21.02.2018

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Wiederentdeckt: "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder
Nahe einer schwer passierbaren Landesgrenze im Hochgebirge treffen drei...

Neu bei FBE: "Das Mädchen Wadjda" von Haifaa Al Mansour
Riad, Saudi-Arabien: Die zehnjährige Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher...

DSE: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 3. Februar ist die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Lazarus...

"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

Neu bei FBE: "Das Molekül" von William W. Murta
Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

Neu bei FBE: "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer
19. Jahrhundert, Zeit des polnischen Aufstandes gegen die russische...

Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
Wenn sich die High Society amüsiert und Hochzeit feiert, ist auch die...

Neu bei FBE: "Rabbit Hole" von David Lindsay-Abaire
Becca und Howie Corbett sind mit ihrem vierjährigen Sohn Danny eine...

"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
Die Kritik an einem hinter dem Individualismus versteckten Zwang zu...


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Bild von Herbert MeierMeier, Herbert

Herbert Meier wurde am 29. August 1928 in Solothurn geboren. Schon während seiner Schulzeit begann er, Gedichte und kleine Stücke zu verfassen. Er studierte Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte in Basel, Wien, Paris und Fribourg und schloss sein Studium mit einer Dissertation über die Dramen Ernst Barlachs ab. Danach absolvierte er eine Ausbildung als Schauspieler bei Ernst Ginsberg. Er arbeitete als Lektor in Paris und Poitiers und war als Dramaturg und Schauspieler am Städtebundtheater Biel/Solothurn tätig. Von 1977 bis 1982 war er Chefdramaturg des Schauspielhauses in Zürich. An den Universitäten St. Gallen und Zürich hielt er Vorlesungen über Dramaturgie und wurde 1986 als "Writer in residence" an die University of Southern California in Los Angeles berufen. Von 1994 bis 1998 moderierte er die Sendung "Sternstunde Philosophie" im Schweizer Fernsehen. Seit 1955 lebt er als freier Schriftsteller und Übersetzer in Zürich.

Meier ist ein Virtuose der Sprache. Seine Wortwahl ist stets knapp, präzise, niemals redundant, und dennoch von enormer Vielschichtigkeit. Er hält spielerisch die Balance zwischen einer poetischen, geprägten Sprache und dem gesprochenen, "heutigen" Wort. Seine Figuren lässt er zuweilen eigene Worte erfinden, die tiefe Einsicht in das menschliche Gefühlsleben verraten. Häufig dienen ihm historische Stoffe und Personen als Vorlage, bei denen es ihm aber niemals um die historisch getreue Darstellung geht. Sie werden quasi losgelöst von Zeit und Raum auf das Parabelhafte, Exemplarische ihrer Existenz verdichtet. Die Hauptpersonen seines dramatischen Werks sind Suchende, getrieben von ihrer Sehnsucht nach erfülltem Leben, maßlos in ihrer Forderung nach dem Absoluten: nach der bedingungslosen Liebe, nach der Freiheit zur Selbstbestimmung. Hinter all dem wird ein tief verwurzelter Humanismus spürbar, der diesen Suchenden, Verzweifelten selbst noch in ihrem Scheitern recht gibt.

Die reiche Theatererfahrung Meiers und seine dramatische Intuition machen ihn auch zu einem gefragten Übersetzer moderner wie klassischer Stücke der Weltliteratur. Gemeinsam mit seiner Frau, der Romanistin Yvonne Meier-Haas, hat er Werke von William Shakespeare, Ben Jonson, Euripides, Molière, Carlo Goldoni, Racine, Pirandello, Paul Claudel, Jean Giraudoux, Jacques Audiberti, Georges Schéhadé und Federico García Lorca übersetzt. In jüngster Zeit hat seine Neuübersetzung von Paul Claudels Der seidene Schuh oder Das Schlimmste trifft nicht immer zu, die ihre Erstaufführung im März 2003 am Basler Theater erlebte und nachfolgend im Rahmen der Ruhrtriennale in Duisburg inszeniert wurde, für großes Aufsehen gesorgt.

Herbert Meier erhielt u.a. 1955 den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen, 1957 den Kunstpreis des Lions Club Basel, den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1964), den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis (1964), den Welti-Preis für das Drama (1970), den Solothurner Kunstpreis (1975), den Förderpreis der Gottfried-Keller-Stiftung (1976) und den Schillerpreis der Zürcher Kantonalbank (1997).

Weitere Informationen zu neuen Übersetzungen von Herbert Meier finden Sie in unserem Special: "Jedes Wort begriffen und durchdacht": Herbert Meier, Übersetzer

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Meier, Herbert

Herbert Meier
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Stauffer-Bern

Ein Stück
3D, 10H, Nebendarsteller
UA: 16.11.1974, Schauspielhaus Zürich

Der Maler Karl Stauffer-Bern ist als Porträtist in Berlin höchst erfolgreich und erhält einen Kunstpreis. Er fühlt sich aber längst angeekelt von den Prinzen, Senatoren und feinen Damen, die von ihm verewigt werden wollen und sehnt sich nach einem Neuanfang. Sein alter Schulkamerad Dr. Welti lädt Stauffer zu sich nach Zürich ein, wo er seine Frau, Lydia Welti-Escher, malen soll. Sie ist sofort eingenommen von ihm und finanziert ihm einen Studienaufenthalt in Rom, wo er sich zum Bildhauer weiterbilden will. In Rom besucht ihn Bundesrat Welti, der Vater seines Schulfreundes. Als Stauffer ablehnt, Welti zu porträtieren, hat er sich einen Feind geschaffen. Der Geldstrom aus Zürich versiegt.

Lydia fühlt sich inzwischen in Zürich immer unglücklicher und beengter. Sie überredet ihren Mann, Stauffer zurückzuholen. Wegen ihrer Nervenschwäche wird ihr vom Arzt ein Ortswechsel verordnet, und sie zieht mit Stauffer und ihrem Mann nach Florenz. Stauffer plant in großer Euphorie und einem Anflug von Größenwahn, einen Tempel zu bauen. Er beginnt eine Affäre mit Lydia, und die beiden fliehen heimlich nach Rom. Bundesrat Welti verspricht seinem gedemütigten Sohn, das Paar zu "separieren": Stauffer wird verhaftet, während Lydia für geisteskrank erklärt und in eine Heilanstalt eingeliefert wird. Dr. Welti lässt sich von ihr scheiden. Nachdem Stauffer auch in einem Kloster keine Aufnahme gefunden hat, vergiftet er sich mit Chloral. Lydia gründet mit ihrem verbliebenen Vermögen eine Kunststiftung und tötet sich mit Leuchtgas.

Stauffer-Bern war bereits bei seiner Uraufführung ein großer Publikumserfolg. Hier zeigt sich in besonders gelungener Weise Meiers virtuoser Umgang mit historischen Figuren und Geschichten, die er zu einer Parabel der Unterdrückung des Individuums durch eine bestimmte führende Schicht einer Gesellschaft macht.

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