23.02.2018

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Oliver Schmaering für Mülheimer Kinderstückepreis nominiert
In dir schläft ein Tier von Oliver Schmaering ist für den Kinderstückepreis...

Neu bei FBE: "Das Molekül" von William W. Murta
Mit biografischen Schlaglichtern erzählt William Ward Murta in seinem Musical...

Wiederentdeckt: "Der Flüchtling" von Fritz Hochwälder
Nahe einer schwer passierbaren Landesgrenze im Hochgebirge treffen drei...

Neu bei FBE: "Das Mädchen Wadjda" von Haifaa Al Mansour
Riad, Saudi-Arabien: Die zehnjährige Wadjda wünscht sich nichts sehnlicher...

DSE: "Lazarus" von David Bowie und Enda Walsh am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 3. Februar ist die deutschsprachige Erstaufführung des Musicals Lazarus...

"Grimm!" von Thomas Zaufke und Peter Lund am Theater Erfurt
Mit dem bösen Wolf hat schon so ziemlich jeder seine Erfahrungen gemacht. So...

Neu bei FBE: "Polnische Hochzeit" von Joseph Beer
19. Jahrhundert, Zeit des polnischen Aufstandes gegen die russische...

Neuübersetzung "High Society" am Landestheater Coburg
Wenn sich die High Society amüsiert und Hochzeit feiert, ist auch die...

Neu bei FBE: "Rabbit Hole" von David Lindsay-Abaire
Becca und Howie Corbett sind mit ihrem vierjährigen Sohn Danny eine...

"Die Nashörner" am Staatsschauspiel Dresden
Die Kritik an einem hinter dem Individualismus versteckten Zwang zu...


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Vaterliebe (L'homme Gris)

Deutsch von Paul Bäcker
1D, 1H

Roland Frechette betritt mit seiner Tochter Christine ein schäbiges Motelzimmer im französisch sprechenden Teil Kanadas. Er will seine „Cri-Cri“ nach Hause zurückholen, sie aus den Klauen ihres gewalttätigen Ehemannes befreien. Christine ist bereits seit ihrem zwölften Lebensjahr magersüchtig und psychisch krank. Die titelgebende Vaterliebe erweist sich bei diesem Gang durch die abgrundtiefe Familiengeschichte als blanke Heuchelei: Papa Frechette und „Mutti“, die Gattin daheim, haben offenbar schon immer alle Probleme auf ihr Einzelkind projiziert. Die eigene Unsicherheit der Eltern wird in Alkohol ertränkt oder durch Riten kleinbürgerlich-korrekter Spießigkeit zu kaschieren versucht. Beide betreten das Zimmer. Der pedantische Papa naßforsch, muß gleich den Fernseher ausprobieren, den Fast-Food-Beutel auf dem Tisch ausbreiten, die Schnapsflasche im Bad deponieren – man(n) trinkt, aber nicht ganz so offensichtlich vor den Augen der eigenen, wenn auch längst erwachsenen Tochter. „Cri-Cri“ dagegen stumm und mit großen, dunklen Augen: eine junge Frau, die getröstet und in den Arm genommen werden will. Doch Papa Roland verhält sich wie ein Angsthase im dunklen Wald: er plappert so pausenlos und unmäßig, wie er die Hähnchen mit Fritten in sich hinein stopft. Papa Roland denkt, lenkt und handelt für Tochter Christine mit, die allzu lange Zeit keine Kraft zur Gegenwehr aufbringt. Statt dem Vater die richtigen Antworten zu geben, kotzt sie sich regelrecht aus auf dem Klo.So wird die stumme Beobachterin „Cri-Cri“ selbst allmählich ruhiger, nachdem sie beobachtet, wie ihr Vater immer nervöser an der unangezündeten Zigarette saugt, immer häufiger im Bad sein Wasserglas mit Schnaps füllt, weil er sich an etwas festhalten muß. Jetzt ist es an ihr, die erste Zigarette ihres Lebens anzuzünden, sich in einer jungmädchenhaft-wilden Geste im Kreis zu drehen und, zunächst übervorsichtig-stotternd, das Wort an den Vater zu richten. Es ist der Anfang vom Ende, denn nun holt Roland die Vergangenheit der Familie ans Licht, weckt bei Christine Kindheitserinnerungen. Während er zunächst von seinem Vaterstolz berichtet, davon, wie er auch an ihrer körperlichen Entwicklung Anteil genommen hat, macht er Christine bald auf perfide Art herunter, indem er ihre psychische Labilität in den Vordergrund rückt: „Du solltest lernen, nicht alles mit dir machen zu lassen. Weil es sein könnte, daß ich eines Tages nicht mehr da bin.“ Als sie sich daraufhin ihren Schädel an der Tür blutig schlägt, will er überstürzt das Motel verlassen und nach Hause zurückkehren. Doch Christine hat plötzlich seine Schnapsflasche in der Hand...

Werk aus dem Programm des Theaterverlag Werk aus dem Programm des Theaterverlag Desch