10.09.2010
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![]() | Hauptmann, Gerhart |
1862 in Schlesien geboren zählt Gerhart Hauptmann zu den bedeutendsten
Vertretern des Naturalismus. Sein umfangreiches Schaffen ausschließlich
darauf zu beziehen, wäre indessen den Intentionen des Autors ebenso
wenig gerecht wie der stilistischen Vielfalt seiner Dramen. Die
Verbundenheit mit seiner schlesischen Heimat und die in seiner Jugend
erfahrene wirtschaftliche Not bestimmen immer wieder seine Themen,
Motive und Charaktere.
Nachdem er mit 16 Jahren die Realschule verlassen hat, beschäftigt
er sich mit vielen unterschiedlichen Studien, ohne sich für die eine
oder andere Richtung entscheiden zu können.
Die Heirat mit einer Großkaufmannstochter enthebt ihn materieller
Sorgen und sichert die Existenz eines freien Schriftstellers. 1889
führt die Uraufführung des sozialen Dramas Vor Sonnenaufgang am Berliner Lessing-Theater zu einem handfesten Theaterskandal.
Seine Schaffenskraft leidet darunter nicht. Im Gegenteil: 1893 werden die Dramen Die Weber, Der Biberpelz und Hanneles Himmelfahrt
innerhalb von zehn Monaten an drei Berliner Bühnen uraufgeführt. Bald
zählt der "Revolutionär" zu den Etablierten, wird als Volksdichter
gefeiert und erhält 1912 den Literatur-Nobelpreis, während ihm im
Kaiserreich von "Allerhöchster Stelle" der Schiller-Preis verweigert
wurde.
Die Weimarer Republik hingegen feiert in Hauptmann den
repräsentativen, weltoffenen Patrioten. Die Nationalsozialisten
missbrauchen Namen und Werk zu Propagandazwecken. Hauptmann bleibt in
Deutschland, wendet sich aber in der Auseinandersetzung mit der
griechischen Mythologie neuen Stoffen zu. In hohem Alter stirbt er am
6. Juni 1946 in Agnetendorf im Riesengebirge, kurz nachdem er von den
russischen Besatzungsbehörden aufgefordert worden war, sein Haus und
seine Heimat zu verlassen.
Gerhart Hauptmanns Werk ist noch nach mehr als hundert Jahren auf den
Theatern lebendig geblieben, und seine Figuren sind so lebendig wie
ehedem. Es sind Überlebenskämpfer in einer sich überschlagenden Zeit,
Menschen, die ihre Ängste und Hoffnungen, ihre Überforderung, ihre
unerfüllten Träume mit sich herumschleppen, die laut die Schuld am
eigenen Missglücken dem Andern aufbürden, die lieber austeilen als
einstecken - Menschen der modernen Zeit eben!
Schauspiel
2D, 5H, Nebendarsteller
UA: 31.10.1903, Deutsches Theater Berlin
Dialektfassungen:
Rose Bernd
Niederdeutsche Bearbeitung
von Konrad Hansen
4D, 7H
Für die Aufführungsrechte wenden Sie sich bitte an die Vertriebsstelle in Norderstedt
http://www.vvb.de
Rose Bernd
Niederdeutsche Bearbeitung
von Berni Kerb
4D, 7H
Für die Aufführungsrechte wenden Sie sich bitte an die Vertriebsstelle in Norderstedt
http://www.vvb.de
Die Bauerntochter Rose Bernd ist ein hübsches, frisches Mädchen, das
bei vielen Männern des Dorfes Begehrlichkeiten weckt. Schwach geworden
ist sie bisher nur bei einem, dem vitalen Gutsbesitzer Christoph Flamm,
mit dem sie ein heimliches Verhältnis hat. Flamm ist verheiratet mit
einer älteren Frau, die wegen einer chronischen Krankheit seit Jahren
im Rollstuhl sitzt, Rose hat einen Bräutigam, den frommen, etwas
schwächlichen Buchbinder August Keil, den sie wegen Flamm schon zwei
Jahre auf ihr endgültiges Jawort warten lässt. Der Maschinist
Streckmann, ein eitler Wichtigtuer, belauscht eines Tages zufällig ein
Treffen zwischen Rose und Flamm. Daraufhin erpresst er Rose, ihm auch
zu Willen zu sein, andernfalls würde er Vater und Bräutigam ihr
Geheimnis verraten. Rose ist tief gedemütigt und weist ihn ab. Als ihr
klar wird, dass sie ein Kind von Flamm erwartet, willigt sie in ihrer
Angst überstürzt in die Heirat mit August ein. Streckmann lässt sich
nicht abschütteln und bedrängt Rose weiterhin. August, der sie
verteidigen will, lässt sich auf eine Schlägerei mit Streckmann ein,
bei der er ein Auge verliert. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, zu
der auch Flamm als Zeuge geladen ist. Aus Angst und Scham wagt Rose
nicht zu sagen, was wirklich geschehen ist. Sie bringt allein ihr Kind
zur Welt und tötet es nach der Geburt. August, der von ihrem Schicksal
erschüttert ist, hält trotz allem zu ihr.
Der Ausgangspunkt für das Schauspiel Rose Bernd war ein Prozess
im Frühjahr 1903, zu dem Hauptmann selbst als Geschworener berufen
wurde. Eine 25-jährige Kellnerin und Landarbeiterin war wegen
Kindesmord und Meineid angeklagt. Hauptmann stimmte für Freispruch, das
Mädchen wurde aber in zweiter Instanz verurteilt. Schon während des
Prozesses begann Hauptmann an dem Stück zu arbeiten, das am 31. Oktober
desselben Jahres aufgeführt wurde.
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