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Die Nacht des Thermometers

(La nuit du thermomètre)
von Diastème

Deutsch von Frank Lorenz Engel
1D, 1H

UA: 07.12.2001, Centre dramatique national, Nice-Cote d'Azur
frei zur DSE

Es ist heiß, zu heiß. Die Schwüle der Nacht klebt an Lucies Haut und ihren Gedanken, die Zwölfjährige verliert sich in Träumereien. Doch die Realität bricht über sie herein: Sie entdeckt ihre sonst so unfehlbare Mutter leblos auf dem Sofa, bewusstlos durch Alkoholeinfluss. Die Welt gerät aus den Fugen, die tapfere Tochter versucht die Situation zu begreifen und ruft ihren besten Freund Simon zu Hilfe. Er ist ein sensibler, merkwürdiger Junge voller Aggressionen, dessen kindliche Naivität bereits durch sein krankes, reiches Elternhaus zerstört ist. Auch Lucie ist schon vom Leben gezeichnet, ist doch ihr geliebter Vater bei einem Autorennen in den Dünen in den Tod gerast. Doch in dieser Nacht, in der Merkur mit den Nerven der Schlaflosen spielt, erreichen die beiden Kinder eine andere Dimension, ein anderes Alter; das dramatische Ereignis wird zum unvergesslichen Augenblick einer ersten Liebe.

Im Stil der Monologe von Allan Bennet oder Frank Wedekinds "Frühlingserwachen" begegnet Diastème mit Feingefühl und Humor der Welt des Theaters und liefert mit Die Nacht des Thermometers einen Text, der gleichzeitig komisch und tragisch, sanft und grausam ist. Neben Zynismus existieren hier noch so altmodische Werte wie Gerechtigkeit, Zusammenhalt und Liebe, doch es gibt auch Unsicherheit, Angst – und gerade da kommt die Komik ins Spiel. Ein Stück über zwei Kinder, die in einer Art Monolog über Themen sprechen wie Tod, Alkohol, Einsamkeit, Kino, Eltern, Religion, Sexualität, Absurdität des Seins und Toleranz.

Diastème hat Die Nacht des Thermometers für Emma de Caunes und Frederic Andrau geschrieben, mit denen er auch schon den Kurzfilm "Même pas mal" realisierte.
Die Nacht des Thermometers ist sein erster Text für die Bühne. Bei der Uraufführung am Centre Dramatique National de Nice führte er auch erstmals Regie.