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"Der Vorname" am Theater Baden-Baden
Am 25. Juni hatte Katrin Hentschels Inszenierung des Komödien-Klassikers Der...

"Kopfkino" von Thomas Zaufke und Peter Lund gewinnt beim New York Independent Film Festival
Thomas Zaufke und Peter Lund haben mit ihrem Musicalfilm Kopfkino beim New...

Ariane Koch beim Hans-Gratzer-Stipendium 2020
Ab 9. Mai werden die Stückentwürfe der sechs Finalist*innen des...

Sina Ahlers und Johanna Kaptein beim Heidelberger Stückemarkt
Sina Ahlers und Johanna Kaptein sind mit ihren Stücken Schamparadies und...

"Autoren schlagen Alarm" (Der Tagesspiegel)
Der Tagesspiegel berichtete am 12. Mai über ein drängendes Problem im Zuge...

"Der Fiskus" von Felcia Zeller in Mülheim
Felicia Zellers Stück Der Fiskus wurde für den Mülheimer Dramatikerpreis...

Neu: "Gigiwonder. Die Geschichte eines Beins" von Vera Schindler
Die Arbeiten laufen gut und Gigis Augen werden schwer. Als er aufwacht, ist...

Neu: "Noch einen Augenblick" von Fabrice Roger-Lacan
Suzanne liebt ihren Mann wie eh und je, auch wenn der eifersüchtige Julien...

Neu: "Wie der Vater, so der Sohn" von Clément Michel
Was, wenn Vater und Sohn eines Morgens im Körper des anderen aufwachen?...

Neu: "Hawaii" von Cihan Acar
Es sind die heißesten Tage im Jahr, Hundstage, die, so glauben manche,...

Neu: "Wolf unter Wölfen" (Oper) von Søren Nils Eichberg und John von Düffel
"Es ist hungrige Zeit, Wolfszeit. Wer stark ist, lebe! Aber wer schwach ist,...


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Aktuelle Premierenberichte
Bild von Roland ToporTopor, Roland
Foto: © Hans-Jürgen Lechtreck  

Roland Topor, 1938 als Sohn polnisch-jüdischer Emigranten geboren, lebte und arbeitete u.a. als Autor, Maler, Regisseur und Bühnenausstatter in Paris. Seine gesammelte Arbeit ist stark von den Surrealisten beeinflusst. Das Bizarre, Groteske und Alptraumhafte wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn zum Meister der makabren Pointe.

Das Multitalent war ein hochbegabter und vielseitiger Künstler, der sich nie spezialisieren wollte. Er schrieb sowohl Drehbücher als auch Romane, darunter „Memoiren eines alten Arschlochs“ und den von Roman Polanski verfilmten Roman „Der Mieter“, in dem der Regisseur selbst die Hauptrolle übernahm. Er schuf hinreißende Zeichentrick- und Animationsfilme, für die er u.a. in Cannes ausgezeichnet wurde. Als Schauspieler stand er auch vor der Kamera, so in Herzogs "Nosferatu" und Schlöndorffs "Eine Liebe von Swann". Er entwarf auch Film- und Theaterplakate (über viele Jahre für die Münchner Kammerspiele). Mit seinen international erfolgreichen Theaterstücken machte er sich insbesondere in Deutschland einen Namen als Dramatiker. In seinen Werken blickt Topor hinter die blendende Fassade und zeigt die Abgründe und Ängste der Menschen, die er in überspitzten, surealen Bildern ausdrückt.

 

Ein Winter unterm Tisch

(L´hiver sous la table)
Deutsch von Marietta Piekenbrock
2D, 3H
UA: 11.09.1994, Nationaltheater Mannheim

"Wenn die illegalen Einwanderer wie Untermenschen behandelt werden, ist es doch normal, wenn sie unter den Tischen leben." (Roland Topor)

Das Stück erzählt die Geschichte des Schusters Dragomir, der als Einwanderer unter dem Tisch der Übersetzerin Florence Asyl erhält. Eine absurde Grundsituation, die sehr komisch ist, weil beide Protagonisten ihr ungewöhnliches Zusammenleben als vollkommen selbstverständlich annehmen. Es entspinnt sich eine so zarte wie erotische Liebesbeziehung zwischen Florence und Dragomir, denn Dragomirs Unterkunft zu Füßen der schönen Übersetzerin lässt besondere Einblicke zu. Alles ist solange gut, bis Raymonde, eine Freundin von Florence, und Marc Thyl, ihr Verleger und Verehrer, in dem Asylanten Dragomir ein Problem und eine Bedrohung sehen.

Roland Topor begann seine Arbeit an dem Werk Ein Winter unterm Tisch als in Frankreich gerade Aktionen der "sans-papiers", der illegalen Einwanderer, einsetzten. Ihr Wunsch nach einem geregelten Status in der französischen Gesellschaft und einer Aufenthaltsberechtigung wurde mehr und mehr in der Öffentlichkeit diskutiert. Mit Dragomir, der in Topors Stück unter dem Tisch lebt, schafft er ein drastisches Bild der Verhältnisse der damaligen Zeit und erhebt künstlerisch Einspruch. Auch persönliche Erlebnisse fließen in das auffällig zarte Werk ein. Während der nationalsozialistischen Besetzung Frankreichs, musste Topor sich allein bei fremden Bauern auf dem Land verstecken. Die Angst vor der möglichen Entdeckung begleiteten ihn täglich.

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