23.01.2018

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Neu bei FBE: "Kuno kann alles" von Henry Mason
Kuno ist ein Draufgänger, ein Energiebündel und Alleskönner: hundert Kugeln...

Premiere: "Schöne neue Welt" am Altonaer Theater
Robert Koalls Bühnenfassung von Schöne neue Welt nach dem Roman von Aldous...

DSE: "Das Mädchen von weither" von Emma Broström an der Neuen Bühne Senftenberg
Am 19. Januar bringt die Neue Bühne Senftenberg Emma Broströms Stück Das...

Zum Wiederentdecken: "Bach. Das Leben eines Musikers." von Thomas Sutter
Bach. Das Leben eines Musikers. ist eine szenische Biographie und ein...

Premiere: "Mädchen wie die" am Jungen Schauspiel Hannover
Evan Placeys vielfach ausgezeichnetes Coming-of-Age-Stück Mädchen wie die...

Neu bei FBE: "Frau Luna" von Paul Lincke in der Fassung der Bar jeder Vernunft, Berlin
Einmal Mond und zurück, bitte! Nach Im weißen Rössl präsentiert die "Bar...

Neu bei FBE: "Der Vogel Anderswo" von Stephan Wolf-Schönburg
In Damaskus lebt der kleine Nunu. Sein bester Freund ist ein kleiner Vogel....

Premiere: "Hier kommt keiner durch!" an den Wuppertaler Bühnen
In der Regie von Markus Höller zeigen die Wuppertaler Bühnen ab dem 27....

Aktuelles: "Alles Schwindel" von Mischa Spoliansky und Marcellus Schiffer am Maxim Gorki Theater, Berlin
Am 17.12.2017 hatte Alles Schwindel von Mischa Spoliansky und Marcellus...

Aktuelles: "Die Regeln des Sommers" in der Regie von Hannah Biedermann am Jungen Nationaltheater Mannheim
Am 10. Dezember brachte die FAUST-Preisträgerin Hannah Biedermann ihre...

Aktuelles: "Alice" von Tom Waits und Robert Wilson am Metropoltheater München
Am 23.11.2017 hatte Alice von Tom Waits und Robert Wilson am Metropoltheater...


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Bild von Christian LollikeLollike, Christian
Foto: Anders Heinrichsen 

Christian Lollike, Jahrgang 1973, arbeitete als Regieassistent von Miguel Rubio am Yayachakani Theater in Lima, Peru, und ist Gründungsmitglied von "The Sheriff", einer Gruppe, die dem vorhersehbaren Theater den Kampf angesagt hat. 2001 schloss er sein Studium des Szenischen Schreibens am Theater Aarhus ab. Lollike schreibt Hörspiele, Drehbücher und mehrere Theaterstücke, die er zum Teil selbst inszeniert.

Sein erstes abendfüllendes Theaterstück Verzeihung, ihr Alten, wo finde ich Zeit, Liebe und ansteckenden Irrsinn? wurde 2003 am Stadttheater Boras, Schweden, uraufgeführt. 2004 folgte die Uraufführung seines Stückes Sexy Sally (Dom over skrig) am Katapult-Theater in Aarhus (Dänemark).

In Deutschland wurden mehrere seiner Stücke uraufgeführt, u.a. 2005 "Dogville" nach Lars von Trier am Staatstheater Stuttgart, Nathan (ohne Titel) am Schauspiel Leipzig und 2008 Cosmic Fear oder Der Tag, an dem Brad Pitt Paranoia bekam am Maxim Gorki Theater, Berlin.

Von 2005 bis 2010 arbeitete Lollike als Hausautor und Regisseur am Theater Aarhus. Seit 2010 ist er Künstlerischer Leiter des CaféTeatret in Kopenhagen, das sich jüngst in Sort / Hvid umbenannte.

Christian Lollike wurde mehrfach ausgezeichnet: 2005 erhielt er den Preis der dänischen Theaterzeitschrift Teater1. Die dänische Hörspielproduktion seines Stücks Das Wunderwerk oder The RE-Mohammed-TY Show bekam 2006 den Prix Europa als bestes Hörspiel(Denmarks Radio; Regie: Daniel Wedel). Im Mai 2013 wurden Christian Lollike und CaféTeatret gleich in drei Kategorien bei der dänischen Reumert-Verleihung ausgezeichnet: Dramatiker des Jahres für Der fremde Blick oder Der Schacht, „Cookies Factory“ und „Manifesto 2083“. Der fremde Blick oder Der Schacht wurde zudem als bestes Theaterstück prämiert. „Manifesto 2083“, das sich mit dem Massenmörder Anders Breivik auseinandersetzt, erhielt den Spezialpreis der Jury. Es wurde außerdem zum Festival „Neue Stücke aus Europa“ eingeladen.


