19.02.2017

Aktuelle Nachrichten

Premiere: "Grimm!" in Wien und Hannover
Die gewitzte Märchen-Neuinterpretation Grimm! von Thomas Zaufke und Peter...

Premiere: "Linie 1" in Athen
Nächster Halt Akropolis! Volker Ludwigs Linie 1 ist auf der ganzen Welt...

Premiere: "Curtains" in Münster
Das Theater Münster serviert Thiel, Boerne und Wilsberg das Verbrechen auf...

Neu bei FBE: "Auerhaus" in der Theaterfassung von Robert Koall
Sechs Freunde und ein Versprechen: Ihr Leben soll nicht nach dem Muster...

Zum 70. Todestag von Hans Fallada
Am 5. Februar 1947 starb Hans Fallada im Alter von 53 Jahren. Seine Romane...

Neu bei FBE: "Lass dich sein" von Arne Lygre
Eine Frau spannt ihrer Freundin den Mann aus. Später betrügt sie ihn. Eine...

Neu bei FBE: "Die 9 Fridas" von Kaite O'Reilly
Ein schwerer Verkehrsunfall platzt in die Träume der jungen Frida Kahlo. Um...

Neu bei FBE: "Bestimmt wird alles gut" von Kirsten Boie in der Theaterfassung von Konstanze Kappenstein
Was bedeutet es, neu anzufangen in einem Land, in dem alles fremd ist? Wie...

Jule Stynes "Gypsy" neuübersetzt von Henry Mason
Das preisgekrönte Musical Gypsy von Jule Styne, Stephen Sondheim und Arthur...

UA: "Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen" von Anja Hilling am Theater Basel
Paul Claudel verfasste 1905 mit Mittagswende sein vielleicht abgründigstes...

UA: "Der letzte Europäer" von Martina Clavadetscher am Theater Neumarkt in Zürich
Die Schweizer Autorin Martina Clavadetscher hat für das Theater Neumarkt in...

Hans Falladas "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" am Thalia Theater Hamburg
Willi Kufalt tritt nach fünfjähriger Haft mit unsicheren Schritten in das...

Zum Wiederentdecken: "Seelenwanderung" von Karl Wittlinger
Endlich wieder auf einem Spielplan: Seelenwanderung von Karl Wittlinger,...


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Lyons, James Edward
Seit 1980 lebt und arbeitet der in New York geborene Autor und Theaterregisseur in Deutschland. Der Fulbright-Stipendiat studierte Schauspiel und Regie an...


Jary, Michael
Michael Jary (* 24. September 1906 in Laurahütte bei Kattowitz;† 12. Juli 1988 in München) studierte an der Staatlichen Musikhochschule Berlin bei Franz...


 

Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst?

Über die Liebe in finsteren Zeiten
Eine musikalische Revue von James Edward Lyons
Musik von Michael Jary u.a.
Liedtexte von Bruno Balz u. a.
Arrangements von Ferdinand von Seebach
3D, 5H
Orchesterbesetzung: 1 Kl (Pianist ist Darsteller von Michael Jary)
UA: 08.12.2006, Kleines Theater am Südwestkorso Berlin

Arbeitslose stehen vor einer Essensausgabe Schlange, die SA marschiert, ein junger Mann improvisiert Gassenhauer am Piano: "Am Montag fängt die Woche an, am Sonntag hört sie auf, das bisschen, was dazwischen liegt, das nennt man Lebenslauf." Der Lebenslauf des Schönberg-Schülers Michael Jary, seine Lieder mit Texten von Bruno Balz sind eng verknüpft mit der Geschichte des deutschen Unterhaltungslieds im Dritten Reich und so auch mit vielen Künstlerkarrieren unterm Hakenkreuz. Die großen Hits "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n" oder "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" erzählen von Anpassung und Überlebenswillen. Jurys Schlager für Zarah Leander "Davon geht die Welt nicht unter", der sowohl zum Durchhaltelied der Nazis für deutsche Soldaten als auch zum Mutmacher für die Gefangenen in den Konzentrationslagern wurde, steht für das dünne Seil, auf dem Künstler in dieser Zeit balanciert sind. Das Leben als Drahtseilakt: Ein Akrobat, ein Jongleur, ein Bauchredner erscheinen als Sinnbilder für die überlebenswichtige Verstellung und die ständige Absturzgefahr. Jarys geheime Affäre mit Zarah Leander ("Du darfst mir nie wieder rote Rosen schenken"), Evelyn Künnekes unglückliche Liebe zu Jary ("Es hat keinen Zweck mit der Liebe"), Zweideutigkeiten der "chilenischen Nachtigall" Rosita Serrano ("Der kleine Liebesvogel") oder Balz’ heimliche Homosexualität ("Er heißt Waldemar!") – das alles findet sich in und zwischen den Zeilen der Schlager.

James Edward Lyons verwebt in seiner Michael-Jary-Revue Künstlerbiografien mit einer Welt, in der nur hinter Masken und zwischen den Zeilen Wahrheiten geäußert werden konnten. Dramatische Szenen wechseln sich mit Jarys bekanntesten Schlagern ab – eine Referenz an die Berliner Revuen der 40er-Jahre, an das Varieté im alten Wintergarten und die Berliner Scala: Katakomben-Kabarettist Werner Finck schießt subversive Witze, während Goebbels sich unsittlich Zarah nähert und Evelyn um ihr Leben steppt. Ein hübsches Nummerngirl läuft regelmäßig vorbei, doch die Ziffern sind ein Countdown in die Dunkelheit. Haben Sie eigentlich schon mal im Dunkeln geküsst?

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