20.02.2018

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Wiederentdeckt: "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder
Nahe einer schwer passierbaren Landesgrenze im Hochgebirge treffen drei...

Neu bei FBE: "Das Mädchen Wadjda" von Haifaa Al Mansour
Riad, Saudi-Arabien: Die zehnjährige Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher...

DSE: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 3. Februar ist die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Lazarus...

"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

Neu bei FBE: "Das Molekül" von William W. Murta
Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

Neu bei FBE: "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer
19. Jahrhundert, Zeit des polnischen Aufstandes gegen die russische...

Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
Wenn sich die High Society amüsiert und Hochzeit feiert, ist auch die...

Neu bei FBE: "Rabbit Hole" von David Lindsay-Abaire
Becca und Howie Corbett sind mit ihrem vierjährigen Sohn Danny eine...

"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
Die Kritik an einem hinter dem Individualismus versteckten Zwang zu...


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Bild von Roland ToporTopor, Roland
Foto: © Hans-Jürgen Lechtreck  

Roland Topor, 1938 als Sohn polnisch-jüdischer Emigranten geboren, lebte und arbeitete u.a. als Autor, Maler, Regisseur und Bühnenausstatter in Paris. Seine gesammelte Arbeit ist stark von den Surrealisten beeinflusst. Das Bizarre, Groteske und Alptraumhafte wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn zum Meister der makabren Pointe.

Das Multitalent war ein hochbegabter und vielseitiger Künstler, der sich nie spezialisieren wollte. Er schrieb sowohl Drehbücher als auch Romane, darunter „Memoiren eines alten Arschlochs“ und den von Roman Polanski verfilmten Roman „Der Mieter“, in dem der Regisseur selbst die Hauptrolle übernahm. Er schuf hinreißende Zeichentrick- und Animationsfilme, für die er u.a. in Cannes ausgezeichnet wurde. Als Schauspieler stand er auch vor der Kamera, so in Herzogs "Nosferatu" und Schlöndorffs "Eine Liebe von Swann". Er entwarf auch Film- und Theaterplakate (über viele Jahre für die Münchner Kammerspiele). Mit seinen international erfolgreichen Theaterstücken machte er sich insbesondere in Deutschland einen Namen als Dramatiker. In seinen Werken blickt Topor hinter die blendende Fassade und zeigt die Abgründe und Ängste der Menschen, die er in überspitzten, surealen Bildern ausdrückt.

 

Joko feiert seinen Jahrestag

(Joko fête son anniversaire)
Deutsch von Nikolaus Klocke
3D, 6H
UA: 1975, Théatre de Poche Brüssel

Während eines Kongresses, der gerade in der Stadt tagt, werden die Teilnehmer auf den Rücken von Joko und seinen Kollegen durch die Stadt transportiert. Joko weigert sich zunächst, doch braucht er Geld, um seine Eltern und seine Schwester zu versorgen. Als eines Tages einige Teilnehmer an Jokos Körper kleben bleiben, muss er diese mit nach Hause nehmen. Allmählich bekommt die Gruppe Hunger und so locken sie Jokos Schwester in sein Zimmer, um sie bei lebendigem Leib zu verspeisen. Das Stück endet in einem blutigen Gemetzel. Jokos Mutter will den Spuk beenden und greift beherzt nach der Axt: Doch die Toten nehmen Jokos Körper ganz in ihren Besitz.

Fressen oder gefressen werden – Roland Topor benutzt brutale Bilder, um hinter die perfekte Fassade zu schauen. In den Hinterzimmern der menschlichen Psyche tummeln sich Ängste und Instinkte. Und die stehen im Interesse des Künstlers Topor. Er sammelt grauenhafte Bilder zusammen, um zu zeigen, wohin sich die Brutalität, die uns real umgibt, noch steigern kann. Eine Schocktherapie mit den Mitteln der Kunst.