27.05.5549

Aktuelle Nachrichten

UA: "Brigitte Bordeaux" von Sergej Gößner
Am 26. Mai ist die Uraufführung von Sergej Gößners neuem Stück Brigitte...

ÖEA: "Music Hall" von Jean-Luc Lagarce am Theater in der Josefstadt
Am 26. Mai ist die österreichische Erstaufführung von Music Hall am Theater...

Ausgezeichnet: "In dir schläft ein Tier" von Oliver Schmaering gewinnt den Mülheimer Kinderstückepreis
In dir schläft ein Tier von Oliver Schmaering ist mit dem Kinderstückepreis...

Nominierung Österreichischer Musiktheaterpreis 2018
Wir freuen uns mit dem Landestheater Linz und besonders auch mit unseren...

Jubiläum: Burt Bacharach wird 90!
Burt Bacharach wird am 12. Mai 90 Jahre alt. Er gehört bis heute zu den...

Neu bei FBE: "Der Freischütz" von Carsten Golbeck
Der Dreißigjährige Krieg geht dem Ende entgegen. Das Land ist zerstört. In...

Rückblick: Die DSE von Arne Lygres "Schatten eines Jungen" am DT Göttingen
Das Deutsche Theater Göttingen zeigte am 6. April die deutschsprachige...

Rückblick: UA von Philipp Löhles "Die Mitwisser" am Düsseldorfer Schauspielhaus
"Der Mensch als Idiot des digitalen Zeitalters" (WAZ) – Uraufführung von...

ÖEA: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Volkstheater Wien
Lazarus, David Bowies letzter musikalischer Gruß, feiert am 9. Mai...

Heidelberger Stückemarkt 2018 mit Esther Becker und Sergej Gößner
Auf dem diesjährigen Heidelberger Stückemarkt war Esther Becker...

DSE: "Die Rechnung" von Clément Michel am Kleinen Theater am Südwestkorso
Das Kleine Theater am Südwestkorso in Berlin zeigt am 31. Mai die...

Neu bei DESCH: "Der Sittich" von Audrey Schebat
SIE und ER warten auf Freunde für ein gemeinsames Abendessen. Das Telefon...

Wieder bei FBE: "Hair", "La Cage aux folles" u. a.
Mit La Cage Aux Folles, Hair, Hello, Dolly! und Der kleine Horrorladen sind...


Archiv

Aktuelle Stücke
Aktuelle Premieren
Aktuelle Premierenberichte
Bild von Walter KolloKollo, Walter

Walter Kollo wurde am 28. Januar 1878 in Neidenburg (Ostpreußen) geboren und sollte ursprünglich Kaufmann werden. Mit Unterstützung mütterlicherseits durfte er aber in Sondershausen und Königsberg Musik studieren. 1910 kam er nach ersten Kapellmeisterjahren in Stettin nach Berlin, wo der junge Komponist seine wahre Heimat fand. Aus bescheidenen Anfängen kleiner Gelegenheitskompositionen entwickelte er sich zum populären Meister des Berliner Volkstons und wurde neben Paul Lincke, Victor Hollaender, Jean Gilbert und Rudolf Nelson berühmtester Musiker Berlins, dessen Musik Sentimentalität, ungekünstelte Einfachheit und schmissige Lebenslust in unvergleichlicher Weise verbindet.

Sein erster wichtiger Textdichter war Hermann Frey, ein Berliner Original. Zusammen schrieben sie Evergreens wie "Immer an der Wand lang", "Max, du hast das Schieben raus" oder "Nach meene Beene is ja janz Berlin verrückt". Natürlich wandte sich Kollo nach seinen ersten Erfolgen dem Theater zu. Eine große Zahl Operetten, Possen und Revuen zeugt von Kollos unerschöpflichen Produktivität. 1910 pachteten Carl Meinhard und Rudolf Bernauer das "Berliner Theater" in der Charlottenstraße. Sie beabsichtigten, die alte Berliner Posse (Kalisch, Glasbrenner u.a.) wieder aufleben zu lassen, die sich sehr viel frecher als die sentimentale, verfeinerte Wiener Operette zeigte. Als Komponist verpflichteten sie Walter Kollo, der soeben durch seine volkstümlichen Schlager "Komm hilf mir mal die Rolle drehn" und "Es sang der kleine Finkenhain" populär geworden wurde. Die erste Novität hieß "Große Rosinen" und traf ins Schwarze. "Pauline geht tanzen" und "Mädel jung gefreit" breiteten sich wie Strohfeuer aus. Es folgten Filmzauber, eine Parodie auf den Stummfilm, mit Lisa Weise und Oskar Sabo. "Untern Linden, Untern Linden" und "Kind, ich schlafe so schlecht" blieben bis heute populär. 1913 erreicht die Aufführungswelle ihren Höhepunkt mit Wie einst im Mai.

