30.04.2017

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Bild von Klaus ChattenChatten, Klaus

Klaus Chatten wurde 1963 in Lennestadt/Nordrhein-Westfalen geboren. Nach seinem Studium der Romanistik, Germanistik und Sportwissenschaften an der Freien Universität Berlin besuchte er ab dem Jahr 1983 das Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Daraufhin folgte ein Ruf an das Actors und HB Studio in New York, wo er bei den Oscar- und Tony-Award-Gewinnern Mike Nichols, Sandy Dennis und Uta Hagen studierte.

Chatten ging an führende deutsche Schauspielhäuser (Schiller Theater, Maxim Gorki Theater, Deutsches Theater Berlin). Er arbeitete mit dem russischen Regisseur Anatolij Wassiljew und in mehreren Produktionen mit Alexander Lang zusammen. Zwischen 2004 und 2006 war er Ensemblemitglied am Gorki Theater. 2009 wurde er für seine Darstellung der Titelrolle in „Der Menschenfeind“ für den Inthega-Preis nominiert.

Gleichfalls ist Chatten Theaterregisseur, der im Jahr 1991 sein Debüt an der Freien Volksbühne Berlin mit der Produktion „Träume“ gab.

1993 begann er die Arbeit an eigenen dramatischen Texten. Seine zumeist tragikomischen Arbeiten kamen am Deutschen Theater Berlin und am Maxim Gorki Theater heraus und hatten an die sechzig Nachspielungen. Seine bisher bekanntesten Werke sind Unser Dorf soll schöner werden (Englische EA am Royal Exchange Theatre Manchester) und Sugar Dollies (UA am Gate Theatre London).

Er ist Preisträger des Alfred-Döblin-Preises, des Literarischen Colloquiums, des Literaturpreises des Berliner Senats und der Villa Aurora in Los Angeles.

Chatten verfasst Drehbücher für die Kinoleinwand und fürs Fernsehen. Mit seinem Film „Stille Nacht“, der mit den Darstellern Jürgen Vogel, Maria Schrader und Ingrid Caven mit großem Erfolg im Wettbewerb der Berlinale lief, gewann er den Alfred-Bauer-Preis. Am vermutlich bekanntesten ist er für seine Zusammenarbeit mit den Regisseuren Dani Levy und Wolfgang Becker („Good-bye, Lenin“).

Seit 2006 arbeitet Chatten als Schauspiellehrer und ist professioneller Trainer für Kino und Fernsehen. 2014 wurde einer seiner Studentinnen an der American Academy of Dramatic Arts in New York als Studentin für das Fach Schauspiel aufgenommen.

Ab 2008 hat er bis dato fünfzig Theaterstücke aus dem Englischen übertragen. Er ist der deutsche Übersetzer von Noel Coward.

Klaus Chatten wurde sowohl als Schauspieler als auch als Dramatiker mehrfach im Jahrbuch „Theater heute“ ausgezeichnet.

 

Unser Dorf soll schöner werden

1H
UA: 20.11.1993, Deutsches Theater Berlin

An einem Samstagabend dringt die Öffentlichkeit in das Wohnzimmer des Pensionärs Hubert Fängewisch; es gilt, den Vater eines Neonazis zu besichtigen.

Hubert verweigert sich und lenkt die Aufmerksamkeit über seine Schweißfüße hin zu der Familie seiner hypochondrischen Ehefrau. Mit Gesang, Gedichten und einer Diashow nimmt er den Kampf um die Freundschaft der unwillkommenen Gäste auf. Als diese ihm die ersehnte Verschmelzung im Volkslied verweigern, kippt die Stimmung.

Zum ersten Mal in seinem Leben spricht er über lang verschüttete Verletzungen. In einem Wechselspiel aus Sentimentalität, Altherrenhumor, wahrem Gefühl, Trotz, Kitsch, Hass und Selbstkasteiung verschleppt er sich selbst und die über ihn zu Gericht sitzende Öffentlichkeit auf eine Achterbahn der Emotionen. Am Ende dieser neunzig Minuten dauernden Lebensbeichte hält Hubert Fängewisch, der vermeintliche Nazi, seine Unschuld in den Händen und fragt die Zuschauer nach einer Antwort.

Auf den ersten Blick sitzt da ein harmlos alter Mann im Fernsehsessel, gönnt sich und seinen Schweißfüßen ein Fichtennadelbad und plaudert über sein beschauliches Leben und natürlich über die Aktion „Unser Dorf soll schöner werden“. Satz für Satz, Bierschluck für Bierschluck entwickelt sich der welke, harmlose Biedermann zu einem dumpfen Rassisten. Ein bitterböser Bilderbogen mit heilsamen Schockelementen.

Theatermagazin Dortmund: „Im Ton zwischen Beckett und Achternbusch ist „Unser Dorf soll schöner werden“ ein Juwel schwarzen Humors. Bitter und traurig, von präzisester Menschenbetrachtung, völlig irr und traumhaft bühnensicher.“

Berliner Morgenpost: „Ein Blick in deutsche Ordnung und ihre Ab- und Hintergründe. Von böser Alltäglichkeit, die schwindlig macht.“

TIP Berlin: „Was als Bericht skurriler Dorfpossen beginnt, wird immer mehr zur grausigen Moritat, als wär´s ein blutiges Märchen aus der Sammlung der Gebrüder Grimm.“

BZ-Berlin: „Klaus Chattens Stück versucht einen gefährlichen Balanceakt, der hundertprozentig gelingt.“

Stück-Werk: „Solch eine Figur hat die Bühne bisher noch nicht gesehen.“

Ruhrnachrichten: „Knapp, unterhaltsam und sinnreich.“

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