27.05.6050

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Bild von Jaime SalomSalom, Jaime

Jaime Salom, in Barcelona geboren, studierte Medizin und wurde Augenarzt. Diesen Beruf übte er neben seiner Beschäftigung mit der Literatur bis 1990 aus, um sich dann voll und ganz dem Theater zu widmen. Bis 1995 war Salom Mitglied im Theaterrat des Kulturministeriums. Er war Berater ad honorem bei der Sociedad General de Autores, Präsident der Vereinigung "Médicos Escritos Españoles" und außerdem Mitglied der "Real Academia de Medicina" von Asturias y Leon. Seine Stücke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und dienten als Vorlage für Verfilmungen.

Sein Stück Les Demoiselles d'Avignon erhielt den Premio de la Crítica de Madrid als bestes Theaterstück des Jahres 2001 und wird erfolgreich in Spanien und Paris aufgeführt.

Jaime Salom starb am 25. Januar 2013.

 

Les Demoiselles d'Avignon

(Las Señoritas de Aviñon)
Deutsch von Stefanie Gerhold
6D, 1H
DSE: 02.03.2007, Theater & Philharmonie Thüringen, Bühnen der Stadt Gera Gera

1908. In einem Café an den Ramblas von Barcelona sitzt Schokolade schlürfend eine Gruppe von Damen beim Plausch. Es sind oder vielmehr waren Prostituierte – das Personal eines Bordells, das nach dem Selbstmord einer Kollegin vor etlichen Jahren geschlossen wurde. Einberufen wurde dieses Ehemaligen-Treffen von Sofia, der Tochter der damaligen Puffmutter, Madame Hortense. Anlass des Wiedersehens ist eine französische Zeitschrift, in der sie auf das Gemälde eines Künstlers gestoßen ist: "Les Demoiselles d’Avignon". Der inzwischen berühmt gewordene Pablo Picasso war seinerzeit kein Kostverächter und ein regelmäßiger Besucher des Bordells, bevor er Ende des 19. Jahrhunderts nach Paris ging. Die Damen erkennen sich wieder in dem Bild und nehmen dies als Anlass zur Rückblende.

Die folgenden Szenen führen uns zurück in das Jahr 1899, mitten hinein in den liebevoll und detailgetreu geschilderten Alltag eines Bordells der bescheideneren Sorte, das von Madame Hortense mit Geschäftstüchtigkeit und rauer Herzlichkeit gegenüber den Mädchen geleitet wird. In einer Reihe kleiner Episoden lernt man die Lebensgeschichten der "Demoiselles" kennen: Da ist Antonia, mit 35 die älteste der Frauen, mit deutlich lesbischen Neigungen. Sie ist in Pepita, die jüngste und naivste von ihnen, vernarrt, muss aber nebenher noch für ihre kleine Tochter sorgen. Da ist Pilar, 28 und verbittert; sie ist ihren Beruf leid, ebenso wie die Männer, die sie verabscheut. Ihre einzige Zuflucht sind die Karten und der Alkohol. Rosita, Pepitas ältere Schwester, schön und stolz, ist das Mädchen, in das Picasso sich verliebt. Und dann ist da Sofia, die für die Mädchen flickt und näht und wäscht, von den Kunden aber ferngehalten wird und sich in Hassliebe zu ihrer Mutter übt. In dieses Milieu platzt Pablo Picasso, ein junger Maler, ungestüm und leidenschaftlich. Seine Muse Rosita verhilft ihm mit ihrer Schmuckschatulle zu einem Start in Paris, bleibt aber selbst in Barcelona zurück. Picasso ist aber nicht nur ein Genie, er ist auch ein betrügerischer Bonvivant: Er wird sie schnell vergessen.

Das Schicksal der Damen aus der Avignonstraße ist kaum mehr als eine Fußnote der Kunstgeschichte, aber eingebettet in den Charme der erzählten Geschichten, die Lebendigkeit und Leichtigkeit der Szenen, die liebevoll ausgearbeiteten Charaktere, die witzigen, mitunter sehr direkten Dialoge, ergibt sich ein einzigartiges Sittenbild. Vor dem Hintergrund eines Spanien in Aufruhr, von Attentaten und Gewalt erschüttert, entsteht ein Kunstwerk, das nicht nur Spiegel des menschlichen Lebens ist, sondern zugleich eine Gesellschaft beim Aufbruch in die Moderne versinnbildlicht.

Les Demoiselles d’Avignon erhielt den "Premio de la Crítica de Madrid" als bestes Theaterstück des Jahres 2001 und wird erfolgreich in Spanien und Paris aufgeführt.

Hinweis: Für dieses Werk können an Amateurtheater leider keine Aufführungsrechte vergeben werden.

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