15.12.2018

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Neu bei FBE: "Mord im Orientexpress" von Agatha Christie
Auf der Fahrt des Orientexpress von Istanbul nach Calais fällt ein...

Eine Auswahl: Familienstücke für die Weihnachtszeit
Auch wir können uns dem vorweihnachtlichen Glanz nicht entziehen und haben...

Aktuell: "Die Jüdin von Toledo" am Schauspielhaus Bochum
Am 1. November eröffnete Johan Simons seine Intendanz am Schauspielhaus...

Neu bei FBE: "Der Name der Rose" (Umberto Eco / Gisle Kverndokk / Øystein Wiik)
1327: Mysteriöse Todesfälle bringen eine Benediktinerabtei in Ligurien in...

Neu bei FBE: "Ich werde nicht hassen" von Izzeldin Abuelaish
Dies ist die Geschichte von Dr. med. Izzeldin Abuelaish, einem...

Premiere: "Little Voice" am Theater Paderborn
Am Theater Paderborn inszeniert Katharina Kreuzhage Little Voice von Jim...

Deutscher Kindertheaterpreis 2018 für Fabrice Melquiot und "Die Zertrennlichen"
Fabrice Melquiot wurde für sein Stück Die Zertrennlichen mit dem Deutschen...


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Hildebrandt, Dieter

Dieter Hildebrandt (nicht jener Dieter Hildebrandt, der Kabarettist, sondern dieser), geboren 1932 in Berlin, schrieb bis 1968 Theaterkritiken und Berlin-Berichte für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", danach für "Publik". Er veröffentlichte literarische Arbeiten über Voltaire und Lessing. Neben einer Reihe von Fernseh-Reportagen über die Theatersituation in der Bundesrepublik und einem Fernsehfilm über Lessing veröffentlichte er den Roman der Straße "Die Leute vom Kurfürstendamm", den Roman des Klaviers im 19. Jahrhundert "Pianoforte", die verschmitzte Liebeserklärung an seine Heimatstadt "Deutschland deine Berliner" und die rororo-Monographie "Ödön von Horvárth" (Bd. 231). Dieter Hildebrandt lebt als freier Journalist und Schriftsteller in Hessen.

 

Duell in Sanssouci (Friedrich II. - Voltaire)

Aus Texten und Briefen zusammengestellt
2H
UA: Mai 1971, Theater unbekannt Ort unbekannt

Das Duell in Sanssouci beginnt mit Schmeichelarien, die der junge Kronprinz dem französischen Sprachmeister schickt. Friedrich ist in seinen Formulierungen hier der plumpe, idealistische Moralist. Der Höflichkeitsüberschwang von beiden Seiten wechselt in eine scharfe Tonlage, als aus dem prinzlichen Schwärmer die selbstbewusste Majestät wird. Seine Werbungen ähneln nun fast schon Befehlen.

Wunderbar getränkt mit gallischem Witz und versteckter Bosheit sind die Vorbehalte, mit denen der Weltmann aus dem klimatisch angenehmen Frankreich sich der kalten Potsdamer Provinz nähert. Selbst seine Lobsprüche auf das strebsame Potsdam stecken voll hinterhältiger Tücken.

In einem wechselvollen Alptraum von drei Jahren wird dann die Idylle der beiden fürstlichen Genies zur Nervenstrapaze. Der eitle, hypochondrische Dichter mit seiner Lust an Intrigen und Tricks wirbelt die biedere Berliner Gesellschaft durcheinander.

Voltaires Zicken lassen die Huld der Majestät zur giftigen Herrschaftsgeste verkommen. Im Epilog bekunden dann 20 Jahre später die beiden alten Herren ihre Bereitschaft zur Versöhnung.

Die Auswahl der Briefe und Texte von Friedrich II. und Voltaire durch Dieter Hildebrandt ist klug, auch in ihrer Beschränkung. Sie zeichnt mit charakteristischen Auszügen den allgemeinen und privaten Hintergrund der berühmten Affaire. Sie macht Appetit durch funkelnde, ironische Pointen. Sie gestattet zugleich die Bestätigung der Erkenntnis, dass sich im Umgang von Intellektuellen während der Jahrhunderte kaum etwas verändert hat: Wehe, wenn ihre Eitelkeiten aufeinander losgelassen!