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Unser Dorf soll schöner werden

von Klaus Chatten

1H

UA: 20.11.1993, Deutsches Theater, Berlin

An einem Samstagabend dringt die Öffentlichkeit in das Wohnzimmer des Pensionärs Hubert Fängewisch; es gilt, den Vater eines Neonazis zu besichtigen.

Hubert verweigert sich und lenkt die Aufmerksamkeit über seine Schweißfüße hin zu der Familie seiner hypochondrischen Ehefrau. Mit Gesang, Gedichten und einer Diashow nimmt er den Kampf um die Freundschaft der unwillkommenen Gäste auf. Als diese ihm die ersehnte Verschmelzung im Volkslied verweigern, kippt die Stimmung.

Zum ersten Mal in seinem Leben spricht er über lang verschüttete Verletzungen. In einem Wechselspiel aus Sentimentalität, Altherrenhumor, wahrem Gefühl, Trotz, Kitsch, Hass und Selbstkasteiung verschleppt er sich selbst und die über ihn zu Gericht sitzende Öffentlichkeit auf eine Achterbahn der Emotionen. Am Ende dieser neunzig Minuten dauernden Lebensbeichte hält Hubert Fängewisch, der vermeintliche Nazi, seine Unschuld in den Händen und fragt die Zuschauer nach einer Antwort.

Auf den ersten Blick sitzt da ein harmlos alter Mann im Fernsehsessel, gönnt sich und seinen Schweißfüßen ein Fichtennadelbad und plaudert über sein beschauliches Leben und natürlich über die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“. Satz für Satz, Bierschluck für Bierschluck entwickelt sich der welke, harmlose Biedermann zu einem dumpfen Rassisten. Ein bitterböser Bilderbogen mit heilsamen Schockelementen.

Theatermagazin Dortmund: „Im Ton zwischen Beckett und Achternbusch ist „Unser Dorf soll schöner werden“ ein Juwel schwarzen Humors. Bitter und traurig, von präzisester Menschenbetrachtung, völlig irr und traumhaft bühnensicher.“

Berliner Morgenpost: „Ein Blick in deutsche Ordnung und ihre Ab- und Hintergründe. Von böser Alltäglichkeit, die schwindlig macht.“

TIP Berlin: „Was als Bericht skurriler Dorfpossen beginnt, wird immer mehr zur grausigen Moritat, als wär´s ein blutiges Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm.“

BZ-Berlin: „Klaus Chattens Stück versucht einen gefährlichen Balanceakt, der hundertprozentig gelingt.“

Stück-Werk: „Solch eine Figur hat die Bühne bisher noch nicht gesehen.“

Ruhrnachrichten: „Knapp, unterhaltsam und sinnreich.“