19.02.2018

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Wiederentdeckt: "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder
Nahe einer schwer passierbaren Landesgrenze im Hochgebirge treffen drei...

Neu bei FBE: "Das Mädchen Wadjda" von Haifaa Al Mansour
Riad, Saudi-Arabien: Die zehnjährige Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher...

DSE: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 3. Februar ist die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Lazarus...

"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

Neu bei FBE: "Das Molekül" von William W. Murta
Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

Neu bei FBE: "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer
19. Jahrhundert, Zeit des polnischen Aufstandes gegen die russische...

Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
Wenn sich die High Society amüsiert und Hochzeit feiert, ist auch die...

Neu bei FBE: "Rabbit Hole" von David Lindsay-Abaire
Becca und Howie Corbett sind mit ihrem vierjährigen Sohn Danny eine...

"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
Die Kritik an einem hinter dem Individualismus versteckten Zwang zu...


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Bild von Franz ArnoldArnold, Franz

Der 1878 in Znin bei Bromberg geborene Arnold begann seine Bühnenlaufbahn als Schauspieler im jugendlichen Alter von 19 Jahren in Eberswalde.
Nach Stationen in der Provinz kam er 1907 nach Berlin, wo er am Friedrich-Wilhelmstädtischen Theater als Komiker die Herzen seines Publikums eroberte. Schwank und Lustspiel bestimmten das Repertoire des Lustspielhauses an der Friedrichstraße. Dort lernte Arnold den Schauspieler, Regisseur und Schwankautor Ernst Bach kennen und es begann eine überaus erfolgreiche Zusammenarbeit. In gemeinsam verfassten, von Bach inszenierten Stücken, überzeugten beide auch mit ihren komödiantischen Leistungen.
Nach dem ersten Weltkrieg ging Bach als Direktor des Volkstheaters nach München, Arnold widmete sich den weiterhin gemeinsam geschriebenen Stücken an verschiedenen Berliner Theatern. Seit 1920 folgte Stück auf Stück. Zur Produktion trafen sich die Partner entweder in Garmisch oder am Starnberger See.
1929 wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit durch Bachs Tod beendet. Nach 1933 emigrierte Arnold nach England, wo er 1960 starb.

 

Das öffentliche Ärgernis

Schwank in drei Akten
6D, 4H

Der Bürgerliche Lutz Weber will seine Angebetete Helma heiraten. Da aber deren Vormund, eine Generalswitwe und deren Bruder, Professor für "Rassenhygiene", mindestens einen Adligen für ihr Mündel verlangen, besorgt Lutz’ Onkel Pietsch seinem Neffen einen Adelsbrief und sich selbst den Titel "Konsul von Nigeria". Die Tante Generalin und der Onkel mit dem Rassenfimmel sind begeistert.

Beim Nachmittagstee berichtet der Onkel vom Besuch eines skandalösen Revuetheaters, in dem eine afrikanische Nackttänzerin Dorine (unschwer als Persiflage auf Josefine Baker zu erkennen) aufgetreten sei. Stolz berichtet der Herr Professor davon, dass er für diese Tänzerin ein Auftrittsverbot erwirkt habe.
Nun ist die wilde Dorine ausgerechnet Nigerianerin, und natürlicherweise sucht sie Hilfe bei ihrem Konsul. Als sie dabei auch noch auf ihren Ex-Geliebten aus Paris trifft, der niemand anders ist als Lutz, zieht sie entzückt mit Mama und Tigerbaby in die Villa ihres Konsuls ein - im exterritorialen Gebiet kann man ihr ja nichts anhaben.

Als die Tante General und der Onkel Rassenprofessor von der Anwesenheit Dorines Wind bekommen, ist an die beabsichtigte Verbindung der beiden Familien nicht mehr zu denken. Lutz verflucht die ganze Maskerade von Pietsch, die nur Unglück gebracht hat - jetzt hat er auch noch eine Geliebte am Hals, die er gar nicht will. Doch Pietsch kann helfen, als sich herausstellt, dass Dorine die Tochter des Rassenprofessors ist, der wohl die Naturstudien etwas zu gründlich betrieben hat. Bloßgestellt und zähneknirschend finden Onkel und Tante den durch und durch bürgerlichen Lutz Weber ganz adrett.

Dieses Stück ist das letzte Werk Frank Arnolds, das noch in Deutschland im Schatten des heraufziehenden Nationalsozialismus uraufgeführt wurde. Nach der Premiere 1932 am deutschen Theater schrieb die Berliner Morgenzeitung: "Was sich da auf der Bühne an komischen Situationen abspielt, das ist zwechfellerschütternd. Die witzige Persiflage des Rassenfimmels hebt diese harmlos-lustige Angelegenheit sogar über den Schwankpegel hinaus."