Obwohl Kollos kompositorische Meisterschaft bewiesen war und er nicht wie viele seiner Komponistenkollegen emigrieren musste, nahm seine Popularität wie sein wirtschaftlicher Erfolg ab, wofür nicht zuletzt das Nazi-Regime verantwortlich war. Goebbels bezeichnet seine Musik als "Asphaltmusik". Komponierte Kollo früher eine neue Operette in wenigen Wochen, benötigt er jetzt Jahre und ebenso lange, sie unterzubringen. Ein Angebot Ernst Lubitschs, nach Hollywood zu kommen, lehnt er ab. Ein Leben außerhalb Berlins kann er sich nicht vorstellen. Mehr und mehr vereinsamt stirbt er am 30. September 1940 in Berlin mit einer Schuldenlast von 400 000 Reichsmark.

 

Der selige Balduin

(Die heimliche Ehe)
Ein Familienspiel in 3 Akten
von Erich Urban und Willi Wolff
Gesangstexte von Willi Wolff
Musik von Walter Kollo
7D, 7H, 5 Chor-Soli
Orchesterbesetzung: auf Anfrage
UA: 31.03.1916, Montis Operetten-Theater Berlin

Bei Hermann Hildebrandt tagt der Familienrat. Anlass ist der letzte Wille des verstorbenen Familienoberhauptes Balduin Hildebrandt: Der älteste Junggeselle der Familie soll die Nachfolge und das Erbe Balduins antreten. Hans Rolf, der unverheiratete Neffe, erfüllt zwar die im Testament genannten Voraussetzungen, ist dem Familienrat aber nicht recht. Selbstbewusst und unabhängig steht er seinen Verwandten kritisch, sogar respektlos gegenüber. Zunächst versucht die "liebe Verwandtschaft", Hans Rolf für nicht zurechnungsfähig zu erklären, womit man vor Gericht scheitert. So versucht man den Junggesellen unter die Haube zu bringen, am besten mit Cousine Lilly. Die recht eigensinnige und rebellische junge Dame, das zweite "schwarze Schaf" der Familie, lässt sich schon aus Prinzip nicht in die Pläne einspannen, zumal Hans Rolf sie auch noch wie ein unmündiges Kind behandelt.

Da spielt der Zufall der Verwandtschaft in die Hände: Es wird bekannt, dass Hans Rolf noch eine zweite Wohnung angemietet hat, in der sich die Tänzerin Dolores mit einem Baby aufhält. Man bringt in Erfahrung, dass Mutter und Kind regelmäßig von Hans Rolf besucht werden und ist über das Doppelleben des Familienoberhauptes empört. Auch Lilly ist gekränkt, denn Hans Rolf ist ihr doch nicht so unsympathisch. Alles entpuppt sich als harmloser Freundschaftsdienst, denn Hans Rolf hat seinem im Ausland weilenden Freund Rudi versprochen, sich um dessen Frau und Kind zu kümmern. Schließlich erliegt Hermann Hildebrandt dem Charme von Dolores und wird ertappt. Lilly und Hans Rolf sind sich einig, Hermann vors Familiengericht zu zitieren. Doch dann haben beiden Erbarmen mit dem Onkel. Lilly und Hans Rolf geben ihre Verlobung bekannt, und Hermann ist endlich das Familienoberhaupt der Hildebrandts.
"Die heimliche Ehe" enthält reichlich Situationskomik, viele ergiebige Rollen und verspricht zusammen mit den frechen Liedtexten und schwungvollen Musiknummern einen unterhaltsamen Abend.

Die Aufführungsrechte für dieses Werk vertritt Felix Bloch Erben im Auftrag der Edition Meisel GmbH, Berlin.