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DE: "Leonce und Lena" von Erich Zeisl am Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg Buchholz
Der 1905 in Wien geborene Komponist Erich Zeisl, Sohn eines jüdischen...

UA: "Kill Baby" von Ivana Sokola am Nationaltheater Mannheim
Am 17.9. ist die Uraufführung von Kill Baby am Nationaltheater Mannheim...

ÖEA: "Vincent van Gogh" von Kverndokk & Wiik beim Musical Frühling Gmunden
In der Art eines farbenreichen, rasanten Bilderbogens erzählt das Musical...

Unsere Ur- und Erstaufführungen im September
Wir freuen uns auf 15 Ur- und Erstaufführungen im September und senden...

Neu bei FBE: "Der Sandmann" von Robert Wilson
Robert Wilson und die Singer-Songwriterin Anna Calvi erwecken E.T.A Hoffmann...

UA: "Der Mann, der eine Blume sein wollte" von Anja Tuckermann am Düsseldorfer Schauspielhaus
Am 24. September 2021 feiert Der Mann, der eine Blume sein wollte von Anja...

Inszenierung des Jahres: "Einfach das Ende der Welt"
Wir gratulieren Regisseur Christopher Rüping, dem Schauspielhaus Zürich und...

Hörspiel: "Pig Boy. 1986-2358. Replay der Menschwerdung" von Gwendoline Soublin
Schweine-Junge, Schweine-Prozess, Schweine-Utopie: In drei Episoden einer...

UA: "Hawaii" von Cihan Acar am Theater Heilbronn
Am 24. September hat Cihan Acars Roman Hawaii am Theater Heilbronn...

DSE: "Weinprobe für Anfänger" von Ivan Calbérac am Theater Chemnitz
Am 25. September 2021 kommt Weinprobe für Anfänger von Ivan Calbérac am...

DSE: "Schimmerndes Wasser" von Johanna Emanuelsson am Theater Heidelberg
Am 24. September 2021 wird Schimmerndes Wasser von Johanna Emanuelsson am...

UA: "Der Sonnenkönig" von Werner Holzwarth am Consol Theater Gelsenkirchen
Am 5. September 2021 kommt Der Sonnenkönig von Werner Holzwarth zur...

DSE: "Zwei Lügen, eine Wahrheit" von Blanc/ Poiret am Mittelsächsischen Theater
Am 25. September 2021 kommt Zwei Lügen, eine Wahrheit von Sébastien Blanc und...


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Bild von Fred RaymondRaymond, Fred

Der am 20. April 1900 in Wien geborene Friedrich Vesely (so sein bürgerlicher Name) wurde nach dem Willen des Vaters, der einer böhmischen Musikantenfamilie entstammte, zunächst Bankbeamter. Von Talent und Neigung aber zur Musik bestimmt, wandte er sich bald ganz seiner eigentlichen, der leichten Muse zu. Als Chansonnier am Flügel trat er mit eigenen Liedern im Kabarett auf. Der Textdichter Fritz Grünbaum förderte den begabten jungen Mann, und dieser revanchierte sich 1924 mit einer kleinen Revue, darin sein erster Schlager "Ich hab´ das Fräul´n Helen baden ´sehn". Der größte Erfolg aus dieser Zeit "Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren" wird zu einem Welthit und beweist Raymonds außergewöhnliche Fähigkeit im Erfinden von Melodien, die leicht zu Ohren gehen. Wie sich das einfache volksliedhafte Motiv aufschwingt, wie der leicht punktierte Rhythmus den feinen Melodiebogen immer neu belebt, wie die Harmonik schlicht und zurückhaltend nur einmal, aber an der richtigen Stelle, der Gefühlsemphase zart Nachdruck verleiht, das zusammen bildet eine Einheit aus heiterer Beschwingtheit und Sentiment, die sich unmittelbar auf den Hörer überträgt. Leider hatte er das Lied für nur 300 Mark an den Bohème-Verlag abgetreten, so dass er am finanziellen Gewinn nicht beteiligt war. Das schmerzte den ehemaligen Banker, und so schrieb er um diesen Schlager ein ganzes Singspiel. Die Rechnung ging auf, nicht nur für ihn, die Librettisten Beda und Neubach, sondern auch für die Wiener Volksoper, an der die gleichnamige Operette 1927 herauskam und mit über siebenhundert Vorstellungen zum Kassenschlager wurde.