Weitere Informationen zu Christian Lollike

 

Zeit, Liebe und ansteckender Irrsinn

(Undskyld, gamle, hvor finder jeg tiden, kærligheden og den galskab der smitter...?)
Ein Pflegeheimdrama
Deutsch von Gabriele Haefs
3D, 5H
UA: 20.09.2003, Älvsborgsteatern Boras
DSE: 14.12.2005, Inkunst e.V. München

Im Mittelpunkt von Christian Lollikes Theaterstück stehen die Geschehnisse um das Pflegepersonal und die Bewohner des Pflegeheims "Frydendal". Die alten Leute verbringen ihre Zeit in einem Zustand der Nutzlosigkeit. Biermann spuckt Blut und hört Stimmen; Die Sängerin singt mit schriller Stimme Kinderreime; Don Otto ist blind und raucht dicke Havannas; die senile Kleptomanin Vera geht mit ihren 81 Jahren eine Liebesbeziehung mit ihrem 23-jährigen Pfleger Valentin ein. Zum Pflegepersonal zählen auch Bernhard, ein Medizinstudent, und Öh Walter sowie Frau Frauke, die Leiterin des Pflegeheims, die hohe ethische Ansprüche an sich und das Personal stellt, was die Behandlung der Klienten, wie sie die Alten nennt, angeht. Bernhard und Öh Walter kümmert das wenig: Immer wieder drangsalieren und bestehlen sie ihre alten Schützlinge.

Das durch Routine und langweilige Bürokratie geprägte Leben im Heim wird plötzlich gebrochen, als Biermann und Don Otto ein ungewöhnliches Projekt herbeiphantasieren: den Bau eines Aussichtsturms im Garten des Pflegeheims. Frau Frauke ist von den Plänen begeistert, einerseits aus dem Pflichtgefühl heraus, die Wünsche ihrer Klienten zu respektieren, andererseits sieht sie eine Chance, durch ein solch ungewöhnliches Projekt "Frydendal" weltweit bekannt zu machen. Sehr zum Leidwesen von Bernhard und Öh Walter, die an der geplanten Baustelle im Garten die von den Heimbewohnern erbeuteten Gegenstände vergraben haben.

Biermann macht eine Nah-Tod-Erfahrung und nur Bernhards Reanimation bringt ihn zurück ins Leben. Doch Biermann, dem das Abgeschobensein ohnehin gegen den Strich geht, will nun sterben und verlangt von Don Otto, dass der seinen Herzschrittmacher abstellt, während er schläft. Don Otto aber will nicht allein zurückbleiben, sondern mit seinem Freund gemeinsam in den Tod gehen. Im Moment des Sterbens scheinen sie ihr Glück gefunden zu haben.

Währenddessen schmieden Vera und Valentine Pläne für die Zukunft: Nach anfänglichen Bedenken sind sie ein Paar und wollen zusammenziehen. Doch von einem Tag auf den anderen erleidet Vera einen Demenzschub und erinnert sich an nichts mehr. Die Affäre fliegt auf, und Frau Frauke entlässt Valentine. Dieser wird über den Verlust der Liebe verrückt und nimmt sich das Leben.

Geschickt verwebt Christian Lollike die einzelnen Erzählstränge zu einem gleichwohl poetischen und humorvollen wie sarkastischen und schonungslosen Theaterstück, das durch seinen steten Wechsel zwischen ruhigen und philosophischen Passagen und grotesken und surrealistischen Szenen brilliert. Zeit, Liebe und ansteckender Irrsinn ist ein faszinierendes Stück über das Leben und den Tod, über die Liebe und die Einsamkeit, die Vernunft und den Wahnsinn und darüber, dass und wie diese Gegensätze zu Synonymen werden können. Dabei geht es in dem "Pflegeheimdrama" keineswegs pessimistisch und düster zu, im Gegenteil: Es handelt sich vielmehr in weiten Teilen um ein heiteres, charmantes, geradezu beschwingtes Werk, das von einer unerschöpflichen szenischen Phantasie zeugt. Bis zum Schluss gelingt es dem jungen dänischen Autor Christian Lollike, sein Stück in der Schwebe zu halten und gewohntes Denken durcheinander zu bringen. Entstanden ist ein Text voller Poesie, in dem der Autor seinem Personal gerade soviel mitgibt, wie die Phantasie braucht, um reiche Bühnenfiguren daraus zu schaffen – ein höchst originelles Stück eines jungen, talentierten Dramatikers.

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