücklich werden will. Die Akteure versuchen sich als Schlangenmenschen in der U-Bahn, als Entfesselungskünstler bei der Steuererklärung, als Gedankenleser bei der Lektüre der Morgenzeitung, als Taschenspieler bei Schwarzmarktgeschäften, als Gedächtniskünstler beim achten Fragebogen und als Hungerkünstler in der dritten Dekade. Vom Krieg Zurückgekommene aber noch nicht Angekommene, alte Militaristen-Kameraden, Ewig-Gestrige und Erfindungsreiche ergänzen das Personal. In der Abnormitätenschau tritt die zersägte Dame Berolina auf, dem Sterntalermädchen regnen Stars & Stripes in Form von Kaffeebüchsen, Peanuts, Nescafé und Trockenmilch in den Rock.

Die neuen Kämpfe werden gegen die Motten, die Steuern, die Ratten, die Absurditäten des Alltags geführt, die Politik des Tages wird im Kasperletheater zur Klamotte, der russische und der amerikanische Kulturoffizier, Major Tolpatschow und Major Gagson, preisen die kulturellen Segnungen, die sie vermitteln. Die Klassiker werden in "Bearbeitungen" gegeben, ganz auf der Höhe der Zeit, versteht sich. Auf dem Rütli schwören die heimgekehrten Schmargendorfer und Wilmersdorfer: "Wir wollen sein ein Volk von Stromabnehmern, zu keiner Stunde unsres Lichts beraubt!" Und die alte Operette denkt sich in Persona der Soubrette Stritzerl: "Vielleicht machts den Menschen a Freud, wenn i so tu, als wär alles beim alten!"

Szenen eines absurden Theaters, das dem Betrachter ziemlich alltäglich vorkommt, beenden den Bilderbogen aus der Stunde Null. Der Kriegsgott Mars wird eingeschläfert. Auf Zehenspitzen verlassen alle den Rummelplatz. Um zehn Uhr wird dicht gemacht. Das Theater aber geht weiter...

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