23.02.6333

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"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
Die Kritik an einem hinter dem Individualismus versteckten Zwang zu...

Oliver Schmaering für Mülheimer Kinderstückepreis nominiert
In dir schläft ein Tier von Oliver Schmaering ist für den Kinderstückepreis...

Neu bei FBE: "Das Molekül" von William W. Murta
Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

Wiederentdeckt: "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder
Nahe einer schwer passierbaren Landesgrenze im Hochgebirge treffen drei...

Neu bei FBE: "Das Mädchen Wadjda" von Haifaa Al Mansour
Riad, Saudi-Arabien: Die zehnjährige Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher...

DSE: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 3. Februar ist die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Lazarus...

"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

Neu bei FBE: "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer
19. Jahrhundert, Zeit des polnischen Aufstandes gegen die russische...

Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
Wenn sich die High Society amüsiert und Hochzeit feiert, ist auch die...

Neu bei FBE: "Rabbit Hole" von David Lindsay-Abaire
Becca und Howie Corbett sind mit ihrem vierjährigen Sohn Danny eine...


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Bild von David WiltseWiltse, David
Foto: Fran Collin 

David Wiltse wurde 1940 in Lincoln, Nebraska geboren. Heute lebt er in einer Kleinstadt in Connecticut. Er schrieb etliche Theaterstücke und Drehbücher für Film und Fernsehen.

1972 gewann er den Drama Desk Award for Most Promising Playwright für sein erstes Theaterstück "Suggs". Wiltse schrieb bisher zwölf Novellen. Seine erste Novelle "The Wedding Guest" war prämiert als eines der 100 Notable Books of the Year der New York Times. 1981 erhielt er den Edgar Allan Poe Award from Mystery Writers of America für sein Drehbuch des Fernsehspiels "Revenge of the Stepford Wives".

Time Out London wählte sein Buch "Prayer for the Dead" zum Buch des Jahres 1991.


Weitere Informationen zu David Wiltse

 

Der gute Deutsche

(The Good German)
Deutsch von Friederike Meltendorf
1D, 3H
frei zur DSE

1943/44. Professor Karl Vogel lebt mit seiner Frau Gretel in einer deutschen Großstadt. Eines Tages kommt Gretel in Begleitung eines Mannes nach Hause. Sie erzählt ihrem Mann, Braun sei ihr Vetter, der bei einem Brandanschlag Frau, Kinder und sein gesamtes Hab und Gut verloren hat. Karl ist strikt dagegen, Braun in seinem Haus Unterschlupf zu gewähren, erst recht, als ihm seine Frau eröffnet, dass er Jude ist. Letztlich erklärt er sich aber ihr zuliebe bereit, Braun für eine Weile zu beherbergen. Allerdings nur unter der Bedingung, dass Braun sein Diener wird.

Auch nach einigen Wochen noch fühlt sich der Professor von Brauns ununterbrochener Anwesenheit im Hause belästigt. Eine direkte Unterredung mit ihm entlarvt den Professor als Antisemiten, der seine Ablehnung gegen alles Jüdische intellektuell begründet. Da platzt Karls Freund Siggi herein und meldet, dass Gretel bei einer illegalen Versammlung aufgegriffen und auf der Flucht erschossen wurde. Monate später. Karl und Braun haben sich miteinander arrangiert. Siggi kümmert sich als Mitarbeiter der Stadtverwaltung mittlerweile um die administrative Selektion von Verfolgten des Dritten Reiches. Er vertraut Braun an, dass ihn sein Vorgesetzter zu einer Erschießung Homosexueller mitgenommen und von ihm verlangt hat, dass auch er einen von ihnen exekutiert. Nun verfolgt ihn der letzte Blick seines Opfers. Braun entpuppt sich als schwulenfeindlich. Ehe er geht, deutet Siggi ihm an, er wisse, dass Braun Jude sei. Wenig später kommt Karl dahinter, dass Braun und Gretel ein Verhältnis hatten. Karl beschimpft ihn und wirft ihn aus dem Haus. Als Braun schon wenige Minuten später zurückkommt, duldet Karl seine Rückkehr und gewährt ihm stillschweigend Asyl.

Die Alliierten kommen näher, die Niederlage ist unausweichlich, zugleich werden die Razzien nach Juden immer heftiger. Siggi ist inzwischen zu einem Rad in der Tötungsmaschinerie der Nazis geworden. Auch sein Freund Karl würde als "Judenfreund" zusammen mit Braun deportiert werden. Er will ihn nicht denunzieren und warnt die beiden, als seine Behörde über andere Kanäle von Braun erfährt. Braun wagt eine ungewisse Flucht, während Karl und Siggi, im Wissen über ihren und ihres Landes Untergang, gemeinsam auf die Apokalypse warten.

David Wiltse ist ein bemerkenswertes, spannendes, rührendes, scharfsinniges Stück gelungen. Anhand einer fiktiven, geschickt konstruierten Geschichte über Täter, Opfer und Mitläufer des Dritten Reiches gelingt ihm weit mehr als nur ein Stück über die Nazizeit. Den Autor interessiert die Frage, wie es sein kann, dass aus ganz normalen Menschen Dulder oder gar Vollstrecker eines Genozids werden können. Wiltse gelingt es, den Wandel anhand sehr genau charakterisierter und differenzierter Menschen aufzuzeigen, ohne dabei seine Figuren zu verraten, zu idealisieren oder zu verteufeln.

Hinweis:
Für dieses Stück können Aufführungsrechte
an Amateurtheater erst nach der deutschsprachigen Erstaufführung vergeben werden.