16.12.1984

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"Die Kaiserin" am Theater Baden bei Wien
Punktgenau zum 300. Geburtstag der Habsburger-Ikone und Langzeit-Regentin...

"Die lustigen Nibelungen" von Oscar Straus am Badischen Staatstheater Karlsruhe
"Er sieht so miesepetrig aus, und nicht wie sonst so munter – was hat er...

Neu bei FBE: "General Wunde" von Joël László
Die Hautkrankheit des Neugeborenen verändert das Leben von Anja und Samuel....

"Die Regeln des Sommers" in der Regie von Hannah Biedermann am Jungen Nationaltheater Mannheim
Hannah Biedermann, frisch mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST für die...

"Venedig im Schnee" am Theater an der Effingerstraße Bern, den Bühnen der Stadt Gera, dem Theater Schloss Maßbach
Gleich drei Premieren von Venedig im Schnee von Gilles Dyrek gibt es im...

Berlin-Premiere: "Weihnachten auf dem Balkon" an der Komödie am Kurfürstendamm
Am 3. Dezember war die Premiere von Weihnachten auf dem Balkon von Gilles...

UA "Broken German" von Tomer Gardi am Schauspiel Graz
Mitte November wurde Noam Brusilovskys Hörspielbearbeitung von Tomer Gardis...

"Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
"Die Farben weg, die Geräusche lauter. Die Uhren langsamer, dafür das Ticken...

"Alles Schwindel" von Mischa Spoliansky am Maxim Gorki Theater in Berlin
Das Publikum des Berliner Maxim Gorki Theaters wird am 17. Dezember sowohl in...

SchreibenDenkenHören: "Der korallene Wald" von Ruth Johanna Benrath
Words don't come easy. Textproduktion ist oft ein hartes Ringen zwischen...

"Wartesaal" nach Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
Ein "leiser und konzentrierter Abend" (Nachtkritik): Stefan Pucher inszeniert...

Neu bei FBE: "Nach Luft jagen" von Michael A. Müller
Penelope möchte uralt werden. Wie Oma. Die sagte mal, jedes Ticken der Uhr,...

DSE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot am Schauspiel Frankfurt
Am Schauspiel Frankfurt ist am 26.11. Fabrice Melquiots neues Stück Die...


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Bild von Arnost GoldflamGoldflam, Arnost

Arnost Goldflam wurde 1946 in Brno (Brünn) geboren, verrichtete nach einem abgebrochenen Medizinstudium Gelegenheitsarbeiten und begann schließlich ein Regiestudium an der Janacek-Akademie seiner Vaterstadt. Hier fand er nach dem Abschluss 1976 erste Engagements.
Goldflam inszeniert an vielen Theatern in der Tschechischen Republik und im Ausland und tritt auch als Schauspieler auf der Bühne und im Fernsehen auf. Im tschechischen Fernsehen moderiert er eine monatliche Kultursendung. ("Hinter der Tür ist A.G."), außerdem lehrt er seit 1990 Schauspiel, Regie und Kreatives Schreiben an der Akademie in Brno.
Hitlers Küche wurde an Arnost Goldflams Stammtheater, dem HaDivadlo in Brno, uraufgeführt.

Goldflam hat über 50 Theaterstücke, Drehbücher und Hörspiele geschrieben, darunter zahlreiche Adaptionen klassischer Romane. Eigene Stücke sind u. a. "Fragmente aus einem unvollendeten Roman", "Das blaue Gesicht", "Die Platzanweiserin" und die Komödie "Ich ist ein anderer."

 

Hitlers Küche

(U Hitleru v kuchyni)
Sechs kurze Einakter
Deutsch von Rolf Simmen
2D, 4H, Mehrfachbesetzung möglich
UA: 10.11.2007, HaDivadlo Brno
frei zur DSE

Der berühmteste Diktator der Weltgeschichte erscheint in den Minidramen aus der Feder des tschechischen Satirikers Arnost Goldflam in einem unorthodoxen Licht. Der Autor parodiert lustvoll des Genre des Dokudramas, indem er nichtssagende Details und haarsträubend belanglose Dialoge aus Hitlers Privatleben zu einem pittoresken Bilderbogen fügt. Der Dämon des 20. Jahrhunderts wird in Goldflams Geschichtensammlung zum neurotischen Würstchen, das seinen infantilen Phantasien und bizarren Neigungen ungehindert nachgeht.

Auf dem Bahnhof in Brno begegnet Hitler dem kleinen George Tabori, der von seinem Vater dort vergessen wurde. Auch Stalin findet sich zufällig hier ein. Während der kleine jüdische Junge zum Bahnhofsvorsteher gebracht wird, fassen die beiden aufstrebenden Schurken vage Zukunftspläne. Hitler sieht seine Zukunft zu diesem Zeitpunkt noch in der Philosophie, während Stalin längst die Politik als Bühne gewählt hat. Im nächsten Bild sitzen Eva Braun und Adolf Hitler beim von der SS geschenkten Kuchen. Hitler verspricht, den Krieg schnellstmöglich zu beenden, denn Evas biologische Uhr tickt bereits vernehmlich, Nachwuchs ist aber erst für nach Kriegsende projektiert. "Eine Liebesromanze" ist der Titel einer Szene, die während der letzten Tage im Bunker spielt. Hitler nimmt sich vor, ein Buch zu schreiben "Mein Witz" und bereitet sich gerade auf die verantwortungsvolle Aufgabe vor, 88 tschechische Jungfrauen zu schwängern.
In der letzten Szene "Ende gut, alles gut" schwadroniert der alte Hitler, inzwischen nennt er sich Adolfo Esperanza Munoz, über den Erfolg seiner Gemäldeausstellungen in Südamerika, wo er nun, überaus glücklich und sexuell erfüllt, seinen Lebensabend verbringt.

Goldflam macht uns mit einem lächerlichen Menschen bekannt und stellt gleichzeitig, hintersinnig und intelligent, den verharmlosenden Effekt solch menschelnder Darstellungen zur Diskussion.