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"Alles Schwindel" von Mischa Spoliansky am Maxim Gorki Theater in Berlin
Das Publikum des Berliner Maxim Gorki Theaters wird am 17. Dezember sowohl in...

"Die Kaiserin" am Theater Baden bei Wien
Punktgenau zum 300. Geburtstag der Habsburger-Ikone und Langzeit-Regentin...

"Die lustigen Nibelungen" von Oscar Straus am Badischen Staatstheater Karlsruhe
"Er sieht so miesepetrig aus, und nicht wie sonst so munter – was hat er...

Neu bei FBE: "General Wunde" von Joël László
Die Hautkrankheit des Neugeborenen verändert das Leben von Anja und Samuel....

"Die Regeln des Sommers" in der Regie von Hannah Biedermann am Jungen Nationaltheater Mannheim
Hannah Biedermann, frisch mit dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST für die...

"Venedig im Schnee" am Theater an der Effingerstraße Bern, den Bühnen der Stadt Gera, dem Theater Schloss Maßbach
Gleich drei Premieren von Venedig im Schnee von Gilles Dyrek gibt es im...

Berlin-Premiere: "Weihnachten auf dem Balkon" an der Komödie am Kurfürstendamm
Am 3. Dezember war die Premiere von Weihnachten auf dem Balkon von Gilles...

UA "Broken German" von Tomer Gardi am Schauspiel Graz
Mitte November wurde Noam Brusilovskys Hörspielbearbeitung von Tomer Gardis...

"Nachts" von Franziska Henschel am Theater Oberhausen
"Die Farben weg, die Geräusche lauter. Die Uhren langsamer, dafür das Ticken...

SchreibenDenkenHören: "Der korallene Wald" von Ruth Johanna Benrath
Words don't come easy. Textproduktion ist oft ein hartes Ringen zwischen...

"Wartesaal" nach Lion Feuchtwanger an den Münchner Kammerspielen
Ein "leiser und konzentrierter Abend" (Nachtkritik): Stefan Pucher inszeniert...

Neu bei FBE: "Nach Luft jagen" von Michael A. Müller
Penelope möchte uralt werden. Wie Oma. Die sagte mal, jedes Ticken der Uhr,...

DSE: "Die Zertrennlichen" von Fabrice Melquiot am Schauspiel Frankfurt
Am Schauspiel Frankfurt ist am 26.11. Fabrice Melquiots neues Stück Die...


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Feuchtwanger, Lion

Feuchtwanger wurde am 7. Juli 1884 in München geboren. Er studierte Philologie und Philosophie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde der pazifistisch-sozialkritische Schriftsteller aus Deutschland ausgebürgert; seine Werke fielen der Bücherverbrennung zum Opfer. Feuchtwanger flüchtete nach Frankreich, wo er bis zu seiner Inhaftierung 1940 lebte. Noch im gleichen Jahr gelang ihm die Flucht über Spanien und Portugal in die USA. Zusammen mit Bertolt Brecht und Willi Bredel gab Feuchtwanger hier die Emigrantenzeitschrift "Das Wort" heraus. In seinem ersten historischen Roman, Die häßliche Herzogin (1923, später unter dem Titel "Margarete Maultasch" veröffentlicht), beschrieb er das Leben in Tirol im 14. Jahrhundert. Ihm folgten Jud Süß (1925), ein Roman, der im 18. Jahrhundert angesiedelt ist, und die Josephus-Trilogie, bestehend aus den Romanen Der jüdische Krieg (1932), Die Söhne (1934) und Der Tag wird kommen (1945).

In seinem dokumentarischen Roman Erfolg (1930) stellte Feuchtwanger die Ereignisse in München ab der Revolution von 1919 bis 1930 dar. Der Roman stellt den ersten Teil seiner "Wartesaal-Trilogie" dar, in der sich der Autor mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte. Zu Feuchtwangers bedeutenden Werken, die er nach seiner Flucht aus Deutschland im amerikanischen Exil schrieb, gehören Die Geschwister Oppermann (1933) und Exil (1940), der zweite und dritte Teil der "Wartesaal-Trilogie" sowie die Romane "Waffen für Amerika" (1947, auch unter dem Titel Die Füchse im Weinberg erschienen) und Die Jüdin von Toledo (1954, 1955 auch unter dem Titel "Spanische Ballade" erschienen).

Feuchtwanger starb am 21. Dezember 1958 in Los Angeles.

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Lion Feuchtwanger
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Der holländische Kaufmann

Ein Stück in drei Akten
1D, 9H
UA: 05.01.1923, Residenztheater München

Unmittelbar nach Kriegsende entstand Feuchtwangers Kolonialschauspiel Der holländische Kaufmann, in dem die Hauptfigur Daniel Raule sich dafür einsetzt, afrikanische Kolonien für das Land Brandenburg einzunehmen. Die Räte und Sozietäre der Seehandelskompanie, denen er sein Vorhaben erläutert, möchten sein Vorhaben finanziell nicht unterstützen. Doch er findet einen Weg, die ängstlichen Skeptiker zu überzeugen.
Kurze Zeit später trifft die Meldung ein, die Schiffe seien verloren. Die Gesellschaft sei bankrott. Der "listenreiche Ulysses", wie sich Raule mittlerweile übermütig selbst bezeichnet, hat natürlich bereits vorgesorgt. Er hatte vorher einen Geheimvertrag mit der Senegalgesellschaft geschlossen, der absichert, dass seine Schiffe nicht eingenommen werden. Nicht wissend, dass sein früherer bester Mann Henning den Vertrag nicht abgeschlossen hat. Enttäuscht hatte dieser sich von Raule abgewandt: "Alle gehören wir ihm. Alle frisst er uns und schlingt uns in sich hinein." (Henning)
Dies ahnt Raule nicht, sonnt sich in Zukunftsvisionen und feiert seinen Erfolg. Dabei stößt er, von Machteifer ergriffen, sein privates Umfeld vor den Kopf. Sein Handeln nimmt immer grausamere Züge an und immer mehr manövriert er sich damit in die Einsamkeit, bis schließlich niemand ihm mehr etwas Gutes wünscht. Als er dann am Ende wirklich einen Erfolg zu verzeichnen hat, endlich den Kurfürsten für seine Pläne gewinnt, ist niemand mehr an seiner Seite, mit dem er diesen Erfolg teilen kann.

Feuchtwangers Vision des Tatmenschen spiegelt sich in der Figur Raules wieder: Mit unbändigem Willen strebt er nach Erfüllung seiner Wünsche, versucht er in neue Kontinente vorzudringen. Seinen Erfolg bezahlt er jedoch mit völliger Vereinsamung. Der holländische Kaufmann, so beschreibt es der Autor selbst, "bedeutet im Werdegang (...) die Rückkehr und das Bekenntnis zu dem Individualismus, von dem er ausging." Einige Regisseure wollten das Stück nach seiner Uraufführung inszenieren, doch Feuchtwanger selbst sah darin eine größere Gefahr und untersagte weitere Aufführungen: Er wollte verhindern, dass das diktatorische Handeln der Hauptfigur Raule in der Zeit des wachsenden Führerkults fehlinterpretiert würde.

Lion Feuchtwanger über das Stück:Der holländische Kaufmann ist in den Jahren 1919/20 geschrieben. Es bedeutet im Werdegang des Autors nach einem vergeblichen Versuch, in den Gefühlen der Masse unterzutauchen (gemeint ist sein Roman Thomas Wendt), die Rückkehr und das Bekenntnis zu dem Individualismus, von dem er ausging."