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Ein Engel kommt nach Babylon

von Friedrich Dürrenmatt
Eine Komödie in drei Akten

4D, 18H, Statisterie

UA: 22.12.1953, Münchner Kammerspiele, München

Der König Nebukadnezar hat seinen Vorgänger Nimrod zu Fall gebracht und strebt nun, nachdem die Neuordnung der Welt gelungen ist, nach Vollkommenheit: Er will den wahrhaft sozialen Staat einführen. Alle Bettler werden angewiesen, in den Staatsdienst überzutreten. Einzig der Bettler Akki besteht auf seinem angestammten Gewerbe, er will sich seine Freiheit bewahren. Als Bettler verkleidet will Nebukadnezar Akki im persönlichen Gespräch zum Staatsdienst überreden. Akki schlägt dem Fremden, der sich als Bettler aus Ninive ausgibt, vor, sich in der Kunst des Bettelns zu messen. Akki, Meister seiner Kunst und Menschenkenner, schlägt für jeden Vorbeigehenden den richtigen Ton an, mimt den Bescheidenen oder fordert frech, er erbettelt das Maximale. Nebukadnezar hingegen weiß nur zu klagen, erreicht damit wenig und verliert den Wettkampf.
Ein Engel führt währenddessen das vor seinen Augen von Gott erschaffene Mädchen Kurrubi durch die Straßen Babylons. Er hat von Gott den Auftrag erhalten, das Mädchen dem geringsten Menschen auf der Erde zu übergeben. Nun glaubt er zu wissen, dass der Verlierer der ärmste Mensch sei und überlässt dem Bettler aus Ninive das Mädchen. Nebukadnezar, der nicht als geringster Mensch gelten will, reagiert beleidigt. Er tauscht Kurrubi gegen seinen gefesselten Vorgänger Nimrod und das Mädchen fällt rechtmäßig an Akki. Zurück im Palast, erkennt Nebukadnezar, dass er Kurrubi liebt. Kurrubi jedoch erkennt ihn nicht wieder und besteht darauf, nur den Bettler aus Ninive zu lieben. Als Nebukadnezar sich als dieser zu erkennen gibt, glaubt Kurrubi ihm nicht. Der selbstgerechte König ist enttäuscht, dass Gottes Gnadengeschenk nicht ihm, sondern nur dem wahren Bettler würdig ist. Er beschließt, einen Turm zu errichten, der die Wolken durchfährt, mitten ins Herz seines Feindes.

Dürrenmatts grotesk-mystische Komödie über die verspielte Gnade war als erster Teil einer Trilogie über den Turmbau zu Babel geplant, es blieb jedoch bei diesem ersten Teil. Die Parabel über die Hans Schweikart inszenierte die Uraufführung an den Münchner Kammerspielen.