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Aktuelle Nachrichten

Sommertheater: Unsere Premieren im Juli und August
Wie schon im Juni freuen wir uns über viele Sommertheater-Premieren im Juli...

Deutscher Kindertheaterpreis 2018: Nominierung für Fabrice Melquiot
Fabrice Melquiot ist mit seinem Stück Die Zertrennlichen (übersetzt von...

UA: "Jedermann - Ein Musical vom Sterbelernen" beim MusikTheaterFestival Oper Oder-Spree
Am 19. Juli feiert Peter Lunds und Wolfgang Böhmers Musical-Neufassung vom...

ÖEA: "Rock of Ages" beim Musical Sommer Amstetten
Haarspray, Leggins, Likör und die Hits der 80er-Jahre: Nach der erfolgreichen...

UA: "Sherlock Holmes und der Tod des Bayernkönigs" bei den Luisenburg-Festspielen
Am 12.7. ist die Uraufführung von Sherlock Holmes und der Tod des...

Neu bei FBE: "Little Me" von Cy Coleman
Little Me gehört mit zwei Broadway-Revivals und zahlreichen weiteren...

Zum Wiederentdecken: "33 Variationen" von Moisés Kaufman
Im Beethoven-Jahr 2020 jährt sich der Geburtstag des berühmten Komponisten...

Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2018 für Nele Stuhler
Nele Stuhler gewinnt mit Fische den ersten Else-Lasker-Schüler-Stückepreis...

Sommertheater: Unsere Premieren im Juni
Es ist wieder Sommertheater-Zeit! Unsere Freilicht-Premieren im Juni:...

Deutscher Kindertheaterpreis und Deutscher Jugendtheaterpreis: Fünf Stücke auf der Auswahlliste
Wir freuen uns über fünf Stücke aus unserem Programm auf den diesjährigen...

Ingeborg-Bachmann-Preis 2018: Martina Clavadetscher und Bov Bjerg
Martina Clavadetscher und Bov Bjerg wurden zu den 42. Tagen der...

Österreichischer Musiktheaterpreis für "In 80 Tagen um die Welt" von Gisle Kverndokk und Øystein Wiik
Die Uraufführungsproduktion von Gisle Kverndokks und Øystein Wiiks Musical In...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

vergrösserte Ansicht zur Broschüre zu Dürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Die Frist

Eine Komödie
12D, 17H, Statisterie
UA: 06.10.1977, Schauspielhaus Zürich

Hinweis: Dieses Theaterstück ist im Buchhandel erschienen (Verlag: Diogenes). Sie können es dort bzw. als eBook erwerben.

Der Generalissimus liegt im Sterben und ihn würde vermutlich demnächst das Zeitliche segnen, wäre da nicht ein Generalstab von Ärzten unter der Anleitung des Ministerpräsidenten, die es verstehen, das Leben des Staatsoberhauptes künstlich zu verlängern. So soll eine Frist erwirkt werden, die dem Ministerpräsidenten die Zeit gibt, die politischen Machtblöcke zu manipulieren, um schließlich die Macht allein an sich zu reißen.

Arkanoff, Leibarzt des Generalissimus, sieht keine Rettung mehr und verlangt den Kardinal zur letzten Ölung. Der Ministerpräsident verlangt vor Schreck nach Kognak und lässt einen Landarzt entführen, der den unwilligen Leibarzt ersetzen soll. Da vom drohenden Tod des Staatsoberhauptes möglichst niemand erfahren soll, wird anstelle des Kardinals ein Schauspieler als dieser ausgegeben und vorgeladen, um die Ölung zu vollziehen. Ob er den Palast jemals lebend wieder verlassen wird, ist ungewiss. Als der originäre Kardinal erscheint, gerät er ob des Betrugs in Rage, doch mit einem Mal ist auch ihm das Sterben des Staatsoberhauptes nicht mehr recht, denn es müssen noch Einigungen zwischen Partei, Monarchie, Kirche und Opposition erzielt werden. Würde die Frist der kommenden sechs Wochen fehlen, droht der Bürgerkrieg. Als eine Herztransplantation notwendig ist, verzichtet man auf die Narkose, denn die Narkose wäre für den Patienten unter Umständen tödlich.

Als der Generalissimus endlich doch stirbt, scheint die Macht des Ministerpräsidenten gesichert. Doch der Bauer Toto, dessen Sohn unter dem Ministerpräsidenten als Terrorist hingerichtet wurde, hat noch eine offene Rechnung zu begleichen.

Dürrenmatt thematisiert in Die Frist den Tod als Geschäft. In grotesker Überspitzung legt er jene Mechanismen offen, die sich im Kampf um Macht und Profit nicht um den Menschen scheren. Das Stück entstand unter dem Einfluss von Francos Tod 1975, der durch 30 Ärzte wochenlang hinausgezögert worden war, damit sich die Nachfolge des Diktators regeln ließ.