19.07.2018

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Haarspray, Leggins, Likör und die Hits der 80er-Jahre: Nach der erfolgreichen...

UA: "Sherlock Holmes und der Tod des Bayernkönigs" bei den Luisenburg-Festspielen
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Sommertheater: Unsere Premieren im Juli und August
Wie schon im Juni freuen wir uns über viele Sommertheater-Premieren im Juli...

UA: "Jedermann - Ein Musical vom Sterbelernen" beim MusikTheaterFestival Oper Oder-Spree
Am 19. Juli feiert Peter Lunds und Wolfgang Böhmers Musical-Neufassung vom...

Neu bei FBE: "Little Me" von Cy Coleman
Little Me gehört mit zwei Broadway-Revivals und zahlreichen weiteren...

Zum Wiederentdecken: "33 Variationen" von Moisés Kaufman
Im Beethoven-Jahr 2020 jährt sich der Geburtstag des berühmten Komponisten...

Else-Lasker-Schüler-Stückepreis 2018 für Nele Stuhler
Nele Stuhler gewinnt mit Fische den ersten Else-Lasker-Schüler-Stückepreis...

Sommertheater: Unsere Premieren im Juni
Es ist wieder Sommertheater-Zeit! Unsere Freilicht-Premieren im Juni:...

Deutscher Kindertheaterpreis und Deutscher Jugendtheaterpreis: Fünf Stücke auf der Auswahlliste
Wir freuen uns über fünf Stücke aus unserem Programm auf den diesjährigen...

Ingeborg-Bachmann-Preis 2018: Martina Clavadetscher und Bov Bjerg
Martina Clavadetscher und Bov Bjerg wurden zu den 42. Tagen der...

Österreichischer Musiktheaterpreis für "In 80 Tagen um die Welt" von Gisle Kverndokk und Øystein Wiik
Die Uraufführungsproduktion von Gisle Kverndokks und Øystein Wiiks Musical In...


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Bild von Paul WeitzWeitz, Paul

Paul Weitz, 1966 in New York geboren, stammt aus einer künstlerisch sehr aktiven Familie. Wie bereits beide Generationen vor ihm und auch sein älterer Bruder Chris Weitz, wendet er sich dem Bereich des Films zu und wird Drehbuchautor, Regisseur, Schauspieler und Filmproduzent. Sein Studium an der Wesleyan Universität in Connecticut schließt er mit einem Diplom im Bereich Film ab. Während seiner Zeit als Student schreibt er bereits sein erstes Theaterstück mit dem Titel "Mango Tea". Das Stück wird am New York's Ensemble Studio Theatre aufgeführt, wo auch seine Arbeiten "Captive", "All for one" und "Roulette" Premiere feiern. Seine Stücke "Privileg", "Show People" und "Trust", eine Komödie mit Zach Braff in einer der vier Hauptrollen, erscheinen am Second Stage Theatre. Am 7. Mai 2012 wird dort auch sein neuestes Stück Einsam bin ich nicht uraufgeführt und löst begeisterte Kritiken aus.

Einer breiten Mehrheit wird Paul Weitz zum ersten Mal durch den Film "American Pie" von 1999 bekannt, bei dem er gemeinsam mit seinem Bruder Regie führt. Eine weitere gemeinsame Arbeit folgt 2002: "About a Boy". Die filmische Adaption des Buches von Nick Hornby stößt auf positive Resonanz bei der Presse und führt zu einer Nominierung der Brüder für den Academy Award in der Kategorie "Bestes adaptiertes Drehbuch". Nach ihren gemeinsamen Erfolgen konzentrieren sich beide auf eigene Projekte. Paul Weitz schreibt und führt Regie bei den Filmen "Reine Chefsache" und "American Dreamz".

 

Einsam bin ich nicht

(Lonely I'm not)
Deutsch von Michael Raab
3D, 3H, mit Mehrfachbesetzung
UA: 07.05.2012, Second Stage Theatre New York
frei zur DSE

Mit Mitte dreißig hat der einstige Börsenmakler Porter Aufstieg und Fall in der Leistungsgesellschaft schon hinter sich. Von den großen Ambitionen seiner kometenhaften Karriere sind, vier Jahre nach dem Zusammenbruch, nur noch vage Erinnerungen an eine Zeit zurückgeblieben, die von innerer Leere geprägt war. Porters Ehrgeiz gilt nun dem Kampf gegen die Anbiederung, mit der man sich selbst verrät. In einem seiner seltenen Bewerbungsgespräche disqualifiziert er sich sodann durch entwaffnende Ehrlichkeit. "Ungewöhnlich", nennt dies der Firmenboss und beendet dankend das Gespräch.

Heather hingegen kämpft noch auf der Seite, auf der sie sich selbst zu verlieren droht. Mit Fleiß und Durchhaltevermögen versucht sie wettzumachen, was Menschen mit Augenlicht ihr immer voraus haben werden. Zwischen Büro, Fitness, Wohnung und genau geplanten Taxifahrten, die den störungsfrei funktionierenden Alltag gewährleisten, bleibt wenig Spielraum für Unvorhersehbares, und während der Chef ihr zusagt, sie selbstverständlich „ernsthaft in Erwägung zu ziehen“, ahnt sie bereits, dass sie bei der Beförderung übergangen werden wird.

Porters kühler, distanzierter Humor und sein ehrlicher Sarkasmus setzen Heathers Gewohnheit, ihrem Gegenüber stets zuvorzukommen, um unerwarteten Fragen auszuweichen, gekonnt außer Gefecht. Nach anfänglicher Distanz wird zögerlich Nähe erprobt, Abgründe und Ängste werden ohne Sentimentalitäten offengelegt, wobei die eigene Sicherheitszone nie ganz zugunsten eines gemeinsamen Wagnis verlassen werden kann. Auf die fragile Gemeinschaft wollen viele Einfluss nehmen: Heathers Mutter Grace, die ihre Tochter vor Männern beschützen will, die immer nur "Bruchstellen" sein können, Heathers Mitbewohnerin Claire, die überall Gefahren sieht und zur Bevormundung neigt, und Porters Vater Rick, ein Hochstapler und Betrüger, der seine eigenen Probleme gern zu Porters machen würde.

In Einsam bin ich nicht werden äußerst subtil Menschen in den Fokus gerückt, die im Kampf um Gewinnen und Verlieren mit ihrer konstruierten Lebensformel unterzugehen drohen, symptomatisch für die gegenwärtige Gesellschaft in ihrem fortwährenden Optimierungszwang. Mit pointierten, knappen Dialogen, reichlich Situationskomik und Charme ist Paul Weitz, dessen Filmerfahrung der stimmigen Szenenfolge anzumerken ist, mit Einsam bin ich nicht ein von der Kritik gefeiertes Theaterstück gelungen. "Versagen kann genau so charmant sein wie Erfolg, oder vielleicht sogar charmanter, in einer Zeit, in der die großen Gewinner der Geschäftswelt mit immer mehr Misstrauen begutachtet werden" schrieb die New York Times nach der Uraufführung am Second Stage Theatre in New York.