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Durchreise

von Curth Flatow
Die Geschichte einer Firma

3D, 9H, Nebendarsteller

"Durchreise" nennt man die Zeitspanne, in der die Berliner Konfektionsfirmen ihre Kollektionen zeigen. Eine solche Firma steht im Mittelpunkt des Stücks. Ihr langjähriger Besitzer Max Salomon erinnert sich der verschiedenen Entwicklungsetappen des Betriebes und der Wege, die die Beteiligten im Verlauf der Ereignisse der letzten 30 Jahre gingen, bzw. zu gehen gezwungen waren.

Es beginnt im Jahr 1931. Die Geschäfte der Firma Salomon gehen gut. Helmuth Naumann entwirft die Modelle, Frau Stranitzki fertigt sie an. Das Mannequin Daisy führt die Kollektion vor und Ernst Fiedler besorgt den Verkauf. Ein neuer Lehrling namens Siegfried Fraenkel kommt hinzu. Zwar will er eigentlich studieren, aber sein Erbonkel verlangt vorab eine solide Ausbildung. In der Firma lernt Fraenkel einen anderen Lehrling kennen: Monika Helmholtz. Sie nimmt sich seiner an und zwar von ganzem Herzen. Doch der Betrieb gerät in den Strudel der Ereignisse, die ab 1933 in Deutschland eintreten.

Der jüdische Besitzer Max Salomon muss untertauchen. Die übrigen Angestellten entschließen sich, die Geschäfte unter der Regie von Fraenkel weiterzuführen. Aber nach den Nürnberger Rassegesetzen muss auch er flüchten. Er geht nach England und überlässt Monika Helmholtz die Firma und sich selbst der Unsicherheit, ob er sie nun liebt oder nicht. Sie hat fortan mit den schweren Zeiten zu kämpfen und auch mit dem Prokuristen Fiedler, der die Firma gern "arisieren" und übernehmen möchte. Schließlich überleben die Firma und fast alle Angestellten den Krieg. Man schreibt aber bereits das Jahr 1961, als alle wieder zusammentreffen...

Durchreise ist ein heiter-nachdenkliches Volksstück über die Wirren eines jüdischen Modehauses am Berliner Hausvogteiplatz in den Jahren 1931 bis 1961. Die Kritik nach der Berliner Uraufführung (diese Inszenierung mit Georg Thomalla in der Titelrolle kam allein auf über 165 Vorstellungen) war angerührt von der Sensibilität Flatows, mit der er eine jüdische Geschichte aus dem 3. Reich auf dem Boulevardtheater erzählte. Das Stück, das auch sehr erfolgreich verfilmt wurde, ist das persönlichste Werk von Curth Flatow, der vor dem Krieg selbst einmal Angestellter in der Konfektionsbranche war.