Von hier aus gelangte die erste Raymond-Operette an nahezu alle europäischen Bühnen und bis Amerika. Gleichzeitig hatte er damit die für sein Schaffen ideale Form gefunden: die Revueoperette. Sie ist eine Bilderfolge, die ihren nachhaltigen Schaureiz aus der Attraktivität der oft exotischen Schauplätze, einer vom Ballett getragenen Handlung und zugkräftige Musiknummern gewinnt, die auch im Hinblick auf das neue Medium Rundfunk, losgelöst von dem Gesamtwerk, zu verwenden sind. Das Tango-Lied "In einer kleinen Konditorei" wird auf diese Weise ein Lieblingsschlager der damaligen Zeit. In der Folge versucht Fred Raymond, der inzwischen Deutschland zu seiner Wahlheimat gemacht hat, mit "Die Jungfrau von Avalon", 1929 in Dresden uraufgeführt, und "Der Königsleutnant", Premiere 1932 in Leipzig, an seinen frühen Erfolg anzuknüpfen. Als Direktor Heinz Hentschke ihn dann an das Berliner Metropol-Theater holt und Günther Schwenn als Liedertexter dazukommt, beginnt mit "Lauf ins Glück" (1934) eine außerordentlich fruchtbare Zusammenarbeit, die nach "Ball der Nationen" (1935), "Auf großer Fahrt" und "Marielu" (beide 1936) mit der Maske in Blau (1937) einen markanten Höhepunkt erreichte. Für diese Operette hat Fred Raymond gleich sieben Nummern geschrieben, die alle sofort Schlager waren, Evergreens wurden und die mehrfach verfilmte Maske in Blau zu einem Dauererfolg werden ließen. Mit "Die Juliska aus Budapest", "Schau einer schönen Frau nie zu tief in die Augen", "Am Rio Negro", "Sassa" und "Ja, das Temp´rament" schuf Fred Raymond wirkungsvolle musikalische Szenen, originell im Einfall und brillant in der Ausführung. Dennoch ist sein Komponieren von einer auffallenden Bescheidenheit geprägt. Im Respekt vor den großen Meistern der Musikgeschichte und Ehrlichkeit gegenüber seinem Publikum, erlangten die Eingebungen dieses begnadeten Melodienerfinders jene Qualität, die seine Musik unsterblich macht.

Nach der Maske in Blau schrieb er mit gleicher Meisterschaft noch eine Anzahl weiterer Operetten, von denen Saison in Salzburg (Salzburger Nockerln) (1938) ebenfalls ein beständiger Erfolg beschieden war. Aber auch Die Perle von Tokay (1941), Konfetti (1948) und besonders Geliebte Manuela (1951) bergen noch Schätze herrlicher Operettenmusik und sind einer Neuentdeckung wert.

Der 2. Weltkrieg bedeutete auch für diesen lebensfrohen Menschen einen schmerzlichen Einschnitt. Er wurde eingezogen und sollte eine Durchhalte-Operette schreiben, woraus aber nie etwas geworden ist. Ein Schlager wurde noch sehr populär: "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei". Als die Menschen darauf reimten: "... selbst Adolf Hitler und seine Partei" wurde er kurzerhand verboten. Nach den schweren Erschütterungen des Krieges fühlte er sich beim Neubeginn besonders gebraucht. Gemäß seinem Credo, mit Musik den Menschen Freude zu spenden, widmete er sich mit großem Elan der Aufgabe, ihnen Melodien zu schenken, die sie mit nach Hause nehmen konnten und die ihnen die Welt wieder lebens- und liebenswert machten. Am 10. Januar 1954 erlag der letzte große Vertreter der Wiener Operette in Überlingen einem Herzschlag.


Weitere Informationen zu Fred Raymond

 

Geliebte Manuela

Operette in fünf Bildern
Buch von Just Scheu und Ernst Nebhut
Musik von Fred Raymond
2D, 4H, Nebendarsteller, Chor, Ballett
Orchesterbesetzung: Fl I, II, Ob, Klar I, II, Fg, Horn I, II, [III], Trp I, II, [III], Pos I, [II, III], Schl I, II, Hrf, Akk, Git, Kl, Vl I, II, Va, Vc, Kb
UA: 12.07.1951, Nationaltheater Mannheim

Wenn in der Operette Räuber und Gendarm gespielt wird und dies vor bunter Latino-Kulisse, geht es besonders heiß und verwegen zu. Röcke fliegen, Pistolen knallen, und in einem irrwitzigen Verkleidungs- und Versteckspiel wird der berühmte Bandit Juan durch Kaschemmen und Regierungskorridore gejagt. Parlo, der Polizeioberst, kann ihn endlich ergreifen, ihm die Maske vom Gesicht reißen und... hält seine geliebte Manuela, die Tochter des Präsidenten, in den Armen. Da kann ein Staatsbeamter schon mal seine Pflicht vergessen.

Alle uniformierte Aufgeblähtheit wird in dieser satirischen Politposse dem Gelächter preisgegeben und geht im Feuer von Fred Raymonds lateinamerikanischen Schlagern und Tänzen unter.

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