21.10.2018

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Premiere: "Hunger. Peer Gynt" nach Knut Hamsun und Henrik Ibsen am Deutschen Theater Berlin
Knut Hamsun ist einer der interessantesten, aber auch umstrittensten...

Einladungen: Franziska Henschel und "Mädchen wie die" beim Augenblick Mal! 2019
Franziska Henschel ist mit ihrer Stückentwicklung "Nachts" zum Augenblick...

"Großes Kino" und "Pointenfeuerwerk" - UA von Axel Ranischs "Nackt über Berlin"
Die Uraufführung von Axel Ranischs Roman Nackt über Berlin war am 16....

Neu bei FBE: "Serverland" von Josefine Rieks
Das Internet ist seit Jahrzehnten abgeschaltet, die Statussymbole von früher...

DSE: "Alles was Sie wollen" von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière am Deutschen Theater in Göttingen
Am 11. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von Alles was Sie...

DSE: "Präsidenten-Suite" am Renaissance-Theater Berlin
Am 7. Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von John T. Binkleys...

UA: "Wer ist Walter" von Ariane Koch am Theater Bonn
Am 5. Oktober wird Ariane Kochs Stück Wer ist Walter am Theater Bonn in der...

Ehrung für Volker Ludwig und Birger Heymann in Südkorea
In Seoul gab es für Volker Ludwig und Birger Heymann vor kurzem eine...

Neu bei DESCH: "Ramses II." von Sébastien Thiéry
Elisabeth und Jean erwarten den Besuch ihrer Tochter Benedicte und ihres...

Neu bei FBE: "Jasper in Deadland" von Ryan Scott Oliver und Hunter Foster
Der 16-jährige Jasper liebt Agnes. Aber nach der entscheidenden ersten...

Premiere: "Frau Luna" am Stadttheater Ingolstadt
Am Stadttheater Ingolstadt ist am 20. Oktober die Premiere von Paul Linckes...

Premiere: "Kiss Me, Kate" an der Oper Graz
Am 20. Oktober hat Kiss Me, Kate von Cole Porter, Samuel Spewack und Bella...

Rückblick: "Effi" von Oliver Schmaering und Kay Wuschek uraufgeführt
Am 19. September war die Uraufführung von Effi von Oliver Schmaering und Kay...

Rückblick: "Ein Stein fing Feuer" am Staatstheater Nürnberg
"Wie das Staatstheater Nürnberg unter neuer Leitung begeistert" (BR): Mit...


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Bild von Alexandra BadeaBadea, Alexandra

Alexandra Badea, 1980 in Rumänien geboren, studierte in Bukarest Regie. Seit 2003 lebt sie in Paris und arbeitet als Regisseurin, Drehbuchautorin und Bühnenbildnerin in Frankreich und Rumänien. Seit 2009 werden ihre Stücke, die sie auch selbst inszeniert, bei L’Arche Editeur in Paris verlegt. Ihr Stück Zersplittert wurde 2013 mit dem Grand Prix de Littérature Dramatique ausgezeichnet, als Hörspiel in Frankreich und Deutschland gesendet und am Théâtre National de Strasbourg uraufgeführt. 2015 wurde sie damit zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen und das Stück im darauffolgenden September am Schauspielhaus Graz erfolgreich erstaufgeführt. Die Uraufführung ihres zweiten Stückes Ich schaue dich an fand ebenfalls im Herbst 2015 am Theater Freiburg statt.

 

Extremophil

(Extrêmophile)
Deutsch von Frank Weigand
1D, 2H
DSE: 30.09.2017, Volkstheater Wien

Extremophile sind Organismen, die unter äußersten Bedingungen leben können, zum Beispiel in großer Hitze, frostiger Kälte, ohne Licht und mit wenig Sauerstoff. Sie passen sich der Lebensfeindlichkeit ihrer Umgebung an. Ähnlich diesen Lebewesen haben sich auch die drei Protagonisten in Alexandra Badeas neuem Stück angepasst. Anonymisiert wird man Teil ihres Alltags und ihrer persönlichen Entfremdung. Nur diejenigen, die ihnen etwas bedeuten, haben Namen, und nur ihre Profession gibt ihnen eine Identität. Der Stabschef des Bildungsministers wird kurz vorm Familienurlaub, in den er sich vor seinem heimlichen Liebhaber geflüchtet hat, wegen eines Vorfalls an einer Schule einberufen. Die junge und ambitionierte Wissenschaftlerin geht auf ein Schiff, um für große Wirtschaftsunternehmen am Boden der Ozeane nach verwertbaren Rohstoffen zu suchen, will eigentlich die Extremophile erforschen und beendet dafür ihre Beziehung. Der Drohnensoldat sitzt in Nevada vor seinen Bildschirmen und kämpft in einem asymmetrischen Krieg, dessen "Feind" er bis ins Private ausspioniert, um dann die Entscheidung über Leben und Tod nicht zu treffen, sondern sie nur auszuführen. Das Leben findet abgekoppelt vom Selbst statt. Die damit einhergehenden Kompromisse führen zum Vergessen der eigentlichen Idee und Motivation, etwas zu tun. Sie alle agieren wie unter einer Glaskuppel. Es gibt ein brodelndes Innen und ein zunehmend rissig werdendes Außen. Noch funktioniert das Außen reibungslos, doch dass Innere rebelliert so lang, bis sie es nicht mehr schaffen, sich selbst zu ignorieren.

Alexandra Badea beschreibt in Extremophil emotionale Erfahrungswelten der Entfremdung. Dafür wählt sie eine strenge Form, in der die Bewegung des Innen durch Dialoge symbolisiert wird. Im Außen hingegen spricht man nur indirekt oder gar nicht, es werden lediglich Abläufe beschrieben. Durch diese formale Setzung geraten die anonymen Figuren in eine völlig hermetische Atmosphäre, die sie nur durchbrechen können, indem sie sich selbst überwinden. Die Spannung, die jeder von ihnen in sich birgt, überträgt sich auf den Rezipienten und erzeugt drastische Bilder der zerbrechlichen aber wandelbaren Menschlichkeit.

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