25.06.2017

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Rückblick: Uraufführung "Umständliche Rettung" von Martina Clavadetscher am Schauspiel Essen
Am 28. April wurde am Schauspiel Essen das Stück Umständliche Rettung von...

Slowenische Erstaufführung: "Alle da!" von Anja Tuckermann in Ljubljana
Am 22. Juni findet am Mini Teater in Ljubljana die slowenische Erstaufführung...

Neu bei FBE: "SUPERBUHEI" von Sven Amtsberg
Dass Hannover-Langenhagen der Platz sein würde, den das Leben ihm zugedacht...

Wir trauern um Ulf Stark
Der schwedische Kinderbuchautor Ulf Stark ist am 12. Juni im Alter von 73...

Volker Ludwig feiert 80. Geburtstag
Wir gratulieren Volker Ludwig ganz herzlich zu seinem 80. Geburtstag!...

UA: "Die Analphabetin, die rechnen konnte" bei den Burgfestspielen Jagsthausen
Die Burgfestspiele Jagsthausen präsentieren am 10. Juni die Uraufführung von...

Privattheatertage in Hamburg: 13. bis 25. Juni
"Privattheater sind eine wichtige Säule in unserer Theaterlandschaft, sie...

Neu bei FBE: FALKNER
Die österreichische Schriftstellerin, Dramatikerin und Hörspielregisseurin...

Sommertheaterpremieren Teil 1
Passend zur Hochsaison der Eheschließungen starten die diesjährigen...

DSE: "Herbstrasen" von Eric Coble am Grenzlandtheater Aachen
Am 1. Juni bringt das Grenzlandtheater Aachen Eric Cobles Stück Herbstrasen...

Neu bei FBE: "Leben Lieben Listen" von Adam Barnard
"Du wirst sterben. Wir beide werden es." Jede Stimme sucht auf eine andere,...

Neu bei FBE: "Walter Nowak bleibt liegen" von Julia Wolf
Mit verblüffender erzählerischer Souveränität und großer Empathie zeichnet...

Erstaufführung: "Kommissar Gordon - Der erste Fall" von Ulf Nilsson in Bielefeld
Am Trotz-Alledem-Theater in Bielefeld begibt sich ab 27. Juni Ulf Nilssons...

Willi Fährmann gestorben
Wir trauern um Willi Fährmann. Am 25. Mai starb der Kinder- und...


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Bild von Friedrich DürrenmattDürrenmatt, Friedrich

Friedrich Dürrenmatt zählt mit seinen nahezu 30 Stücken zu den bedeutendsten Schweizer Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Vor allem in den 50er und 60er Jahren feierte er mit Stücken wie Der Besuch der alten Dame oder Die Physiker Triumphe. Daneben entstanden zahlreiche theatertheoretische Schriften und ein beachtliches erzählerisches, häufig in Justiz- und Kriminalmilieu angesiedeltes Werk.

Der als Sohn eines protestantischen Pfarrers 1921 in Konolfingen bei Bern geborene Dürrenmatt studierte zunächst Germanistik, Philosophie und Naturwissenschaften und wollte Maler werden ehe er sich 1945 endgültig dem Schreiben zuwandte. Interesse für aktuelle gesellschaftspolitische Fragen wie die Wirtschaftswundermentalität oder das atomare Wettrüsten prägte sein Werk trotz mythologischer und historischer Stoffe bis ins hohe Alter, wobei ihn seine pessimistische Weltsicht an der Veränderbarkeit der Verhältnisse eher zweifeln ließ. So bleibt seines Erachtens nach nur die Komödie mit all ihren Zufälligkeiten und Verzerrungen die einzig vertretbare Form der Darstellung einer undurchschaubaren Welt, in der das Individuum seine Machtlosigkeit erlebt.

Nachdem zwischen 1952 und 1962 seine wichtigsten Dramen entstanden waren, war Dürrenmatt danach als Regisseur und Direktionsmitglied am Basler Theater (1967 – '69) und als Berater des Zürcher Schauspielhauses (1970 – '72) tätig und bearbeitete Stücke u.a. von Shakespeare, Lessing, Büchner und Strindberg.

Ende der 80er Jahre zog sich Dürrenmatt nach heftiger kulturpolitischer Polemik vom Theater zurück. Wenige Jahre später starb er am 14. Dezember 1990 in Neuenburg.


Weitere Informationen zu Friedrich Dürrenmatt

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Friedrich Dürrenmatt
Autorenbroschüre
Leben und Werk

 

Die Wiedertäufer

Komödie in zwei Teilen
9D, 26H, Statisterie
UA: 16.03.1967, Schauspielhaus Zürich

Mit Die Wiedertäufer schrieb Dürrenmatt eine Neufassung seines frühen Dramas "Es steht geschrieben", welche im Gegensatz zur Urfassung von 1947 nüchterner ausfällt und mit scharfer Sprache und knappen Sätzen arbeitet. Im freien Umgang mit dem geschichtlichen Hintergrund der Wiedertäufer in Münster fand Dürrenmatt eine Handlungsgrundlage für seine Parabel über die Leichtgläubigkeit und Verführbarkeit der Menschen.

Im Jahr 1533 erreichen die Wiedertäufer unter Anführer Jan Matthison Münster, sie wollen die Stadt evangelisieren und in Münsters Mauern ein neues Jerusalem errichten. Gleich zu Beginn trifft die Truppe auf den gerade aus einer Ohnmacht erwachenden Johann Bockelson. Dieser gibt an, Schauspieler gewesen zu sein, bis eine Stimme, mitten in der Hauptprobe zu König Ödipus, ihm befohlen hätte, Täufer zu werden.

Mit Redegewandtheit und eingängigen Parolen gewinnen die Wiedertäufer zahlreiche Anhänger in der Stadt, darunter auch den Bürgermeister Knipperdolinck, was ihnen politische Macht in der Stadt verschafft. Andersgläubige werden hingerichtet oder aus der Stadt vertrieben, so auch Bischof Franz von Waldeck, der vor die Tore der Stadt flüchtet und dort ein Heer aufstellt, er will Münster von den Wiedertäufern „befreien“. Als bei einem Angriff auf Münster Jan Matthison getötet wird, übernimmt Bockelson die Anführerrolle und setzt den eingeschlagenen Weg brutal fort.

Auf die Bitte von Bischof von Waldeck senden schließlich Kaiser Karl V., der Kardinal, der Landgraf von Hessen und ein Kurfürst zur Unterstützung Teile ihrer Truppen nach Münster. Die vom Belagerungszustand mittlerweile geschwächten Wiedertäufer werden bei einem Angriff vernichtend geschlagen. Einzig Johann Bockelson entgeht seiner Hinrichtung, denn es gelingt ihm, den Kardinal mit seiner Schauspiel- und Redekunst zu überzeugen und in dessen Hoftheatertruppe aufgenommen zu werden. Doch um den Schein zu wahren, wird ein anderer anstelle seiner für alle sichtbar hingerichtet. Ein ironisches Spiel um Macht, religiösen Wahn und Eigennutz.