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Roth, Joseph

Joseph Roth war als Journalist u.a. in Berlin und Wien tätig. Als Korrespondent arbeitete er für die "Frankfurter Zeitung" alle und bereiste alle europäischen Großstädte. In zahlreichen Artikeln beschreibt Roth den politischen, sozialen und kulturellen Alltag in einer Zeit zwischen den Weltkriegen. Seit 1933 emigrierte Roth schrittweise über Wien nach Marseille, Nizza und schließlich Paris. Die Schrecken, die das Naziregime über Europa bringen sollten, erkannte er schon früh. Ein Beispiel bildet der Roman "Das Spinnennetz" von 1923, der den unaufhaltbaren Aufstieg der Nationalsozialisten in den 1920er Jahren in Deutschland beschreibt. Obwohl Roth im französischen Exil finanzielle Nöte plagten, schrieb er Erzählungen, wie den "Der Radetzkymarsch", eine Abgesang auf die k.u.k.-Monarchie oder seinen bekannten Roman "Hiob" (1930) über den Juden Mendel Singer, der nach Amerika auswandert. 1939 starb Joseph Roth im Pariser Exil an den Folgen seiner Alkoholsucht.

 

Legende vom heiligen Trinker

Einakter nach einer Erzählung von Joseph Roth
in der Bearbeitung von Jürgen Hofmann
3D, 4H
frei zur UA

Andreas, der Held der Geschichte, lebt unter den Brücken von Paris und begegnet in einer Frühlingsnacht des Jahres 1934 einem älteren, fremden Herrn, der ihm 200 Francs schenkt. Andreas möchte das Geld nicht einfach so, ohne jede Gegenleistung annehmen und fragt, was er dafür tun könne. Der Mann knüpft an sein Geschenk die Forderung, er solle das Geld bei der Statue der heiligen Therese von Lisieux in der Kapelle Ste-Marie des Batignolles hinterlegen. Der Geldsegen ist der Beginn einer Reihe von Wundern. Sein Plan, das Geld sicher in die Kapelle zu bringen, wird immer wieder durchkreuzt. Er trifft seine frühere Geliebte wieder, begegnet einer Tänzerin und schenkt ihr Geld, vertrinkt einen Teil des Geldes, leiht es seinem Saufkumpanen Woitech. Doch er hat Glück und wie durch ein Wunder ist seine Börse immer wieder gefüllt: Der reiche Herr beschäftigt und entlohnt ihn, ein Jugendfreund schenkt ihm Geld, ein Polizist trägt ihm eine fremde Geldbörse mit 1000 Francs nach. Andreas versucht, sein Versprechen zu halten, doch am Ende fällt er in das Bistro gegenüber der Kapelle ein, versäuft das letzte Geld mit Woitech, bricht zusammen und stirbt in der Kapelle, wo man ihn hinbringt, in den Armen eines fremden Mädchens, das er für die heilige Therese hält.

In einer Rede im Jahr 1989 bewundert Reich-Ranicki zutiefst die "vollkommene, vollendete Prosa". Denn von dieser Sprache gehe "vollkommene Ruhe, ja Abgeklärtheit aus". Joseph Roth beendet die Erzählung wenige Wochen vor seinem Tod. Die Fabel vom Trinker, der am Rande einer Gesellschaft lebt, gehört zu den Figuren, die Roth gerne in seinen Werken beschreibt. Die Legende vom heiligen Trinker gilt als exemplarisch für seine autofiktive Erzählhaltung.

Legende vom heiligen Trinker kann zusammen mit dem dem Einakter Der Hethiterschädel nach einer Erzählung von Lion Feuchtwanger aufgeführt werden.