16.10.2018

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"Großes Kino" und "Pointenfeuerwerk" - UA von Axel Ranischs "Nackt über Berlin"
Die Uraufführung von Axel Ranischs Roman Nackt über Berlin war am 16....

Neu bei FBE: "Serverland" von Josefine Rieks
Das Internet ist seit Jahrzehnten abgeschaltet, die Statussymbole von früher...

DSE: "Alles was Sie wollen" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière am Deutschen Theater in Göttingen
Am 11. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von Alles was Sie...

DSE: "Präsidenten-Suite" am Renaissance-Theater Berlin
Am 7. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von John T. Binkleys...

UA: "Wer ist Walter" von Ariane Koch am Theater Bonn
Am 5. Oktober wird Ariane Kochs Stück Wer ist Walter am Theater Bonn in der...

Ehrung für Volker Ludwig und Birger Heymann in Südkorea
In Seoul gab es für Volker Ludwig und Birger Heymann vor kurzem eine...

Neu bei DESCH: "Ramses II." von Sébastien Thiéry
Elisabeth und Jean erwarten den Besuch ihrer Tochter Benedicte und ihres...

Neu bei FBE: "Jasper in Deadland" von Ryan Scott Oliver und Hunter Foster
Der 16-jährige Jasper liebt Agnes. Aber nach der entscheidenden ersten...

Premiere: "Frau Luna" am Stadttheater Ingolstadt
Am Stadttheater Ingolstadt ist am 20. Oktober die Premiere von Paul Linckes...

Premiere: "Kiss Me, Kate" an der Oper Graz
Am 20. Oktober hat Kiss Me, Kate von Cole Porter, Samuel Spewack und Bella...

Premiere: "Hunger. Peer Gynt" nach Knut Hamsun und Henrik Ibsen am Deutschen Theater Berlin
Knut Hamsun ist einer der interessantesten, aber auch umstrittensten...

Rückblick: "Effi" von Oliver Schmaering und Kay Wuschek uraufgeführt
Am 19. September war die Uraufführung von Effi von Oliver Schmaering und Kay...

Rückblick: "Ein Stein fing Feuer" am Staatstheater Nürnberg
"Wie das Staatstheater Nürnberg unter neuer Leitung begeistert" (BR): Mit...


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Feuchtwanger, Lion

Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er studierte Philologie und Philosophie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der pazifistisch-sozialkritische Schriftsteller aus Deutschland ausgebürgert; seine Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Feuchtwanger flüchtete nach Frankreich, wo er bis zu seiner Inhaftierung 1940 lebte. Noch im gleichen Jahr gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal in die USA. Zusammen mit Bertolt Brecht und Willi Bredel gab Feuchtwanger hier die Emigrantenzeitschrift "Das Wort" heraus. In seinem ersten historischen Roman, Die häßliche Herzogin (1923, später unter dem Titel "Margarete Maultasch" veröffentlicht), beschrieb er das Leben in Tirol im 14. Jahrhundert. Ihm folgten Jud Süß (1925), ein Roman, der im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, und die Josephus-Trilogie, bestehend aus den Romanen Der jüdische Krieg (1932), Die Söhne (1934) und Der Tag wird kommen (1945).

In seinem dokumentarischen Roman Erfolg (1930) stellte Feuchtwanger die Ereignisse in München ab der Revolution von 1919 bis 1930 dar. Der Roman stellt den ersten Teil seiner "Wartesaal-Trilogie" dar, in der sich der Autor mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte. Zu Feuchtwangers bedeutenden Werken, die er nach seiner Flucht aus Deutschland im amerikanischen Exil schrieb, gehören Die Geschwister Oppermann (1933) und Exil (1940), der zweite und dritte Teil der "Wartesaal-Trilogie" sowie die Romane "Waffen für Amerika" (1947, auch unter dem Titel Die Füchse im Weinberg erschienen) und Die Jüdin von Toledo (1954, 1955 auch unter dem Titel "Spanische Ballade" erschienen).

Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Feuchtwanger, Lion

Lion Feuchtwanger
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der falsche Nero

Roman


Zu seiner politischen Parabel und Hitler-Satire Der falsche Nero wurde Feuchtwanger von einer Anekdote aus dem römischen Reich inspiriert, in der ein Mann auftauchte und behauptete, Kaiser Nero zu sein, obwohl dieser elf Jahre zuvor Selbstmord begangen hatte. Senator Varro hat durch den Tod des Kaisers an Einfluss verloren. Sein früherer Leibeigener, der arbeitsscheue Töpfer Terenz, sieht dem verstorbenen Kaiser äußerst ähnlich und so lässt Varro ihn in den römischen Ostprovinzen in die Rolle des Nero schlüpfen, um seine politischen Ziele zu erreichen.
Sein Betrugsmanöver hat weitreichende Folgen. Das leichtgläubige und verführbare Volk, das über die hohen Abgaben erbost ist, die ihm die in Rom regierenden Flavier abfordern, lässt sich durch die äußerliche Ähnlichkeit täuschen, bejubelt den Nero und glaubt an dessen Wiederauferstehung. Nero wird von seinem Buchhalter Knops und dem römischen General Terenz weiter angestachelt und errichtet eine Schreckensherrschaft. Die von Varro ins Leben gerufene Fiktion gerät außer Kontrolle. Eitel und machtbesessen vergisst Terenz, dass er nur eine Marionette ist. Doch durch die Misswirtschaft des Trios und durch das militärische Eingreifen Roms werden die drei gestürzt und enden am Kreuz. Varro, der einstige Drahtzieher, taucht im Reich der Parther unter.

Feuchtwanger gelingt eine Satire über das NS-Regime, ohne die Parallelen zu unterstreichen. Der Roman wird zu einer Abbildung des Gegenwärtigen im Historischen. Mit dem teuflischen Gespann Terenz, Knops und Trebon meint Feuchtwanger keine Geringeren als Hitler, Goebbels und Göring.
Das Werk zeigt die Probleme bei der Darstellung Hitlers, denn er ist nicht durch Realismus oder als Charakter zu fassen, sondern allenfalls als satirische Figur oder als visionär gesehene Höllengestalt. Die Gleichsetzung Hitlers mit einem unbedeutenden Mimen löste bei einigen Intellektuellen Unverständnis aus, so bei Bertolt Brecht, Georg Lukács und Arnold Zweig. Heinrich Mann schrieb über diesen Roman an Feuchtwanger: "In einer Abendstunde lese ich sooft als möglich den "Falschen Nero", das ist ein großartiges Buch. Mir geht im Kopf eine Betrachtung um, die heißen würde: Feuchtwanger und der Weltruhm."

Hinweis: Es ist jeder Bühne möglich, in Rücksprache mit dem Verlag eine eigene Adaption von den Werken des Autors Lion Feuchtwanger zu erstellen.